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Im Gespräch mit dem Tegernseer Dekan Walter Waldschütz

“Ein Papst aus Südamerika wäre super”

Von Christopher Horn

Nach dem Papst ist vor dem Papst. Die Vorbereitungen auf das Konklave in Rom laufen derzeit auf Hochtouren, dabei ist Benedikt XVI erst vor wenigen Wochen zurückgetreten.

Wir haben uns mit dem Tegernseer Dekan Walter Waldschütz unterhalten. Er kennt Josef Ratzinger persönlich, gibt uns eine Einschätzung zu den Gründen seines viel-diskutierten Rücktritts und erklärt, warum ein neuer Papst aus Südamerika eine gute Lösung wäre.

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Im Gespräch: Dekan Walter Waldschütz im Tegernseer Quirinal

Tegernseer Stimme: Herr Waldschütz, waren Sie vom Rücktritt des Papstes überrascht?

Dekan Waldschütz: Ich war nicht sonderlich überrascht. Er selbst hatte das Thema Rücktitt sowohl in seinem Interviewbuch bereits angeschnitten und betont, dass es einem Papst durchaus gestattet sein muss, sein Amt aus freien Stücken nieder zu legen. Dass er nun selbst diese Möglichkeit wählt, hat mich also nicht überracht. Ich habe Papst Benedikt XVI sehr viel zugetraut, er hat aber wohl für sich erkannt, das seine physischen und psychischen Kräfte nicht mehr ausreichen, um das Amt weiter so auszuführen, wie es notwendig ist.

Rücktritt als Eingeständnis des Scheiterns?

Tegernseer Stimme: Wie ist der Rücktritt kirchenrechtlich zu bewerten?

Dekan Waldschütz: Normalerweise ist ein Papst laut Kirchenrecht auf Lebenszeit gewählt. An der Reaktion vieler Vertreter sieht man, dass die Mehrheit Achtung und Respekt für den Schritt von Papst Benedikt XVI hat. Nur wenige, darunter auch der frühere Sekretär von Papst Johannes Paul II, äußerten sich kritisch mit den Worten: “Man steigt nicht vom Kreuz herab.”

Tegernseer Stimme: Wie beurteilen Sie die Amtszeit von Papst Benedikt insgesamt?

Dekan Waldschütz: Für mich war er der richtige Mann zu richtigen Zeit. Es war aber auch richtig, dass er für sich entschieden hat: jetzt darf ich aufhören

Tegernseer Stimme: Denken Sie, dass sein Rücktritt auch ein Eingeständnis des Scheiterns war?

Dekan Waldschütz: Papst Benedikt hatte den Anspruch voraus zu gehen, kannte die Kurie seit langem. Er war aber wohl nicht der starke Führungsmann, sondern eher ein Theologe, ein tief frommer und sehr demütiger, bescheidener Mann. Er ist aber wohl nicht aus Frust zurück getreten. Er hat für sich erkannt, das er einfach physich und psychisch nicht mehr in der Lage ist das Amt weiter auszuüben und er hat seine Entscheidung wohl überdacht, mit seinem Gewissen geprüft und für richtig empfunden.

Tegernseer Stimme: War diese fehlende Führungskraft ein Problem?

Dekan Waldschütz: Er hat durchaus einiges bewegt, Systeme geändert, aber aus meiner Sicht eben nicht umfassend genug. Der Mißbrauchsskandal rund um die katholische Kirche in Deutschland hat ihn aber auch persönlich sehr getroffen.

Tegernseer Stimme: Sie kennen Josef Ratzinger bereits seit langer Zeit. Woher genau?

Dekan Waldschütz: Er hat mich im Jahr 1980 zum Diakon geweiht und mich auch während meiner Pfarrertätigkeit in Holzkirchen des Öfteren besucht. So ist eine Verbindung und Verbundenheit entstanden.

Tegernseer Stimme: Wie ist der Mensch Josef Ratzinger?

Dekan Waldschütz: Er ist ein sehr herzlicher Mensch, der die Musik und seine bayerische Heimat über alles liebt. Gleichwohl war er früher eher schüchtern und zurückhaltend.

Tegernseer Stimme: Hat er sich durch das Papstamt verändert?

Dekan Waldschütz: Gerade in seiner Bescheidenheit und Demut ist er immer noch der Selbe wie früher. Ich denke seit dem er Papst war ist er aber noch aktiver auf die Menschen zugegangen und hat die Schüchternheit früherer Tage abgelegt.

“Ich wusste, dass er das Papstamt nie inne haben wollte”

Tegernseer Stimme: Wie haben Sie das letzte Konklave erlebt?

Dekan Waldschütz: Ich habe es damals mit großer Spannung verfolgt. Die Frage war, wird es nach Johannes Paul II wieder ein Ausländer sein, oder kehrt ein Italiener auf den Stuhl Petri zurück? Als dann klar war, es wird ein Deutscher, gar ein Bayer, überkam mich auch aus dem Hintergrund heraus, dass ich von ihm geweiht wurde, ein Gefühl des Stolzes. Ich war aber auch besorgt, da ich wusste das er selbst das Papstamt nie inne haben wollte.

Auch zur gegenwärtigen Situation der Kirche findet der Dekan klare Worte

Tegernseer Stimme: Was denken Sie, hat die Katholische Kirche in Deutschland von seiner Amtszeit profitiert?

Dekan Waldschütz: Am Anfang gab es sicherlich einen gewissen Stolz, der sich vorübergehend auch in den Besucherzahlen der Gottesdienste niedergeschlagen hat. Aber er hat die deutsche Kirche nicht übermäßig bevorteilt, das sieht man auch an den aktuellen Kardinalsernennungen.

Tegernseer Stimme: Haben Sie eine Idee, wer der neue Papst werden könnte?

Dekan Waldschütz: Es heißt immer “Wer als Papst ins Konklave hinein geht, kommt als Kardinal wieder heraus”. Ich will daher im Vorfeld nicht spekulieren. Ich persönlich wünsche mir einen Papst aus Südamerika.

Tegernseer Stimme: Weshalb aus Südamerika?

Dekan Waldschütz: Ich selbst begleite ja einige Projekte in diesem Teil der Welt, vor allem unterhalten wir ein Kinderdorf mit fünf Häusern. Außerdem denke ich, dass wir gerade von der südamerikanischen Kriche viel lernen können. So zeichnen sich die dortigen Kardinäle durch eine besondere Offenheit und einem bemerkenswerten Umgang mit dem Armen aus. Ich denke es wäre an der Zeit, dass einer von Ihnen das Papstamt übernimmt.

Die Frauen und die Kirche

Tegernseer Stimme: Wie genau muss man sich das vorstellen, was nun vor und während des Konklave in Rom passiert?

Dekan Waldschütz: Am Montag sind die meisten Kardinäle zusammen gekommen. Nun überlegen die Anwesenden, welche Eigenschaften der neue Papst haben sollte, was für die Kirche heute wichtig ist. Dann entscheiden sie, wann das Konklave beginnt.

Tegernseer Stimme: Was denken Sie braucht der neue Papst?

Dekan Waldschütz: Sein Alter und seine Gesundheit sollte die Durchführung dieses Amtes auch zulassen. Zudem braucht er Gelassenheit. Ich wünsche dem Papst aber auch den Mut Dinge zu ändern, wo es möglich und notwendig ist und die Gelassenheit Umstände hinzunehmen, gegen die er nichts ausrichten kann. Er muss daher ein sehr gutes Urteilsvermögen haben, Durchsetzungskraft, aber auch gute Berater und Freunde.

Tegernseer Stimme: Was muss ihrer Meinung nach in der Kirche passieren, damit sie nicht ihre Relevanz verliert?

Dekan Waldschütz: Da gibt es sehr unterschiedliche Dinge. In Europa herrscht anderer Handlungsbedarf, als in Asien oder Südamerika und Afrika. Der Papst muss auch den Kirchen vor Ort und den dortigen Bischöfen Vertrauen schenken und sie hören und handeln lassen. Zudem sollte man die Rolle der Frau in der Kirche dringend überdenken. Auch die Glaubwürdigkeit die durch die Mißbrauchsskandäke entstanden ist, muss wieder hergestellt werden.

Tegernseer Stimme: Wie meinen Sie das?

Dekan Waldschütz: Man sollte überlegen, ob Priester immer männlich, hoch studiert und zölibatär sein müssen und ob die Zeit nicht reif ist, Frauen wenigstens das Diakonenamt zu eröffnen.


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