Europacup am Sonnenbichl

„Ein Arzt allein reicht nicht!“

Von Steffen Greschner

Gestiegene Anforderungen an Mensch und Material haben auch Auswirkungen auf die Logistik. Speziell der Sicherheit für Athleten und Zuschauer wird heutzutage deutlich mehr Bedeutung zugemessen als noch vor ein paar Jahren. Es reicht nicht mehr aus, einen Arzt im Zielraum zu haben.

Eine interessante Aussage von Dr. Iwan Nantschev, dem Rennarzt der beiden Europa-Cup-Slaloms am Sonnenbichl, die trotz allem keinen Widerspruch bedeutet.

Spektakuläre, schwere Stürze kommen beim Slalom selten vor, dennoch muss der Veranstalter für alle Eventualitäten vorbereitet sein. Denn beim Kampf um FIS-Punkte und den ersehnten „Stockerlplatz“ riskieren Rennläufer viel. Eine Herausforderung für die Organsisatoren.

Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um professionelle Ausrichter handelt oder um kleine Vereine. Wer eine internationale Veranstaltung haben will, muss die strengen FIS-Vorgaben erfüllen. So wie die Skivereine Tegernseer Tal, die anlässlich der beiden Europacup-Nacht-Slaloms im Februar jetzt ihr Sicherheitskonzept finalisiert haben.

Die Rennläufer gehen bis an die äußersten Grenzen

„Sieg oder Akia“ heißt die nicht ganz ernst gemeinte Devise der Rennläufer. Aber sie drückt in knappen Worten den Willen und die Einsatzbereitschaft aus. Um vorne mitzumischen, wird auch ein Sturz in Kauf genommen, und der muss, trotz Protektoren, nicht immer glimpflich ausgehen.

Der Sonnenbichl-Hang, noch ohne Netze. Foto: Tatjana Datzer

Denn die Athleten erwartet im Stangenwald hohe Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h, schnelle Richtungsänderungen und pickelharte Pisten. Knochenbrüche, Bänderrisse und Knorpelverletzungen sind in dieser technischen Disziplin keine Seltenheit.

Um die bestmögliche Versorgung von Rennläuferinnen, Betreuern, Helfern und Zuschauern zu gewährleisten, haben die Skivereine Tegernseer Tal für die beiden Europacup-Damen-Slaloms am Sonnenbichl ein umfangreiches Sicherheits- und Notfallkonzept auf die Beine gestellt. Laut Internationaler Wettkampfordnung „gehören die Gesundheit und die Sicherheit sämtlicher Beteiligten zu den Hauptaufgaben jedes Veranstalters eines FIS-Bewerbs“.

Um die Rennläuferinnen bei einem Sturz auf der Piste vor einem Aufprall gegen Hindernisse abzusichern, werden links und rechts der Rennstrecke auf ihrer gesamten Länge sogenannte B-Netze aufgestellt. Diese zwei Meter hohen und 15 Meter breiten Sicherheitszäune beginnen ab der Schnee-Oberfläche und sind mit Spezialsicherheitsstangen im Boden verankert.

Liftstützen werden mit einem weiteren B-Netz und zusätzlich mit einem „Air-Fence“ (Luftpolster) gesichert. Im abgesperrten Zielbereich wird zudem ein Sturzraum eingerichtet. Ferner ist die Lichtschranke für die Zeitnahme mit speziell gepolsterten, abweisenden Keilen gesichert.

Wegen der beiden Nachtevents wurde auch die Beleuchtung entlang der Strecke verbessert. 21 Lichtmasten mit einer Gesamtleistung von 62 kW lassen beste Sichtbedingungen für Athleten und Zuschauer zu und tauchen die Rennstrecke jetzt sogar in ein TV-taugliches Licht.

Der Rennarzt erklärt das Konzept

Dr. Iwan Nantschev, Rennarzt für die beiden Europacup-Slaloms berichtet über die Art der Versorgung währed des Rennens:

Die 580 Meter lange Piste ist in zwei Abschnitte aufgeteilt. Ich postiere mich während des Rennens am Start und bin so, falls erforderlich, schnell am Ort des Geschehens.

Um optimale und schnelle Hilfe zu gewährleisten, stehen mir außerdem medizinisches Personal und zahlreiche Helfer zur Seite. Ein Arzt allein reicht hier nicht aus.

So beziehen vier Bergretter der Bergwacht Rottach-Egern mit zwei Akjas am Start und in der Hangmitte Posten. Hinzu kommt das Bayerische Rote Kreuz mit einem Rettungstransportwagen im Zielbereich sowie einem weiteren in Bereitschaft.

Der Rennarzt steht während des Wettkampfs per Funk ständig mit seinen Rettungs- und Hilfskräfte in Verbindung. Das gewährleistet schnelle Entscheidungen rund um die erste Versorgung, Bergung und den Transport. Bei Bedarf kann ein weiterer Notarzt telefonisch angefordert werden.

Mit dem Helikopter ins Krankenhaus

Für den Fall der Fälle stehen das nahe Krankenhaus Agatharied sowie die Unfallklinik Murnau bereit. Ein Helikopter, der über die Rettungsleitstelle 112 angefordert werden muss, ist schnell vor Ort. Seine Anflugzeit beträgt rund 15 bis 20 Minuten.

Mit dem Konzept gewährleistet der Veranstalter eine rasche Behandlung und Versorgung vor Ort. Das schließt auch unvorhergesehene Vorfälle bei den Zuschauern mit ein.

Von kleinen Wehwehchen über Knochenbrüche bis zum Herzanfall, ob Pflaster oder Defibrillator, der Sonnenbichl ist an den Wettkampftagen einer der medizinisch bestversorgten Gebiete im Tegernseer Tal.


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