Parkhaus, Tegernseebahn, Hallenbad - wie viel Schulden lassen sich stemmen?
Die TKV am Scheideweg

von Peter Posztos

Die Tegernseer Kur- und Versorgungsbetriebe (TKV) sind der sprichwörtliche Goldesel der Stadt Tegernsee. Eine kurzfristig eingeräumte Möglichkeit, in die Zahlen Einblick zu nehmen, hat dabei Interessantes zutage gefördert.

So hat die TKV im Geschäftsjahr 2010 ein Plus von rund 171.000 Euro erwirtschaftet. Dabei sind vom E-Werk Tegernsee, das zu knapp 98 Prozent der TKV gehört, über 1,38 Millionen Euro in die Kassen des Tegernseer Eigenbetriebes geflossen. Eine Ausgangssituation, bei der die Stadt nicht ohne Weiteres zusätzliche Investitionen stemmen kann. Doch der Tegernseer Stadtrat sieht das bekanntermaßen anders.

Die Beteiligungsverhältnisse zwischen Stadt Tegernsee, TKV und dem E-Werk. Für die große Ansicht auf das Bild klicken.

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Die genaue Betrachtung der Zahlen zeigt, dass die Sparten der TKV (Altes Hallenbad und Seesauna) derzeit hoch defizitär sind. Beim Hallenbad zahlt der zu 100 Prozent von der Stadt Tegernsee beherrschte Eigenbetrieb 218.000 Euro drauf. Bei der Seesauna waren es im Jahr 2010 noch 606.000 Euro. Und damit noch mal mehr als im Geschäftsjahr 2009. Der Umsatz der gut angenommenen Tegernseer Einrichtung liegt bei 1,8 Millionen Euro.

Laut Norbert Kruschwitz, Werkleiter der TKV und Geschäftsführer der Seesauna Betreibergesellschaft, sind die Besucherzahlen mittlerweile auf einem sehr hohen Niveau angekommen. “Da ist nicht mehr viel Spielraum nach oben. Wir könnten noch die wenigen besuchsschwachen Tage optimieren. Aber das war es dann auch schon.” Eine Erweiterung der Seesauna hält Kruschwitz für schwierig. Dadurch würde eventuell der Charme verloren gehen. Eine Umsatzsteigerung in dem sehr personalintensiven Betrieb sei damit nur noch in Maßen möglich.

Wer zahlt die Zeche?

Doch wenn Seesauna und Hallenbad, zumindest für die TKV, ein Zuschussgeschäft darstellen, stellt sich die Frage, wer dann die anstehenden Projekte wie den Bau des Parkhauses oder den Kauf der Tegernseebahn finanzieren soll. Das E-Werk Tegernsee, der derzeit einzige Ertragsbringer im steuerlich begünstigten Verbund der unterschiedlichen Tegernseer Einrichtungen, dürfte in den nächsten Jahren eigene hohe Investitionen zu stemmen haben. Die Energiewende wirft ihre Schatten voraus. Der Markt verändert sich.

Falls sich die Stadtratsmehrheit durchsetzt – und danach sieht es derzeit aus -, darf die TKV ab 2013 weitere 6 bis 7 Millionen Euro schultern. Die Summe setzt sich aus den angenommenen Baukosten für das Parkhaus und den anteiligen Kosten für den Kauf der Bahnlinie zusammen. Mit Zins und Tilgung würde das jährlich eine weitere Belastung der TKV von etwa 800.000 Euro bedeuten. Der städtische Eigenbetrieb wäre de facto überschuldet, falls beim E-Werk nicht ein ertragstechnisches Wunder geschieht. Und davon ist – Stichwort Energiewende – derzeit nicht auszugehen.

Der “Held” der Nachbarschaft

Unter diesem Aspekt erscheint auch die heutige Meldung des Merkur zum Kauf der Tegernseebahn in einem anderen Licht. Ein Kauf, den Experten als sinnvoll und weitblickend bezeichnen. Der in Tegernsee jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach zusammenkommt mit dem millionenschweren Bau eines zentralen Parkhauses.

Das ist in etwa so, wie wenn Sie als normaler Bürger sich entscheiden, ein eigenes Haus zu bauen und gleichzeitig ein Zweitdomizil in Südfrankreich erwerben. Nur weil gerade die Zinsen so günstig sind. Dabei wissen Sie noch nicht mal genau, wie lange das Kapital reicht, um das erste Haus abzubezahlen.

Wovon Sie aber ausgehen können, ist, dass Ihnen der Neid der Nachbarn sicher ist. Und auch wenn dieser in einigen Jahren in Mitleid umschlagen sollte und ihre Kinder sie verfluchen, stört Sie das nicht. Denn Sie fühlen sich als der größte Bauherr aller Zeiten. Und vor allem wissen Sie: Die Konsequenzen tragen eh die anderen.

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