Badepark und Jodbad – Die Nachteile einer Verbindung

Badehaus und Jodbad sollen eventuell miteinander verbunden werden. Während die Gemeinde abwiegelt, warnt eine Ärztin vor einem „Geburtsschaden“.

Badepark und Jodbad – trennen oder verbinden? Noch ist keine endgültige Entscheidung gefallen.

Es war eine weite Fahrt von knapp 800 Kilometern, die im Mai 2013 eine Abordnung aus Bad Wiessee unternahm. Unter Führung von Bürgermeister Peter Höß reiste man quer durch die Republik bis nach Niedersachsen. Bei den Kollegen im Kurort Bad Bentheim wollte Höß erfahren, ob eine Trennung von Badepark und Jodbad nötig sei.

Bentheim verfügt über eine Mineraltherme mit Solebad und einen Badepark. Dort „hat Höß nach dem Gespräch mit dem Geschäftsführer von Klinik, Bäderzentrum und Schwefelbad verinnerlicht, dass es zu vermeiden ist, medizinische Bäder und Freizeitbäder zu vermischen“, erklärt Wiessees Geschäftsleiter Hilmar Danzinger auf Nachfrage.

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Verbindung oder Trennung beider Bäder?

Deshalb spricht man jetzt im Rathaus auch nur noch von Planungen der Arbeitsgruppe. “Wie sich diese Planungen entwickeln, hängt -nicht zuletzt- am finanziellen Rahmen, der hierfür zur Verfügung gestellt werden kann“, sagt Danzinger einschränkend. Definitiv werde es eine Zugangskontrolle zwischen beiden Bädern geben.

„Da das Badehaus eigene Umkleidemöglichkeiten in den Wannenräumen haben wird, wird kein Patient des Badehauses in die Verlegenheit kommen, mit Besuchern des Badeparks in Kontakt zu kommen. Es sei denn, er oder sie möchte das so“, so Danzinger. Daher könnten diese Planungen auch in der beschriebenen Form weiterverfolgt werden.

Wenige nutzen beide Einrichtungen

Etwas kritischer sieht das Fachfrau und Jodbad-Geschäftsführerin Renate Zinser: „Wir haben sehr viele Hautpatienten, die wollten nicht mit ihren Hautschuppen im Bademantel durch die Gegend laufen. Die schätzen die Intimität der Kabine“. Wenn sich dies ein bisschen „vermische”, sei das jedoch “kein Problem“.

Im Badehaus werde es künftig einen Ruheraum geben. Ob und in welcher Form es dann eine Anbindung zum Badepark geben wird, sei ein Diskussionspunkt von vielen, so Zinser. Noch sei man jedoch weit von einer Entscheidung entfernt. Ihre Beobachtung sei, dass in ganz geringem Maße Saunabesucher in ihrem Provisorium auch ein Jodbad oder eine Massage nehmen wollen. Dann würde man aber im Bademantel kommen.

„Bei uns kommen die Gäste in der Regel in Straßenkleidung und ziehen sich in ihrer Kabine um. So könnte man es künftig mit einer gewissen Durchlässigkeit auch machen. Aber wir werden sicher dabei bleiben, dass sich die Menschen im Badehaus umziehen. Weil dies der Gemeinderat auch so beschlossen hat“, so Zinser. Das mache auch Sinn.

Wiesseer Ärztin begründet Trennung von Jodbad und Badepark

Für getrennte Ruhe- und Umkleidekabinen in beiden Badehäusern spricht sich auch Dr. Angela Glass aus. Sie ist Augen- und Kurärztin in Bad Wiessee. Glass hält eine Verbindung der beiden Trakte „für sehr bedenklich“. Die Einrichtung würde nach jetzigem Konzept zwei ganz unterschiedliche Klientels an verschiedenen Stellen zusammenführen.

Zum einen die normalen Badegäste des Schwimmbads, also Sportler, Familien, Jugendliche, Mütter mit kleinen Kindern. Zum anderen die Kurgäste, darunter auch Alte, Kranke, Gebrechliche. “Diese beiden Gruppen haben indessen gänzlich unterschiedliche Erwartungshaltungen, Bedürfnisse und auch Ansprüche”, so die Ärztin. Sie befürchtet zudem eine „Geruchsbelästigung“ der Schwimmbadgäste.

Im umgekehrten Fall fände sie auch die „Chlorgerüche für die Kurgäste unpassend“. Für „sehr wahrscheinlich“ hält Glass, dass sich beide Besuchergruppen jeweils in ihrer Entfaltung bei der Nutzung der Einrichtungen eingeschränkt und gar gestört fühlen, was wiederum eine permanente Quelle für Beschwerden beider Seiten darstellen würde.

Dies würde ihrer Meinung nach zu einer dauerhafte Abwertung der Einrichtungen auf beiden Seiten führen. „Diesen Geburtsschaden sollte man sich gut überlegen“. Gelegenheit dazu hat nun der Arbeitskreis Badepark. Heute tagt das achtköpfige Gremium wieder.

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