Doppel-Rathaus für Waakirchen

Waakirchen hat sich einen Erweiterungsbau vorgenommen und das Ensemble aus alter Kreissparkasse und Neubau gestern im Pfarrheim vorgestellt. Auch die umstrittene Ortsmitte steht auf der Agenda:

Gestern im Waakirchner Pfarrheim … / Quelle: Redaktion

Um die 70 Bürgerinnen und Bürger machten es sich gestern unter den glitzernden Faschingsgirlanden im Pfarrheim gemütlich. Sie wollten die Entwürfe für das neue Rathaus sehen. Bürgermeister Norbert Kerkel übergibt nach einer kurzen Begrüßung gleich an die Architektin und Stadtplanerin Vera Winzinger.

Eine Frau im intellektuellen Look: dunkler Hosenanzug, schwarz umrahmte Brille, graues, langes Haar in einem Pferdeschwanz gebändigt. Winzinger präsentierte bereits eine grobe städtebauliche Planung für die Ortsmitte der Piesenkamer. Heute geht es auch um eine Ortsmitte – und das neue Rathaus. Für die städtebauliche Entwicklung ist Winzinger an diesem Abend zuständig. Für die Vorstellung des neuen Rathauses, das ja die neue Ortsmitte auch gestalten wird, der Architekt, Hans Hagleitner.

Bürgerentscheid und Lese-Inseln

Vera Winzinger betont, sie schaue “von außen” drauf und sei “noch ganz unvoreingenommen”. Draufschaute sie dann vor allem auf das Bäcker-Voitl-Anwesen, das die Gemeinde 2010 gekauft hat und “entwickeln” wollte.

Die Entwicklung mit fünf Häusern, Läden, Dorfplatz und eine Tiefgarage mündete im Sommer 2019 in einem Bürgerentscheid. Damit war nicht nur die Planung der Gemeinde hin, sondern auch die Stimmung im Ort. Vor diesem Hintergrund ist der Impulsvortrag von Winzinger zu sehen, die an diesem Abend Zukunftsschnipsel wie Konfetti unter die Anwesenden streute: etwa ein Freilicht-Kino, ein Bolzplatz, Platz zum Spielen für die Kinder und Leseinseln auf der Wiese. Im Erweiterungsbau des Rathauses ist auch Platz für eine Bücherei vorgesehen.

“Wie schaut es da aus, wie hat es da früher ausgeschaut?” sind Winzingers Forschungsfragen, mit denen sie die Anwesenden einlädt, in einer historischen Vogelperspektive auf ihren Ort zu schauen und auf das “Herzstück, das sich um die Kirche gruppiert”.

Ob sie den Arbeitskreis kenne?, wird die Vortragende im Anschluss gefragt und ob es eine “Reflexion darüber gab, was Menschen über Tage und Wochen bereits erarbeitet haben?” Winzinger ist vorbereitet und kontert mit: “Was nutzt ein Brunnen im Dorf, wenn keiner hingeht.” Winzinger kenne auch die Ergebnisse aus der Bürgerbefragung und finde die Ergebnisse interessant, “das sind viele gute Ideen, etwa das Haus in einem Haus, ich glaube da werden wir Möglichkeiten ausloten.”

Sparkasse plus Anbau

Lebendig soll auch die alte Kreissparkasse und ihr Erweiterungsbau werden. Die Gemeinde hat das Haus 2022 gekauft. Der Neubau soll sich wie ein Zwilling nach Osten oberhalb der alten Sparkasse ansiedeln. Dank Kreisbaumeister, Christian Boigner sei Dank, wird die obere Hälfte leicht versetzt gestellt. Das ist ein kluger Zug und gibt dem ganzen eine historische Bodenerdung.

Der Architekt Hans Hagleitner hat bereits das Sparkassengebäude mit seinem Büro ABH errichtet. Dass er jetzt Umbau und Erweiterung übernimmt, wirkt konsequent. Hagleitner führt recht anschaulich, wenn auch fix durch die Präsentationsfolien. Er spricht davon, dass das Sparkassengebäude ein “Repräsentationsort” sei, wie ein Rathaus eben auch. Dass ein Rathaus gestalterisch aber eine andere “Architektur-Sprache” brauche. Und somit soll sich der Ort für das “Kommunalparlament” auch in “der Gebäudesprache ausdrücken”.

Bau und Umbau sind umrissen. Das alte Sparkassen-Rathaus soll mit dem Neubau oberhalb durch eine verglaste Brücke verbunden werden. “Es soll ein Ensemble sein, kein Zubau”, betont der Architekt. Möglichst wenig soll in die alte Bausubstanz des Sparkassengebäudes eingegriffen werden. Barrierefreie Zugänge sind geplant, der Ratsaal wie auch die Büroräume sind flexibel nutzbar. “Wenn sich die Arbeitsgewohnheiten ändern, ist das so geplant, dass man vermieten kann”, spricht Hagleitner. Und besonders wichtig ist es ihm zu betonen, dass “keine Raumreserve” geplant ist.

Drumherum ist viel Grün, Bäume sind gepflanzt, ein Fußweg will um das Ensemble wandern. Aufs Dach kommt Solar, eine Tiefgarage gräbt sich in die Hangneigung, eine Gliederung mit Säulen und zurückgesetzte Arcaden, sorgen für Verschattung, ein Café für “Lebendigkeit.”

“Ich möchte sagen, dass es mir ganz gut gefällt”, spricht ein Mann aus dem Publikum. Auch sonst sind die Rückmeldungen großteils wohlwollend. Angst haben die Herren vor allem Zahlen in den Raum zu senden und werfen besorgte Blicke in Richtung der beiden anwesenden Journalistinnen. Auch als ein Mann, das zweite Mal um eine Einschätzung des Budgets bittet, bleiben die Herren stur. Immerhin wagen sie die schwammige Aussage, dass sie unter einem Budgetrahmen bleiben müssen. Eine Bürgerin versucht nachzuhaken, ob es das jetzt war mit der Bürgerbeteiligung, formuliert das aber deutlich freundlicher. Der Bürgermeister drückt sich um eine klare Aussage und lässt die Frau und alle anderen mit der Aufforderung zurück, dass sie “in den nächsten Tagen auf uns zukommen” können. Äußerst wage. Nicht nur der Zeitraum.

Der Kreisbaumeister Boiger lobt das Vorhaben. Er betont, “es gehört zu den schwierigsten Aufgaben, ein Gebäude zu erweitern und das in anständiger und ökonomischer Weise.” Damit entstehe nicht nur ein Rathaus, sondern ein Baustein für die Ortsmitte, schließt Boiger.

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