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Die Leidenschaft eines 91-Jährigen

Mit 90 Jahren war er zum ersten Mal bei einem Maibaumfest dabei. Er war so begeistert von diesem bayerischen Brauchtum, dass es für ihn im wahrsten Sinne des Wortes “ein Gedicht” war.

Der 91-jährige Wolfgang Träger (rechts) war vom Maibaumaufstellen ganz begeistert. Im hohen Alter hat er deshalb ein Gedicht dazu verfasst.

Ein Gedicht kann von allem handeln. Von Liebe, Freundschaft, Verlust… oder aber von einem Maibaumfest. Als der heute 91-jährige Wolfgang Träger – ein leidenschaftlicher Dichter – im Mai 2017 zum ersten Mal in seinem Leben an einem Maibaumfest teilnahm, war er so begeistert, dass er das Erlebte niederschreiben musste.

Herausgekommen ist ein Gedicht über einen Brauch, der seit Jahrhunderten existiert. Schon die Kelten verschönerten ihre Bäume mit frischem Grün. Und auch die Wikinger stellten in der Mainacht den sogenannten “Thorsbaum” auf: einen hölzernen Pfahl, geschmückt mit bunten Blumen. Dieser Baum stand für Stärke und Wachstum. Außerdem symbolisierte er Freiheit.

Woher kommt die Tradition?

Ganz ist der Ursprung jedoch nicht zu klären, obwohl man davon ausgeht, dass das heutige Maibaumaufstellen aus Bayern stammt. Der bayerische Staatsmann Maximilian von Montgelas stellte einen Maibaum auf, der die Selbstständigkeit des bayerischen Staates symbolisieren sollte. Seither gehört das Maibaumaufstellen auf dem Dorfplatz zur festen Tradition in Süddeutschland.

Zahlreiche Dörfer wetteifern jedes Jahr erneut um den größten aller Maibäume. Mit 57 Metern schaffte es der höchste sogar bis ins Guinness-Buch der Rekorde. Der 91-jährige Wolfgang Träger jedenfalls liebt diese Tradition. Und er liebt Bayern, das bayerische Bier, die bayerische Kultur, die Seen und die bayerische Musik.

In jungen Jahren war Träger begeisterter Segler und hat viele Medaillen gewonnen. Heute ist er noch immer mit seinem Mountainbike unterwegs. Seine Enkelin hat ihm versprochen, dass sie heuer mit ihm zum Segeln an den Tegernsee fährt. Noch ein erstes Mal. Denn ihr Opa hat den Tegernsee vorher nie zu Gesicht bekommen.

Wolfgang Träger wohnt und lebt in einer Seniorenresidenz in München.

Zum Maibaum (Ein Gedicht von Wolfgang Träger)

Er zeigt so würdevoll nach oben
der Maibaum, den wir so gern loben.

Viel Weizen- oder Gerstensaft
gibt strammen Männern Muskelkraft,
damit sie sich da nicht verklemmen,
wenn sie den Maibaum senkrecht stemmen.

Ein starkes Team in feiner Tracht
hat dies schon oft gekonnt gemacht,
und schafft, dass selbst ‘ne kalte Brise
das Maibaumfest uns nicht vermiese.

Ob jung, ob alt, ob mittendrin,
es macht für alle frohen Sinn
solch strammen Kerlen zuzusehen,
durch die der Maibaum kommt zum Stehen.

Viel Bier fließt dazu in die Kehlen
auch Hunger lässt sich nicht verhehlen,
und die Akteure wie die Gäste
sind stets begeistert von dem Feste.

Sie freu’n sich schon aufs nächste Jahr,
weil es auch diesmal zünftig war.


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