Im Gespräch mit Yogalehrerin Carolina Kempa:
“Ein Gegengewicht zum Leistungsdenken”

Carolina Kempa ist Yogalehrerin und lebt seit 2019 im Tal. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, warum Yoga über körperliche Übungen hinaus geht und was das Besondere an Kinder-Yoga ist.

Yoga – kann glücklich machen. Sicher hilft es mit den Herausforderungen des Lebens zu wachsen. Quelle / Pavel Kremenets

Carolina Kempa lebt seit 2019 im Tal und unterrichtet Yoga, privat und unter anderem im Bachmair Weissach. Bevor sie im Tal landete, führte das Leben sie nach Indien, Bali, den Dschungel Thailands … überall nahm sie ein Stück Yoga-Tradition mit: Yin, Hatha und Vinyasa Yoga, darin ist sie ausgebildet. In ihren Yogaklassen sind alle Menschen willkommen: Urlauber, Einheimische, Einsteigerinnen, erfahrene Yogis und Kinder.

“Yoga ist für jeden gut. Egal, wie alt, fit oder gelenkig du bist.”

Sich unter der Sonne biegen: Yoga im Freien / Foto: Pavel Kremenets

Carolina, du bist viel gereist, bist in fremde Kulturen eingetaucht, hast wunderschöne Orte gesehen – und bist schließlich am Tegernsee gelandet. Was hat dich ins Tal gebracht? Und hast du das Gefühl, angekommen zu sein?

Reisen ist für mich einer der schönsten Wege, den eigenen Horizont zu erweitern. Am Tegernsee bin ich ‘zufällig’ gelandet, obwohl ich nicht an Zufälle glaube. Das Leben hat mich hierher getragen und dafür bin ich dankbar. Trotzdem waren die ersten ein, zwei Jahre oft nicht einfach. Wir sind im November 2019 hergezogen, kurz bevor die Pandemie ausbrach. Meine Tochter ist während des ersten Lockdowns im April 2020 zur Welt gekommen. 

In dieser Zeit habe ich mich oft isoliert gefühlt. Hinzu kam, in diese gigantische Rolle als Mama hineinzuwachsen – das war eine intensive und herausfordernde Zeit.

In dieser Zeit habe ich mich oft isoliert gefühlt. Hinzu kam, in diese gigantische Rolle als Mama hineinzuwachsen – das war eine intensive und herausfordernde Zeit. Aber Herausforderungen sind für mich wichtige Chancen, mich weiterzuentwickeln. Mittlerweile fühle ich mich angekommen, was mehr mit meiner inneren Entwicklung zu tun hat als mit dem Ort, an dem ich lebe. Denn mich wirklich zu Hause fühlen, das kann ich nur in meinem Inneren.

Wie ist es als Zugereiste im Tal? Fühlst du dich manchmal fremd in der neuen Heimat?

Der Tegernsee und seine Umgebung sind ein wunderschönes Fleckchen Erde und ich schätze mich sehr glücklich, hier leben zu dürfen. Fremd fühle ich mich nicht, auch wenn ich ursprünglich nicht aus der Region komme. Ich nehme bewusst wahr, wie viel gelebte Tradition und Heimatstolz die Menschen in ihren Herzen tragen, die hier seit Generationen verwurzelt sind. Das finde ich als ‘Zugereiste’ sehr schön zu sehen. 

Ich nehme bewusst wahr, wie viel gelebte Tradition und Heimatstolz die Menschen in ihren Herzen tragen, …

Yoga ist viel mehr als die Asanas an sich. Klar, die körperlichen Übungen sind eine Wohltat. Was fasziniert dich am meisten an dieser uralten indischen Philosophie? Und welchen Ansatz verfolgst du als Lehrerin?

Meine erste Yogalehrer-Ausbildung habe ich in Indien absolviert. Dort habe ich mich den Wurzeln des Yoga sehr nah gefühlt. Eine Tatsache, die mich sehr fasziniert, ist, wie alt Yoga ist, circa 3.500 Jahre. Damals war das Leben der Menschen unvorstellbar anders als heute. Und doch beinhalten die alten Yoga-Schriften Weis- und Wahrheiten, die heutzutage genauso gültig sind. Warum? Weil sie die Seele des Menschen und sein Streben nach dem Erleben einer tieferen Wirklichkeit ansprechen.

Als Yogalehrerin möchte ich dabei unterstützen, wieder in den Kontakt mit dem eigenen Körper zu kommen, ihn wie einen guten Freund kennenzulernen

Als Yogalehrerin möchte ich dabei unterstützen, wieder in den Kontakt mit dem eigenen Körper zu kommen, ihn wie einen guten Freund kennenzulernen, sich von ihm leiten zu lassen und dadurch zu einer liebevollen Selbstannahme zu finden. Konkret sieht das in meinen Stunden so aus, dass ich meine Yogis immer wieder ermutige, in ihren Körper zu spüren und bewusst wahrzunehmen, was die Asanas bewirken. Im Yoga gibt es den Satz: ‘Wir benutzen nicht den Körper, um in die Haltung zu kommen, sondern die Haltung, um in den Körper zu kommen.’ Unsere Körper und was wir in ihnen festhalten, sind Ausdruck des Unbewussten. 

Unterdrückte Gefühle lösen sich nicht einfach auf. Sie wandern in Form von Anspannungen und Verhärtungen in unsere tiefen Gewebeschichten ab. Durch intensive Dehnungen, den Mut zu Stille und Langsamkeit, können wir diese erreichen. Das kann tiefgreifend heilsam und verjüngend sein – auf körperlicher, mentaler und emotionaler Ebene. Das bekomme ich auch immer wieder zurückgemeldet und ist das schönste Kompliment für mich. Genauso wichtig sind mir Leichtigkeit und eine Portion Humor in der Yogapraxis. Sie soll schließlich Freude machen. 

Optimistisch nach vor, die Krieger(in)-Pose Foto: Pavel Kremenets

Wie hat Yoga dein Leben verändert?

Yoga war für mich vor vielen Jahren der Beginn meiner spirituellen Entwicklung. Es hat mich auch jenseits der Yoga-Tradition zu vielen Lehrern geführt und mich dahin gebracht, wo ich heute bin. Früher war ich extrem kritisch mit mir selbst und meinem Körper, da habe ich heute einen viel harmonischeren Umgang mit mir, auch wenn die alten Stimmen immer noch aufkommen. Das Leben ist eine Schule und jeden Tag lerne ich etwas dazu. 

Du bietest auch Yoga-Klassen für Kinder an. Warum tut es gut, wenn Kinder mit Yoga, Achtsamkeitsübungen und Meditation aufwachsen?

Viele Krankheiten könnten meiner Meinung nach vermindert werden, wenn wir unserem inneren Erleben mehr Wichtigkeit einräumen würden. Die Frage ist doch: Wie bereiten wir unsere Kinder am besten auf das Leben vor? Zu Hause, in der Schule, sogar schon im Kindergarten. Das Zentrale ist für mich unser Sein. Also: Wie werde ich zu einem liebevollen Menschen? Wie schöpfe ich Kraft aus Herausforderungen? Was bedeuten Dankbarkeit und Stille im Leben? Wie kann ich meine Gedanken, Gefühle und Impulse einordnen? Und vor allem: wie kann ich als Bezugs- und Erziehungsperson die Kreativität und Neigungen eines Kindes fördern? 

Kinder sind ja geborene Yogis. Sie leben im Moment, sind urteilsfrei, von Natur aus fröhlich und liebevoll.

Kinder sind ja geborene Yogis. Sie leben im Moment, sind urteilsfrei, von Natur aus fröhlich und liebevoll. Wenn ein Kind diese Eigenschaften verloren hat, dann nur deshalb, weil sie ihm sozusagen abtrainiert wurden. Es geht also darum, Kinder wieder an diese Qualitäten zu erinnern. Und da jeder Mensch mal Kind war, schließt das die Erwachsenen natürlich ein. Ich glaube, wir alle sind spirituelle Wesen in einem menschlichen Körper, auch wenn das nicht jedem bewusst ist. 

Wie gelingt der Einstieg? Für Menschen aus dem Westen können die fernöstlichen Lehren befremdlich wirken, vielleicht als esoterisch wahrgenommen werden. Wie macht man diese wunderbare Philosophie für Menschen greifbarer?

Ich sage immer: Yoga ist für jeden gut. Egal, wie alt, fit oder gelenkig du bist. Wichtig ist nur die Bereitschaft, sich auf etwas Neues einzulassen und das Ganze nicht verbissen anzugehen. Für mich geht es im Yoga nicht darum, zu leisten und gut zu sein – im Gegenteil.

Ich möchte ein Gegengewicht zum Leistungsdenken vermitteln. Mit dieser Einstellung ist der Einstieg jederzeit und mit Freude möglich.

Ich möchte ein Gegengewicht zum Leistungsdenken vermitteln. Mit dieser Einstellung ist der Einstieg jederzeit und mit Freude möglich. Und letztendlich darf jeder selbst entscheiden, ob er oder sie offen ist für die spirituelle Lehre oder ob Yoga nur fit halten soll.

Wo unterrichtest Du?

Derzeit unterrichte ich am Wochenende im Bachmair Weissach, auch Nicht-Hotelgäste sind herzlich willkommen. Ab dem 24. April starte ich einen neuen Yin-Yoga-Kurs am Schliersee. Der Einstieg ist noch möglich. Zudem kann man mich für Privatstunden buchen. Unternehmen, die Yoga, Meditation und Coaching für ihre Mitarbeiter anbieten wollen, mache ich ein individuelles Angebot. 

Welche Pläne hast du? Gibt es besondere Events, auf die du dich freust?

Ich habe so viele Ideen und Pläne im Kopf. Ganz konkret ist es der Yin-Yoga-Kurs am Schliersee ab dem 24. April. Außerdem plane ich ein Mini-Retreat, bei dem man für einen Tag abschalten und mit Yoga, Meditation und Natur auftanken kann. Ein Termin steht noch nicht fest, voraussichtlich wird es Ende Mai, Anfang Juni werden.

Worauf ich mich jetzt schon sehr freue, ist das “Vegan am See Festival“, das dieses Jahr zum ersten Mal, vom 16. bis zum 18. Juni, am Schliersee stattfindet. Es wird ein Wochenende voller Inspiration und Gemeinschaft mit Yoga, Musik, Tanz, spannenden Vorträgen, veganem Essen und vielem mehr. Ich selbst bin dort als Yogalehrerin und Coach vertreten. 

Vielen Dank für das inspirierende Gespräch!


Wer jetzt Lust auf Yoga bekommen hat: Hier findet ihr alle Termine von Carolina Kempa.

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