Gmunder Bio-Bauer:

“Die schießen sich selbst ins Knie”

Seit Jahren kämpft Bio-Landwirt Johann Hemeter aus Festenbach für einen modernen Stall. Irgendwann genehmigte ihm die Gemeinde Gmund diesen. Einzige Bedingung: Ein anderes Gebäude muss dafür weg. Hemeter sah’s sportlich: Was weg ist, kann doch sicher durch ein Zweifamilienhaus ersetzt werden. Denkt er.

Im Januar dieses Jahres hatte Hemeter angefangen, den neuen Stall zu bauen (links). Seit etwa zwei Wochen steht er (rechts) / Fotos: N. Kleim

Ende Juli 2016 hatte der Gmunder Ortsplanungsausschuss den Antrag von Landwirt Johann Hemeter abgelehnt, auf seinem Hof einen größeren, moderneren Stall zu bauen. Den brauchte Hemeter aber, um seine Landwirtschaft wirtschaftlicher führen zu können. Weil er auf eine biologische Landwirtschaft gesetzt hatte, war es zwingend erforderlich, für seine insgesamt 60 Kühe mehr Platz zu schaffen.

Damals begründete das Gremium seine Ablehnung damit, es seien „noch zu viele Fragen offen“. Es wurde in Frage gestellt, ob Hemeter überhaupt priviligiert sei, im Außenbereich zu bauen. Nach einer Ortsbegehung war jedoch schnell klar, dass er als Landwirt durchaus dazu berechtigt war. Nachweisen konnte der Landwirt zudem langfristige Pachtverträge mit Grundbesitzern, die ihm insgesamt zusätzlich 32 Hektar Wiesenflächen für die Kühe zur Verfügung gestellt hatten.

Hemeter plant Zweifamilienhaus

Daraufhin erteilte ihm die Gemeinde im März 2017 die Genehmigung für den neuen Stall, der parallel zum bestehenden gebaut werden sollte. Weil der Landwirt aber neben überdachten Außenboxen zusätzlich eine Maschinen- und Gerätehalle plante, bekam er von der Gemeinde die Auflage, ein anderes Gebäude abzureißen.

Durch das ganze Hin und Her und die damit verbundene zeitliche Verzögerung verpasste Hemeter die Frist für die staatliche Förderung. 60.000 Euro habe er dadurch verloren, sagt er jetzt auf Nachfrage. Und nicht nur das. Schließlich habe er auch Verpflichtungen gegenüber den anderen Bauern gehabt, die er nicht habe einlösen können.

Jüngst lag dem Ortsplanungsausschuss ein neuer Bauantrag von Hemeter vor: Der wie von der Gemeinde geforderte Abriss seines landwirtschaftlichen “Querbaus” und der Neubau eines Zweifamilienhauses. “Wenn der Querbau sowieso weg muss, kann ich auch was anderes bauen”, sagt er und fügt hinzu: “Die schießen sich selbst ins Knie”.

Schließlich befände sich der Querbau im Innenbereich, und auch mit den Abstandsflächen zu den Nachbargrundstücken gebe es keine Probleme. Auch wenn sich Kreisbaumeister Werner Pawlovsky vom Landratsamt schon zu früheren Zeiten an dem “dominierenden” Querbau gestört habe, wenn er durch Festenach gefahren sei, wie Hemeter erzählt. Seine Beweggründe für den Neubau? Heutzutage brauche man einfach eine “Einkommenskombination”, sagt er.

Gemeinde lehnt Antrag ab

Bürgermeister Alfons Besel bestätigte seinen Ausschussmitgliedern, dass ein Neubau aufgrund der Vorgeschichte eben nur möglich sei, wenn dafür ein bestehendes Gebäude abgerissen wird. In der Vergangenheit habe man immer wieder darüber diskutiert, erläuterte er noch einmal, ob sich die Bauvorhaben im Innen- und Außenbereich befänden.

Diesen Querbau, der laut Gemeinde abgerissen werden muss, will Bio-Bauer Johann Hemeter durch ein Zweifamilienhaus ersetzen. / Foto: N. Kleim

Aus diesem Grund sollte man auch in diesem Fall eine Ortsbesichtigung anberaumen, schlug Besel vor. Als problematisch wurde die Zufahrt im Gremium angesehen. Der zweite Bürgermeister Georg Rabl (FWG) war der Meinung, man müsse sich „grundsätzlich Gedanken machen, wie man den Straßendorfcharakter“ erhalte.

Wir müssen aufpassen, dass nach hinten nicht alles ausgebaut wird.

Den aktuellen Antrag könne man nur ablehnen, merkte Rabl an. Erst müsse die Gemeinde klar definieren, was sie in Festenbach wolle. Danach könne geschaut werden, wie ein solcher Neubau die Ortssicht beeinträchtige. Die Mitglieder des Gremiums einigten sich auf eine Ortsbesichtigung. Einstimmig wurde der Antrag daraufhin abgelehnt.

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