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Nach Flexstrom-Pleite

Tegernseer E-Werk-Chef beruhigt: “Bei uns sitzt keiner im Dunkeln”

Von Christopher Horn

Der Billigstromanbieter Flexstrom musste vergangene Woche Insolvenz anmelden. Von der Zahlungsunfähigkeit sind deutschlandweit rund 500.000 Haushalte betroffen, und auch im Tal verlieren 20 Menschen ihren Stromversorger. Doch was passiert nun? Bleiben die Kunden auf ihren Kosten sitzen und stehen trotzdem bald ohne Strom da?

Der Chef des Tegernseer E-Werks, Dr. Norbert Kruschwitz beruhigt die Betroffenen, hat aber gleichzeitig auch eine schlechte Nachricht. Denn das im voraus gezahlte Geld, so Kruschwitz, sei definitiv weg.

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Was passiert nach der Flexstrom-Pleite? Wir haben mit dem E-Werk-Chef Norbert Kruschwitz gesprochen / Bild: Archiv

Aus und vorbei. Mit Flexstrom und dessen Tochtergesellschaften sind erneut sogenannte Billigstromanbieter pleitegegangen. Bereits 2011 war es Teldafax ähnlich ergangen. Die Dummen sind in diesen Fällen immer die Kunden. Sie bleiben auf ihren Kosten sitzen, vor allem wenn Sie sogenannte „vergünstigte“ Vorkasse-Tarife abgeschlossen haben. Gleichzeitig müssen sie sich einen neuen Anbieter suchen.

Bereits letztem Donnerstag haben Flexstrom und die Tochterunternehmen OptimalGrün und Löwenzahn aufgehört, Strom zu liefern. Neben den über 500.000 Kunden in Deutschland stellen sich die 20 betroffenen Haushalte im Tegernseer Tal als relativ gering dar.

Doch auch diese Menschen haben nun wohl die traurige Gewissheit, dass „das Geld, das die Leute per Vorauskasse bezahlt haben, leider weg ist“, so der Leiter des Tegernseer E-Werks Dr. Norbert Kruschwitz auf Nachfrage. Die Stiftung Warentest sieht das in einer Stellungnahme auf ihrer Homepage ähnlich und betont, dass „eine Teilauszahlung des Guthabens schon aus insolvenzrechtlichen Gründen nicht infrage kommt.“

“Wir springen da ein”

Im Dunkeln und Kalten werden die betroffenen Verbraucher aber nun trotzdem nicht sitzen müssen. „Das E-Werk springt, wie gesetzlich vorgeschrieben, zunächst als Ersatzversorger ein“, versichert Kruschwitz. Die ehemaligen Flexstrom-Kunden erhalten so den Strom vom E-Werk zum Grundversorgungspreis.

Der Haken: Der Grundversorgertarif ist der Standardtarif des Stromnetzbetreibers und deshalb im Vergleich zu Billigstromanbietern teurer. Flexstrom hatte bislang seine Kunden im Tal mit Strom extrem unter den Marktpreisen versorgt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, wie Vertriebsleiter Florian Appel vom E-Werk Tegernsee erklärt:

Bei Flexstrom und anderen Billiganbietern kann man Strom nur paketweise im Voraus für ein Jahr kaufen. Liegt man am Ende des Jahres unter dem bezahlten Wert, bekommt man kein Geld zurück, liegt man darüber, fallen sehr teure 16 Cent zusätzlich zu den bisher bezahlten 19 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde an.

In der Tat hatten Firmen wie Flexstrom oder auch Teldafax stets versucht, neue Kunden mit besonders günstigen Einstiegsangeboten oder Bonuszahlungen anzuwerben. Gerade letztgenanntes Bonussystem wurde jüngst vor Gericht für rechtswidrig erklärt. Flexstrom versprach seinen Neukunden bei Vertragsabschluss eine Einmalzahlung von 40 Euro. Als einige Verbraucher ihren Kontrakt Ende des Jahres auflösen wollten, verweigerte der Anbieter die fällige Auszahlung.

In den Augen der Richter ein rechtswidriges Verhalten. Nur so und durch die teure Paketbezahlung können diese Anbieter auch solche Dumpingpreise aufrufen, wie Appel deutlich macht. Und auch bei Stiftung Warentest kommen die Verbraucherschützer zum selben Fazit: „Es sind vor allem diese Boni, die den Flexstromtarif so preisgünstig gemacht haben.“

So geht’s für die Betroffenen weiter

Den größten Teil des Strompreises ‒ nämlich rund 50 Prozent ‒ machen bei allen Anbietern die gesetzlich festgelegten Steuern und Umlagen aus. Dazu kommen die Kosten für die Netznutzung, auch diese liegen bei fast allen Dienstleistern konstant um 20 Prozent. Lediglich im verbleibenden Vertriebsanteil haben die Anbieter die Möglichkeit, an der Preisspirale zu drehen. Doch was heißt das nun für die betroffenen Konsumenten im Tal?

„Über die Grundversorgung hinaus werden wir die Kunden schnellstens schriftlich informieren und ihnen die Möglichkeit geben, in einen unserer günstigeren Tarife zu wechseln oder sich einen ganz anderen Anbieter zu suchen“, so Norbert Kruschwitz. Die Ersatzversorgung für die nächsten drei Monate sei aber auf alle Fälle gesichert. Im Anschluss werden die Kunden, wenn sie bis dahin keinen Vertrag abgeschlossen, automatisch weiter über die Grundversorgung beliefert.

Klar ist derzeit allerdings eines: für die Betroffenen wird im Jahr 2013 wohl die höchste Stromrechnung seit Jahren anfallen. Das an Flexstrom vorausbezahlte Geld ist nämlich bereits weg, und trotzdem müssen sie für den Rest des Jahres eine zweite Stromrechnung begleichen: „Ich habe bereits im vergangenen Jahr fast 1.000 Euro für Strom gezahlt. Ich weiß nicht, wie ich eine noch höhere Rechnung in diesem Jahr begleichen soll“, so eine betroffene Kundin aus Tegernsee.


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