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Sparkasse kündigt Mitarbeiter-Haus in Italien - Eigentümer klagt

Dolce Vita für die Angestellten

Während der Ära von Ex-Sparkassenvorstand Georg Bromme leistete sich die Kreissparkasse ein schickes Ferienhaus in Italien. Inzwischen hat sie dieses fristlos gekündigt.

Der Vermieter wollte sich damit aber nicht abfinden. Gestern kam es zum Aufeinandertreffen vor dem Münchner Landgericht.

Am Münchner Landgericht kam es am Dienstag zu einem Verfahren zwischen der Kreissparkasse und
Am Münchner Landgericht wurde am Dienstag der Fall Kreissparkasse gegen Axel Dauelsberg verhandelt / Archivbild

Monatelang stand die Kreissparkasse Miesbach nach der Sponsoring-Affäre um den früheren Landrat Jakob Kreidl (CSU) in den Schlagzeilen. Im gleichen Kontext ging es auch um Ex-Sparkassenchef Georg Bromme, ob beim Kauf des Psallierchors, der Geitauer Alm, üppigen Geburtstagsfeiern, Bürgermeister-Luxusreisen, Schießstand in Achenkirchen und vielem mehr.

Das System Miesbach ist Synonym für den „hemdsärmeligen“ Umgang Brommes mit anvertrauten Geldern. Nun werden Ferienwohnungen in Italien für Mitarbeiter des Geldinstituts bekannt, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Mietvertrag sollte bis 2020 bestehen

Das idyllische Haus mit fünf Schlafplätzen liegt an einer Lagune in der Provinz Udine an der Adria. Inhaber ist Axel Dauelsberg aus Schlacht bei Glonn. Er ist nicht nur Inhaber eines Möbelhauses, sondern auch Makler für Italiens „Traumimmobilien“. Dauelsberg hatte einen langjährigen Mietvertrag mit der Kreissparkasse, nachdem Bromme 2008 bei einer Besichtigung von der Immobilie so begeistert war, dass er sie sofort als Ferienhaus für seine Sparkassenmitarbeiter haben wollte.

Der Mietvertrag sollte bis 2020 bestehen, 22.200 Euro Jahresmiete war dies Bromme wert. Doch nach dem Ausscheiden Brommes zeigte man offenbar in Miesbach kein Interesse mehr an diesem Domizil und versuchte Dauelsberg aus dem Mietvertrag zu drängen, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt. Dagegen klagte der Vermieter am Dienstag vor dem Landgericht München II. Es ging um 100.000 Euro, die der Unternehmer einklagen wollte.

Urlaub für die ganze Familie

Bei den Mitarbeitern der Sparkasse sei dieses Domizil sehr beliebt gewesen, berichtete Dauelsberg, es sei immer ausgebucht gewesen. In traumhafter Lage konnte man etwa im stets bereitliegenden Boot selbst nahegelegenen Inseln erreichen. Die Listen mit den Angestellten der Sparkasse, die dort zwischen Anfang Mai und Ende Oktober Urlaub machen wollten, habe er bereits Anfang eines Jahres bekommen. Meist blieben die Mitarbeiter samt Familien eine Woche.

Auch Kosten für die Endreinigung von 80 Euro wurden bis Brommes Ausscheiden 2012 von der Kreissparkasse übernommen, wie die Tegernseer Stimme erfahren hat. Danach hätten die Urlauber selbst Besen und Schaufel in die Hand nehmen oder mal die Fenster reinigen müssen. Auch die Bettwäsche wäre von ihnen zu reinigen gewesen. Die Idylle trübte sich wohl mit Bettlaken auf der Leine vor dem Urlaubsdomizil.

Neuer Sparkassen-Vorstand kündigt Mietvertrag

Damit war wohl dem neuen Vorstand der Kreissparkasse das Haus plötzlich nicht mehr gut genug. Zudem habe er am Bootssteg herumgemäkelt. Auch sei das Treppengeländer zu morsch und nach einem Einbruch sei die Eingangstür nicht ordentlich repariert worden. Am 10. Juni 2014 kündigte die Kreissparkasse daher den Mietvertrag mit Axel Dauelsberg. Der zog vor Gericht und pochte auf seinen Mietvertrag. Denn für ihn ist er mehr als 150 000 Euro Wert.

Formal klagte er aber erst einmal eine Jahresmiete ein und wollte gerichtlich festgestellt wissen, dass der Mietvertrag nach wie vor gültig sei. Ein Angebot der Sparkasse, die sich mit 60 000 Euro freizukaufen wollte, lehnte er im Vorfeld ab. In der Verhandlung am Dienstag sagte er, dass allein schon das Leerstehen des Hauses “desaströse Schäden” angerichtet habe, von Feuchtigkeit im Putz bis zu Ameisenhaufen im Haus – allein das zu beseitigen, koste ihn 50 000 Euro schreibt die Süddeutsche Zeitung.

“100.000 Euro Forderung dreist”

Der Vorsitzende der 12. Zivilkammer, Franz Aschenbrenner, nannte die von Dauelsberg geforderten 100.000 Euro “aus rechtlicher Sicht dreist”. Die geschilderten Schäden erschienen ihm auch kaum realistisch. Aber letztlich würde das Sache einer Beweisaufnahme sein, sagte der Richter – “und das ist im Ausland mühevoll”. Dann kam Aschenbrenner zum juristisch komplizierten Knackpunkt dieses Prozesses: Es müsste nämlich auch hier in Deutschland nach italienischem Mietrecht gestritten werden. Das gehe nicht, ohne einen Sachverständigen für italienisches Recht einzuschalten.

Zweifel hatte der Richter auch aus deutscher Sicht am Mietvertrag: Mit einer Bank als Mieter hätte es eines Gewerbemietvertrages bedurft, abgeschlossen worden sei offenbar aber ein gewöhnlicher Wohnraummietvertrag. Und auch der sei “eher kryptisch” ausgestaltet und “sehr eigenwillig”. Zudem sei auch das Mietobjekt nicht korrekt beschrieben worden.

Aschenbrenner schlug vor, dass die Kreissparkasse 35 000 Euro bezahlt und die Prozesskosten aufgeteilt werden. Sparkassen-Anwalt Dirk Thelemann schlug nicht unzufrieden ein. Und auch Dauelsberg nickte schließlich, wenn auch massiv enttäuscht, wie die Süddeutsche Zeitung meldet.


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