Die Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth und ihre Bedeutung für das Tegernseer Tal

Von Christopher Horn

Vom 4. bis 6. Januar findet in der Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth die alljährliche Klausurtagung der CSU-Landesgruppe statt.

Grund genug für die Tegernseer Stimme mal genauer zu untersuchen, was es mit der Hanns-Seidel-Stiftung im Allgemeinen, dem „Geist von Kreuth“ im Besonderen auf sich hat und welche Bedeutung die Stiftung eigentlich immer noch für das Tegernseer Tal hat.

Der Tätigkeitsbereich

Die Hanns-Seidel-Stiftung e.V. als parteinahe Organisation der CSU wurde am 7. November 1966 in München gegründet und ist nach dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU Vorsitzenden Hans Seidel benannt.

So kennt man das langgezogene Gebäude der Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth. Quelle: Rolf Kaul

Der heutige Aufgabenbereich der Stiftung ist vielschichtig. Zunächst betätigt sie sich im klassischen Feld der Politikberatung. Sie erarbeitet Grundlagen für die politische Entscheidungsfindung, organisiert Konferenzen und veröffentlicht wissenschaftliche Studien im politischen und gesellschaftlichen Bereich.

Darüber hinaus veranstalten die Stiftungsmacher Seminare und Tagungen für interessierte Bürgerinnen und Bürger zur Weiterbildung. Neben der Begabtenförderung ist die Hanns-Seidel-Stiftung auch international stark engagiert. Im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit betreut sie über 90 Projekte auf der ganzen Welt.

Zudem engagiert sie sich auch im Bereich der Außenpolitik und versucht hierfür durch über 30 Projektbüros die Kontakte zu Regierungen, Parlamenten aber auch Nichtregierungsorganisationen zu knüpfen. Als Standorte lassen sich unter anderem Washington, Brüssel, Moskau und natürlich auch Berlin nennen.

Die Hanns-Seidel-Stiftung und Wildbad Kreuth

Wie ist nun aber die Verbindung zu Wildbad-Kreuth entstanden? Das heutige Wildbad-Kreuth geht ursprünglich zurück auf das Jahr 1498. Damals hatte das Kloster Tegernsee an der neu entdeckten Schwefel-Heilquelle ein Badehaus errichtet. Nach wechselvoller Geschichte kam die Anlage an König Max I Josef von Bayern, der das heutige Schloss als Kur und Krankenanstalt baute. 1838 trank der russische Zar Nikolaus vom Kreuther Heilwasser und viele gekrönte Häupter des europäischen Kontinents kamen zur Kur.

Das Areal in Wildbad Kreuth aus der Vogel-Perspektive. Quelle: hss.de

130 Jahre stieß die CSU auf der Suche nach einen passenden Domizil für ihre Kaderschmiede schließlich auf Wildbad Kreuth und pachtete den Gebäudekomplex 1974 von Herzog Max in Bayern. 2,4 Millionen DM wurden in die Renovierung und Modernisierung der Gebäude investiert.

Die Parteiakademie sollte ursprünglich vor allem der Förderung und Weiterbildung junger CSU Talente dienen. Diese gingen dort durch eine harte Schule und wurden in ihrer Argumentationsfähigkeit, Redegewandtheit und politischem Fingerspitzengefühl geschult. Zudem dienten die Räumlichkeiten der Abhaltung politischer Tagungen und als Gästehaus der CSU.

Seit 1976 hält die CSU Landesgruppe Klausurtagungen in Wildbad Kreuth ab. Bereits die erste Klausurtagung in Kreuth am 19. November 1976 sorgte bundesweit für Aufsehen. Die CSU kündigte im „Beschluss von Kreuth“ zunächst die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag auf, bevor man sich schließlich am 12. Dezember des selben Jahres dann doch mit der CDU auf eine Fortführung der politischen Zusammenarbeit und der Fraktionsgemeinschaft unter der Bedingung einer Stärkung der CSU Landesgruppe verständigte.

Bis heute ist Wildbad Kreuth immer wieder der Schauplatz brisanter politischer Entscheidungen. Erst wurde hier im 2002 die Kanzlerschaftskandidatur von Edmund Stoiber verkündet, dann wurde eben jener Edmund Stoiber 2007 in Wildbad Kreuth kurzerhand abgesetzt.

Viel mehr als “nur” der bekannteste CSU-Treffpunkt

Ein Ort für Seminare. Quelle: hss.de

Das Tätigkeitsfeld der Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth geht jedoch weit über den CSU-internen Bedarf hinaus. So ist die Tagungsstätte in aller erster Linie ein Bildungszentrum.

Interessierte Laien besuchen hier Seminare über Europapolitik, Senioren lassen sich am PC schulen, Führungskräfte absolvieren Kreativitätstrainings. Jugendliche befassen sich mit Ethik in „Staat und Gesellschaft“.

Alles in allem finden hier Jahr für Jahr 200 zwei- bis fünftägige Seminare mit insgesamt 5.000 Teilnehmern statt. Zudem kann man das Wildbad auch für Hochzeiten und andere private Veranstaltungen mieten. Auch der Abiturball des Gymnasiums Tegernsee wird bis heute im dortigen Festsaal abgehalten und im Rahmen des Oleg Kagan Musikfestivals beherbergt Wildbad-Kreuth alljährlich Musiker von Weltrang.

Die Bedeutung der Hanns-Seidel-Stiftung für das Tegernseer Tal

Was aber bedeutet die Hanns-Seidel Stiftung nun für die Gemeinde Kreuth und das Tegernseer Tal im Allgemeinen. Kritiker könnten anführen, dass die Gemeinde Kreuth keinerlei Kureinnahmen aus den Übernachtungen in Wildbad-Kreuth erhält, da Stiftungen von solchen Abgaben befeit sind.

Das wäre allerdings zu kurz gedacht. Denn genauer betrachtet ist die Bedeutung der Hanns-Seidel-Stiftung für das Tegernseer Tal und für Kreuth im Besonderen nicht zu unterschätzen. Nicht zuletzt durch das große mediale Interesse im Rahmen der alljährlichen Klausurtagungen der CSU ist der Name der Gemeinde Kreuth wohl deutschlandweit vielen Menschen ein Begriff.

Die gezeigten Bilder von der Winteridylle am Tegernsee laden sicherlich einige dazu ein, der Region und der Gemeinde Kreuth einen Besuch abzustatten. Auch die vielen jährlichen Tagungs- und Seminargäste werden neben dem intensiven Kursprogramm sicher auch einen Blick in die Orte rund um den Tegernsee erhalten und einige entschließen sich aufgrund der gewonnenen Eindrücke sicher auch dazu Urlaub im Tal zum machen.

Die Zahl der Seminarteilnehmer im Bildungszentrum Wildbad Kreuth liegt jährlich bei über 20.000 Personen. Betreut werden diese von insgesamt 30 Mitarbeitern, die die Stiftung dauerhaft beschäftigt.

Quelle: hss.de

Und so ist auch der Kreuther Bürgermeister Josef Bierschneider von den positiven Effekten überzeugt und betont, dass die Stiftung als Arbeitgeber sehr wichtig sei, sie aber vor allem als mediales Sprachrohr unschätzbaren Wert besitze.

Und zwar, so Bierschneider, ganz einfach in dem immer wieder Bilder von Kreuth durch die nationalen und internationalen Medien in die ganze Welt getragen würden.

“Das ist einfach eine exzellente Werbung für unsere Region und wir hoffen, dass das auch so bleibt.”


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