Irritationen um „Comolli“-Bürohaus

Die Nebel lichten sich in Gmund

Sie trat so beherzt auf, dass für viele der Eindruck entstand, sie sei schon Eigentümerin des Grundstücks an der Burgstaller Straße. Doch die Gmunder Schmuck-Designerin Tamara Comolli wollte sich nur über Änderungen am Haus informieren. Kaufen will sie das 1,7 Millionen Büro-Gebäude jetzt jedenfalls nicht mehr.

Verwirrung um dieses Büro-Haus in Gmund.

Dreimal beschäftigte Tamara Comolli den Ortsplanungsausschuss in Gmund. Die Gemeinderäte mussten sich jeweils im April, Mai und Juni mit gewünschten Erweiterungen und Umbauten am Gebäude in der Burgstaller Straße 6 mit seinen 450 Quadratmetern Gesamtfläche befassen. Als Antragstellerin plante Comolli unter anderem einen „komplett verglasten Wintergarten“ für ihre Mitarbeiter und den Umbau der Garage zu einer Küche. Bei einem Ortstermin diskutierte man auch über Abgrabungen zur Freilegung des Untergeschosses, doch letztlich wurden diese vom Ausschuss abgelehnt.

Dennoch wollte man der Edelstein-Unternehmerin, die unweit von der Burgstaller Straße ihren bisherigen Firmensitz hat, nicht zu viele Steine in den Weg legen, denn schließlich zahle Comollis Betrieb Gewerbesteuern, so Bürgermeister Georg von Preysing bei der damaligen Bauvoranfrage. Wenn die Stellplatzfrage im offiziellen Bauantrag gelöst sei, gebe es seitens der Gemeinde keine Einwände. Doch so weit kam es erst gar nicht.

Comolli sucht Erweiterungsfläche

Denn alle Mühen waren vergebens. Nun wird das Gebäude zum Verkauf angeboten. Als Grund für Ihren Verzicht nennt Comolli auf Nachfrage „insbesondere die eingeschränkte Parkplatzsituation“. Deswegen habe sie von der Intention, „das Objekt eventuell zu kaufen, Abstand genommen“. Sie hätte „nie geplant“ gehabt, ihren Firmensitz in Gmund aufzugeben.

Wir suchten nach einer Erweiterungsfläche und es war naheliegend, sich mit der Burgstallerstrasse zu befassen.

Somit bestanden auch für die Gemeinde keine Zweifel, wie es Geschäftsleiter Florian Ruml auf Nachfrage beschreibt, „dass die antragstellende Person ein Interesse an der verbindlichen baurechtlichen Auskunft hat, und dies war ja bei Frau Comolli der Fall.“

Von informellen zu formellen Gesprächen

„Wir sind dem Charme und der Begeisterung dieser Frau erlegen und haben Tür und Tor geöffnet“, räumt nun Grundstückseigentümer Franz Schmid-Preissler gegenüber der TS ein. „Das führte dann dazu, unserer Empfehlung zu folgen und einmal informell mit der Gemeinde zu reden. Doch daraus wurde etwas ganz Formelles“. Selbst ein Schaugerüst sei auf dem Grundstück aufgestellt worden. „Auch das haben wir geschluckt, denn wir wollten Frau Comolli nicht die Freude verderben“, so der Unternehmensberater.

Das Gebäude sollte nicht „an jemanden verkauft werden, der dann enttäuscht ist, weil er seine Änderungswünsche nicht umsetzen kann“. Und davon gab es einige bei Comolli. „Ich empfahl ihr daraufhin, doch ein unverbindliches Gespräch mit der Gemeinde zu führen, ob diese alles so absegnen würde“. Doch im Juli kam die Wende, so Schmid-Preissler: „Frau Comolli ließ uns wissen, dass sie sich intern wegen der Finanzierung anders verhalten müsse und deshalb den Kauf nicht weiter verfolgen wolle“. In Comollis Pressemitteilung liest sich das so:

Die Immobilie war letztlich nicht passend für uns, daher haben wir uns entschieden, sie nicht zu erwerben.

Daher wird das Bürogebäude auf ca. 1.500 Quadratmetern Grund derzeit für rund 1,75 Millionen Euro als repräsentatives Bürohaus zum Verkauf angeboten. „Es empfängt in zentraler Lage am Tegernsee und gefällt durch die moderne, gradlinige Architektur“, heißt es auf der Website des Maklers in Tegernsee. Schmid-Preisslers Begründung: „Meine Frau und ich haben uns entschieden, das Gebäude aus Altersgründen zu verkaufen“.


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