Rottach ist Hängepartie leid
“Die Seeperle ist nie richtig mit Leben gefüllt worden”

von Christopher Horn

Seit über 20 Jahren gehört das Gebäude an der Seestraße schon zum Stadtbild Rottach Egerns. Der Investor Andreas Greither plant nun den Umbau der Seeperle zu einem Hotel der Kategorie Vier Sterne plus. Derzeit stocken die Planungen jedoch.
Wann genau sie ihren Betrieb aufnehmen wird, steht derzeit noch in den Sternen.

Von der Seestraße hat man einen guten Blick auf das Gebäude

„Wir wollen etwas schaffen, was Rottach gut tut”, bekräftigte Andreas Greither noch im Dezember 2008 gegenüber dem Merkur. Damals wurden er und seine Ageno Holding GmbH als neue Investoren für das Seeperlen-Areal präsentiert.

Gemeinde kommt Greither entgegen

Im Frühjahr 2010 legte dieser dann dem Gemeinderat die Pläne für den Umbau in ein nobles Vier Sterne plus-Hotel vor. Vorgesehen sind 52 Zimmer. Der Ostteil des Gebäudekomplexes wird um ein Geschoss erhöht und nach Süden verlängert. Der Westtrakt soll zur Seestraße hin bei gleicher Höhe erweitert werden. Auf der Freifläche ist ein Gebäude für Kleingastronomie geplant.

Auch die Gemeinde Rottach-Egern zeigte sich hoch erfreut und kam den Ideen Greithers im Bauausschuss entgegen. Der Bebauungsplan wurde 2010 zugunsten einer reinen Hotellösung geändert, und der Weg für eine schnelle Lösung schien frei. “In meiner 30-jährigen Amtszeit als Kommunalpolitker habe ich kaum ein Bebauungsplanänderungsverfahren erlebt, das so schnell und unkompliziert über die Bühne gegangen ist”, erinnert sich Bürgermeister Franz Hafner.

Nach der Änderung machte Greither der Gemeinde einen Vorschlag, der jedoch nie umgesetzt wurde. Seitdem ist nichts mehr geschehen. Über diese “sehr lange Ruhepause” äußerte sich Hafner bereits Ende 2011 durchaus enttäuscht. Verständlich, betrachtet man die Vergangenheit des Gebäudekomplexes.

Bislang kein Erfolgskonzept

Der Nürnberger Teppichhändler Mouhammad Abousaidy hat die Seeperle vor über 20 Jahren gebaut. Anfänglich war das Anwesen, das aus zwei zweistöckigen Gebäuden und einer Tiefgarage besteht, für Galerien und Gaststätten bestimmt. Später wollte der Unternehmer dort ausschließlich Wohnungen unterbringen. Das war absolut nicht im Sinn der Gemeinde. Eine längere Phase der Ungewissheit und des Streits mit dem bisherigen Eigentümer war die Folge. Bis eben 2008 die Ageno Holding GmbH auf den Plan trat und die Seeperle erwarb.

Obwohl die anfänglichen Freude verflogen ist, hofft die Gemeinde Rottach-Egern weiterhin auf eine baldige Lösung. “Es wäre wünschenswert, wenn es vorwärts gehen würde”, heißt es in einem aktuellen Schreiben an den Investor.

Dieser zeigt sich allerdings unbeeindruckt und will von Problemen mit dem Rathaus nichts wissen: “Das ist für uns kein Thema. Wir arbeiten gut mit der Gemeinde zusammen und berücksichtigen deren Wünsche und Anregungen. Aber die Dinge kommen, wie sie kommen.”

“… wenn die Gemeinde das Grundstück gekauft hätte”

Anlässlich des zweifarbigen Fassadenanstrichs wurde die Seeperle im Gemeinderat zuletzt wieder heftig diskutiert. Nach Meinung von Alexandra Wurmser von der CSU ist der zweifarbige Probeanstrich ein Problem und sollte abgeändert werden. Dies ist mittlerweile passiert, die Fassade ist wieder komplett weiß. Aber auch der Werbeanhänger mit der Aufschrift “Westerhof” ist der Gemeinde nicht so recht, wie Walter Hübsch vom Bauamt betont.

Gute Nachrichten zum Fortlauf der Hotelplanungen würden die Kommune sicherlich wieder in eine entspanntere Gemütslage versetzen. “Rückblickend wäre es wohl am besten gewesen, wenn die Gemeinde das Grundstück vor vielen Jahren gekauft hätte”, meint Hafner heute und fügt enttäuscht hinzu:”Die Seeperle ist nie richtig mit Leben erfüllt worden.”

So sah das Gebäude bis vor Kurzem aus, mitterweile ist es aber auf Drängen der Gemeinde wieder ganz in Weiß

An den Absichten Greiters, ein Vier Sterne plus-Hotel zu errichten, habe sich laut Hafner aber nichts geändert. “Wir harren der Dinge”, so der Rathaus-Chef weiter.
Viel mehr Möglichkeiten bleiben der Gemeinde auch nicht. Ohne rechtliche Grundlage sind sie auch weiterhin Bittsteller.

Wohl auch deswegen werden vermeintliche Kleinigkeiten wie der Werbeanhänger in der Einfahrt immer wieder im Gemeinderat behandelt.


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