Gut Kaltenbrunn: Nichts wird`s mit dem „geforderten“ 4-Sterne-Hotel

Von Steffen Greschner

Ergänzung vom 10. August / 11:08 Uhr
Die LKW`s am Gut Kaltenbrunn, die im Februar für „Aufregung gesorgt hatten, sind mittlerweile verschwunden. In einem heute erschienenen Artikel in der Tegernseer Zeitung erklärt Antonia Asenstorfer, die Sprecherin der Schörghuber-Gruppe, dass „von Anfang an klar war, dass es sich dabei nur um eine Übergangslösung handelt“.

Ansonsten gibt es aber keine neuen Erkenntnisse. Die Denkmalschutzbehörde im Landratsamt hat, wie bisher schon, alles unter Kontrolle und verwaltet das Elend.

Die weithin sichtbare Plane auf dem Dach des Anwesens ist auch weiterhin dicht, was immer wieder in bestimmten Abständen überprüft wird.

Und auch die Nutzung des brachliegenden Gutes ist derzeit offener denn je. Gegenüber der Zeitung verweist Antonia Asenstorfer auf „viele Konzepte“, die an die Schörghuber-Gruppe herangereicht werden. Die meisten, so lässt sich zwischen den Zeilen herauslesen, werden aber nicht mal geprüft.

Doch eine Erkenntnis gibt es aus dem heutigen Beitrag. Die Wünsche der Bürger aus der im letzten Jahr durchgeführten Gmunder Bürgerwerkstatt werden nicht erfüllt werden können. Denn bei all der Unsicherheit über die Zukunft des Gutes weiß Asenstorfer eine Sache sicher: Ein Hotel wird das Gut Kaltenbrunn nicht werden. Denn da steht die Chefin einfach nicht dahinter.

Und man muss sagen, auch das klang vor ein paar Monaten bereits ähnlich. Als in einer Gemeinderatssitzung das Ergebnis der Bürgerbeteiligung präsentiert wurde und jeder nickte ob der interessanten Aussicht, dass sich in Gmund ein „Ökologisches 4-Sterne Hotel“ im Gut Kaltenbrunn ansiedeln könnte. Der Bedarf für größere Hotels im Tegernseer Tal war ja laut Aussage aus dem damals ebenfalls präsentierten Maßnahmenkatalog da.

Die Antwort von Antonia Asenstorfer auf unsere Nachfrage von vor sechs Monaten beschreibt die Haltung der Schörghuber-Gruppe, die sich seither auch nicht verändert hat:

Mit uns hat niemand gesprochen. Wie wir das Gut nutzen möchten, steht nicht fest. Die grundsätzlichen Probleme mit Denkmalschutz und Anwohnern bestehen weiterhin.

Ursprünglicher Artikel vom 03. März mit der Überschrift: „Die mit Geld machen sowieso, was sie wollen“
Der Beitrag zum „LKW-Abstellhof“ Gut Kaltenbrunn hat für einiges an Diskussionen gesorgt. Knapp 20 Kommentare, die vor allem die Frage thematisieren, inwieweit sich die Schörghuber-Gruppe, als Eigentümerin des Guts, von den Bürgern in die Verwendung ihres Besitzes „reinreden“ lassen muss.

Diese Frage kann einigermaßen klar beantwortet werden: Die Eigentümerin weiß derzeit relativ genau, was sie darf und was nicht. Eine Verwendung als LWK-Stellplatz mag zwar auf den ersten Blick verwerflich sein, ist jedoch nicht verboten, da sie die schutzwürdigen Gemäuer nicht beschädigt. Zumindest ist das die derzeitige Rechtsauslegung.

Und auch die vehement geforderte Teilöffnung des Gutes lässt sich nicht einklagen. Die Schörghuber-Gruppe muss den Biergarten der Allgemeinheit nicht zur Verfügung stellen. Egal, wie das subjektive Rechtsempfinden in diesem Punkt ist.

Damit ist das Problem natürlich nicht erledigt. Denn was auch immer wieder für Nachschub an der Diskussionsfront sorgt, sind beispielsweise „Ergebnisse“ aus Veranstaltungen, wie der im letzten Jahr durchgeführten Bürgerwerkstatt in Gmund. Bei diese an sich tollen Aktion, die den Bürgern das Gefühl vermitteln sollte, sie können die Zukunft ihrer Gemeinde in die Hände nehmen, wurden scheinbare Lösungsansätze auf Basis von Bürgerwünschen und Expertenmeinungen für die offensichtlichsten Problembereiche im Ort präsentiert:

Ein „Ökologisches 4-Sterne Hotel“ im Gut Kaltenbrunn hörte sich damals erstmal gut an. Der Bedarf für größere Hotels im Tegernseer Tal war ja laut Aussage aus dem ebenfalls präsentierten Maßnahmenkatalog da. 150-200 Gästebetten hätten es also schon werden können.
Reaktion des Eigentümers auf die konkrete Maßnahme im letzten Jahr:

Mit uns hat niemand gesprochen. Wie wir das Gut nutzen möchten, steht nicht fest. Die grundsätzlichen Probleme mit Denkmalschutz und Anwohnern bestehen weiterhin.

so die Sprecherin Antonia Asenstorfer auf Nachfrage.

Oder das Maximilian: Eine Tourist-Info, ein regionales Schaufenster, ein Servicepunkt für Radler und ein Ort für Gesundheitsdienstleistungen sollen laut den Eckpunkten zur Nutzung des Maximilian unter anderem entstehen. Alles gute Dinge, die aber eines gemein haben. Sie werden den Interessen eines Investors nicht gerecht. Da das alte Gebäude bestehen bleiben soll und deswegen aufwendig restauriert werden muss, braucht der vor allem renditeträchtige Maßnahmen. Allen voran Eigentums-Wohnungen. Vielleicht ein Hotel, falls das Problem mit dem Verkehr geregelt wird. Eventuell noch eine große Wirtschaft mit Biergarten.

Es stellt sich also die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass die Gemeinde bei Verhandlungen mit den wenigen ernsthaften Interessenten die Vorstellungen der Bürger wie einen heiligen Gral vor sich her tragen wird? Oder inwieweit sich die Schörghuber-Gruppe darum kümmert, ob die auf den Barrikaden-stehenden Gruppen vehement eine erneute Öffnung von Kaltenbrunn fordern?

Was ist also eine Beteiligung an Entscheidungsprozessen wert, wenn die Beteiligung endet, bevor die wirklichen Entscheidungsprozesse einsetzen? Führt sie eventuell nur noch zu mehr Unzufriedenheit und einem Gefühl des Ausgeliefertseins, das man mit dem folgenden Zitat beschreiben kann: „Die die Geld haben machen sowieso, was sie wollen.“

Beteiligung ist gut, aber die Bürger müssen wissen wo wahrscheinlich die Grenzen sind. Sie in ein Hochgefühl der Mitbestimmung zu versetzen, wo dieses nicht angebracht ist, bringt niemanden weiter. Spätestens wenn der Geldgeber kommt, wird meistens klar wer tatsächlich das Sagen hat.

Das Gefühl der Niederlage geht dann manchmal in eine Trotzreaktion über. Diese ist nicht selten die Basis für den Beginn von rechtlichen Auseinandersetzungen, Klagen und gegenseitige Schuldzuweisungen.

Auch ein Grund dafür, dass es am Gut Kaltenbrunn nicht weitergeht ist, das derzeit das Klima in Bezug auf dortige Investitionen völlig vergiftet ist. Und das hilft derzeit einfach niemandem….


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