Weltweit größtes soziales Netzwerk wirbt mit Tegernseer Bräustüberl

Ein Gasthaus als Facebooks Liebling

Von Steffen Greschner

Nicht nur in Münchner Clubs und Szenekneipen steht es im Kühlschrank. Selbst in Berlin findet sich „unser Bier“ auf immer mehr Kneipentresen. Das Tegernseer hatte in den vergangenen Jahren einen Lauf.

Ob das an den Facebook-Aktivitäten des Bräustüberl liegt? Das weiß auch Wirt Peter Hubert nicht. Nur Facebook ist sich sicher: Das „Bräu“ ist der Aufsteiger der Saison ‒ und dient dem Netzwerk fortan als Aushängeschild für erfolgreiches Marketing.

Der mediale Außenauftritt spielt für die Brauerei zumindest nicht die Hauptrolle.

Vielleicht ist es einfach nur die digitale und auch sonstige Abwesenheit einer zentralen Marketingabteilung des Herzoglichen Brauhauses, die inzwischen fast 60.000 Menschen zu Facebook-Fans des Bräustüberl hat werden lassen. Manch einer bezweifelt sogar, dass es in der Brauerei überhaupt den Wunsch zu irgendeinem Außenkontakt gibt.

In einem Berliner Bar-Magazin hat es ein Autor sehr nett und gleichsam verwundert auf den Punkt gebracht:

„Falls sich das Tegernseer Brauhaus selbst mit irgendwas schmücken würde, könnte es sich damit zum König krönen, dass es die einzige Brauerei ohne Werbung und nahezu ohne Kunden- oder Pressekommunikation ist. Es gibt weder eine Homepage der Brauerei noch einen Ansprechpartner. Beim ersten Anruf auf der auch nicht einfach zu findenden Telefonnummer der Brauerei wurde oberbayerisch und bestimmt dargelegt, dass der Geschäftsführer nie Fragen beantworte.“

Vielleicht ist es auch einfach nur die Alternativlosigkeit, sich auch aus der Ferne zum Tegernseer Bier bekennen zu können, die das Bräustüberl geschickt für sich ausnutzt. Laut Peter Hubert ist aus der Facebook-Seite in den letzten drei Jahren zumindest der Aufwand für eine Arbeitsstelle geworden. Etwa 50 Prozent der Zeit entfallen dabei auf das Bräustüberl. Die restliche Zeit auf die Facebook-Seiten vom Bauer in der Au und des Feichtner Hofes.

Facebook ersetzt klassische Zeitungsanzeigen

Rund ein Drittel des Werbebudgets wandert inzwischen in das soziale Netzwerk. Ob sich der Aufwand positiv auf den Umsatz auswirkt, kann Hubert allerdings nicht sagen. „Messbar ist es für uns nicht, ob deswegen mehr oder andere Leute kommen.“ Deutlich jünger als das gewohnte Publikum seien die Facebook-Fans auch nicht. Ein großer Teil ist zwischen 35 und 50 ‒ so sieht es auch in der Gaststätte aus.

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Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen wirbt Facebook mit dem Bräustüberl als Aushängeschild.

In der Facebook-Broschüre ist dagegen von Umsatzsteigerungen des Onlineshops um 20 Prozent die Rede. Wie das Netzwerk auf diese Zahl kommt, kann der Wirt aber nicht nachvollziehen. „Wir haben zwar einen Facebook-Shop, der inzwischen einigen Umsatz macht. Ob der aber zusätzlich zum Shop auf der Webseite entsteht, oder ob die Leute sonst einfach direkt im Shop bestellen würden, weiß ich nicht.“

Klar messbar ist für Hubert dagegen, dass sich Stammgäste über das soziale Netzwerk schneller und leichter informieren lassen. So schaltet das Bräustüberl heute kaum noch Zeitungsanzeigen, um auf die großen Veranstaltungen aufmerksam zu machen. Ein Beitrag auf Facebook reicht, um die Menschen zu informieren. Der Rest passiere durch Mund-zu-Mund-Propaganda, ist Hubert überzeugt.

Tegernseer Bier auf Welttournee

Dass sich die Facebook-Fans aber nicht nur mit dem Bräustüberl, also der Gaststätte, identifizieren, zeigen die Bilder, die auf der Seite gepostet werden: Tegernseer Bier beim Grillen in Erfurt, beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans, beim Urlaub in Kroatien, China oder auf den Malediven.

Das Tegernseer und das Bräustüberl kommen weit rum. Hier bis auf die Malediven / Bild: Philippe Arlt

Neben solchen Fotos gibt es aber auch immer wieder Kritik auf der Facebook-Seite. Das Essen war versalzen oder kam zu spät, die Bedienung war unfreundlich oder die Reservierung hat nicht geklappt. Die „Community“ ist direkt und ehrlich.

Diese Form von Kritik sei anfangs etwas Neues gewesen. Doch mittlerweile dient der Rückkanal der Kunden zur Qualitätssicherung, wie Hubert betont: „Wir nehmen Beschwerden natürlich ernst und versuchen, das im Haus zu klären, ob etwas dran ist oder nicht. Wenn was dran ist, versuchen wir, es beim nächsten Mal besser zu machen. Es ist aber auf jeden Fall besser, die Kritik direkt mitzubekommen, anstatt nicht zu wissen, wenn jemand unzufrieden war.“

Der Aufwand lohnt sich nicht für alle

Auch wenn das Bräustüberl das neue Werbe-Zugpferd für Facebook sein soll, würde Hubert trotzdem nicht allen Gewerbetreibenden im Tegernseer Tal einen eigenen Facebook-Auftritt empfehlen.

„Ich weiß nicht, ob jedes Mode- oder Sportgeschäft das braucht. Man muss sich da ziemlich reindenken und das richtige Gefühl dafür entwickeln. Das kostet Zeit und Geld. Egal, ob man es selbst macht oder es einen Dienstleister machen lässt.“

Ob der parallele Erfolg des Tegernseer Biers direkt mit den 60.000 Bräustüberl-Fans zusammenhängt? Für Hubert selber liegt es an beidem. Es ziehe eben immer größere Kreise, wenn ein gutes Produkt und gutes Marketing zusammenkommen. Damit ist er dann wohl auch einer Meinung mit den verwunderten Bar-Journalisten aus Berlin. Für die ist der Fall zumindest klar:

„Ein gutes Produkt überzeugt durch sich selbst. Mit oberbayerischer Sturheit, aber auch barockem Charme wehrt sich eine höchst erfolgreiche Tegernseer Brauerei gegen alle Marketinginstrumente.“

Marketing hin oder her. Getrunken wird es trotzdem. Egal, ob in München, in Berlin oder am Tegernsee. Das würde es vermutlich auch ganz ohne Facebook. Es ist halt einfach ein saugutes Bier.


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