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Kriminalitätsstatistik veröffentlicht

“Die Menschen hier leben sicher”

Die Lage ist ernst, aber nicht bedrohlich. So könnte man das Gespräch von Polizei und Sicherheitsbehörden im Landratsamt zusammenfassen. Dennoch: Die Gewalt nimmt zu. Besonders die “Reichsbürger” geraten ins Visier der Polizei.

Das Tegernseer Tal / Bild: http://www.foto-webcam.org/webcam/wallberg

Bei Gefahr im Verzug würden die Sicherheitsbehörden wie eine Maschinerie anlaufen, so Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) einleitend beim heutigen Pressegespräch zum Thema “Sicherheit”. Er sei dankbar für eine so gute Polizei vor Ort. Als Beispiel nannte Rzehak die Reichsbürger im Landkreis. „Hier hat die Polizei angemessen und besonnen reagiert“. Aber dieses Thema sei kein Kasperltheater und die Reichsbürger seien keine harmlosen Spinner. „Deren Ideologie ist gefährlich, denn mit ihr soll unser Rechtsstaat abgeschafft werden“, warnte Rzehak.

Als Polizeipräsident Robert Kopp seine Bilanz für 2016 aufmachte, gab es dann aber doch ein paar Auffälligkeiten. Denn die Zahl der Straftaten sei auf 4.300 gestiegen. Was eine Steigerung von 17 Prozent darstelle. Hier würden vor allem die Erfolge der Schleierfahnder auf der Autobahn A8 zu Buche schlagen. Doch im Landkreis, so Kopp, „leben die Menschen sicher“.

Weniger Wohnungseinbrüche, mehr Sexualdelikte

Die Aufklärungsquote bei der „echten“ Kriminalität betrage 62 Prozent und sei damit um 3,8 Prozent gestiegen. Dies zeige, „dass wir zwei von drei erwischen“, so Kopp. Dies sei “eine klare Botschaft”. Vor allem die Wohnungseinbrüche seien ein ganz wichtiger Tätigkeitsschwerpunkt, denn als Opfer habe man ein Problem: die Angst vor weiteren Einbrüchen.

Wo die Kriminalität für den Menschen spürbar ist, müssen wir rein.

Offenbar mit Erfolg, denn im Vergleich zu 2014 mit 51 Wohnungseinbrüchen sei die Zahl im letzten Jahr auf 24 gesunken. Aus dieser Halbierung der Einbruchszahlen sehe man, wo die Polizei ihre Schwerpunkte setze, so der Polizeipräsident. Einen Anstieg um 19 Prozent gebe es auch bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten, auf insgesamt 1.174 Fälle. Zum größten Teil würde es sich hier um Betrugsfälle handeln.

Deutlich zugenommen habe auch die Zahl der Sexualdelikte mit insgesamt 49 Fällen, 18 mehr als im Vorjahr. Dieser Zuwachs sei vor allem einem Serientäter aus Österreich zuzuschreiben, der im Gemeindebereich von Schliersee exhibitionistische Handlungen vor Kinder und Jugendlichen verübte. Der Täter werde demnächst vor Gericht gestellt.

Auffallend gestiegen sei auch die Zahl der Rohheitsdelikte mit 653 Taten. Dieser Zuwachs von 15,2 Prozent bei den Körperverletzungen stehe im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik. Meist seien es körperliche Auseinandersetzungen unter Asylbewerbern gewesen. Damit sei auch die Belastung für die Polizei gestiegen. „wir werden nahezu jeden Tag zu den Unterkünften gerufen“, so Kopp. Manchmal seien es auch nur Ruhestörungen oder ein Streit, oftmals aber Straftaten.

Zunahme der Gewaltkriminalität

Eine Steigerung der Fallzahlen gebe es auch bei der Gewaltkriminalität. Im vergangenen Jahr waren 122 Straftaten, im Jahr zuvor nur 78. „Dies hängt zum Teil auch mit der Gruppe der Zuwanderer zusammen“, erläuterte Kopp. 29 dieser Delikte seien diesem Personenkreis zuzurechnen. „Dies ist auch die Linie vom Landratsamt“, unterstrich Rzehak, „wir bringen alles zur Anzeige, was in diesem Bereich vorfällt“. Damit wolle man zwei Signale aussenden: „Dass sich die Asylbewerber an die Spielregeln hier halten müssen und dass bei uns nichts unter den Teppich gekehrt wird“.

Immer mehr ins Visier der Polizei geraten bei der Verkehrssicherheit die E-Biker, 65 plus X und ohne Helm. Insgesamt gab es im Landkreis 3.243 Unfälle mit Radfahrern. Tödliche Unfälle im Straßenverkehr gab sechs. „Natürlich ist jeder Einzelne zuviel“ so Kopp, aber damit liege man bayernweit auf einem niedrigen Niveau.

Von links: Polizeipräsident von Oberbayern, Robert Kopp, Landrat Wolfgang Rzehak und Polizei-Vize-Präsident Harald Pickert.

Werben möchte Kopp für die Einrichtung von Sicherheitswachten im Landkreis. Diese „wandelnden Notrufsäulen“ sollen keine polizeilichen Aufgaben übernehmen, aber dem Bürger mit ihren auffälligen Westen durch ihre Präsenz ein Sicherheitsgefühl vermitteln, auch beispielsweise bei Waldfesten. Noch gebe es nicht genügend Bewerber. Hinschauen statt wegschauen, sei das Motto. Herzlich willkommen seien auch Bürger bis 65 Jahre mit Migrationshintergrund.

“Wir haben etliche Themen sehr intensiv besprochen. Eines davon sei ein geplanter Sicherheitskurs für Senioren im Bereich Verkehrssicherheit und Kriminalprävention”. Dies können sich Kopp und Rzehak auch im Landkreis vorstellen. An verschiedenen Orten im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern laufe so etwas bereits „ausgezeichnet“.


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