Diskussion um Tegernseer Klosterwachtstraße

„Ein Radweg für die paar Hanseln da oben?“

Die Klosterwachtstraße in Tegernsee ist voller Risse und Schlaglöcher. Für die Stadt Tegernsee steht fest: Die Straße muss saniert werden. Gestern wurden nun die ersten Planungen vorgestellt. Doch was eigentlich nur ein erster Entwurf sein sollte, entwickelte sich zu einer Generaldebatte über Radwege.

Die Klosterwachtstraße in Tegernsee “zieren” Rillen und Schlaglöcher / Quelle: Maxi Hartberger

In der gestrigen Stadtratssitzung wurde über die Sanierung der Klosterwachtstraße oberhalb des Bahnhofs diskutiert. Im Zuge dessen sollen auch die Wasserleitungen und die Straßenbeleuchtung erneuert werden. Die komplette Maßnahme wurde bereits im Tegernseer Haushalt mit eingeplant. Einen ersten Vorentwurf stellte nun Projektleider Achim Ignatow vom beauftragten Büro Ing München West vor.

Wir haben hier in Tegernsee seit einigen Jahren immer wieder Baustellen geplant und durchgeführt, sodass wir mit dem Gebiet und dessen Risiken vertraut sind.

Der Zustand der Klosterwachtstraße sei schon seit längerem sehr schlecht. „Die jetzigen Schäden wie Spurrinnen, Risse und Schlaglöcher sind mittlerweile aber so massiv, dass die Schäden durch den Wassereintrag durch Schmelzwasser im Winter und Frühling immer mehr werden. Jetzt wird es wirklich Zeit, dass man hier eine Erneuerung anstrebt“, so Ignatow.

Gefährliche Giftstoffe im Asphalt

Man wisse durch frühere Wasserleitungsverlegung, dass es sich in der Klosterwachtstraße um PAK-belasteten Asphalt handelt. Bei PAK handelt es sich um eine chemischen Stoffgruppe, die sowohl für die Natur als auch für Mensch und Tier gefährlich sein kann. Einmal in der Umwelt, bleiben solche Stoffe sehr lange, reichern sich an und können so über längere Zeit ihre giftige Wirkung entfalten. „Das macht die Maßnahme nicht einfach.“

Das größte Problem wird demnach vermutlich die Entsorgung des Materials. „Wir können das nicht mehr so machen wie früher, dass das Material vor Ort geprüft und dann weggefahren wird. Mittlerweile muss man es in ein Zwischenlager bringen, es dort beproben, analysieren und dann nimmt es auch nicht jede Müllkippe an.“ Das Bestreben sei daher während der Ausführung, so wenig Material wie möglich von der Baustelle wegzufahren.

Enge Straßenverhältnisse plus Steigung

Insgesamt handelt es sich um eine Strecke von rund 365 Meter, die saniert werden muss. Je nach Abschnitt ist die Straße zwischen 5,90 und 6,50 Meter breit. „Eigentlich ist die Klosterwachtstraße ja eine reine Anwohnerstraße, allerdings ist sie sehr stark befahren, auch vom Schwerlastverkehr, sodass wir hier von einer höheren Belastungsklasse ausgehen“, so Ignatow.

Man habe sich natürlich auch Gedanken über die Gestaltung gemacht. „Grundsätzlich macht es Sinn, den kompletten Straßenraum zu nutzen und keine gleichmäßige Bereite zu haben. Sprich im unteren Bereich wird die Straße etwas breiter, im oberen dann schmäler sein.“ Für einen Gehweg, der genügend Schutz für Fußgänger bietet, sei die Straße allerdings zu eng.

Im Zuge der Straßensanierung sollen auch neue Wasserleitungen verlegt werden. „Durch den Austausch der Stahlleitungen und die Ausweitung der Leitung wird sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Wasserqualität verbessert“, so der Projektleiter.

Ist genug Platz für einen Fuß- und Radweg? / Quelle: Maxi Hartberger

Was die Kosten für die gesamte Maßnahme angeht, legte Ignatow einen ersten Richtwert vor: „In den Kosten schwebt natürlich auch der teerhaltige Asphalt, also die PAK-Belastung – das ist ein großer Punkt. Zum anderen können wir die Klosterwachtstraße nicht komplett sperren. Der Bauablauf ist daher sicherlich ein Punkt, der Baufirmen ebenfalls abschrecken wird.“ Insgesamt rechne man mit einer Bauzeit von fünf bis sechs Monaten.

Man habe das allerdings in den Kostenberechnungen berücksichtigt. Für den Straßenbau und die Erneuerung der Wasserleitung gab Ignatov insgesamt 668.000 Euro an. Die Beprobung und Entsorgung des Materials werde dann separat ausgeschrieben. Hier geht man derzeit von rund 101.000 Euro aus, also 35 Euro pro Tonne. „Die einzige Krux: Wir brauchen einen Lagerplatz.“ Das sei der Stand der Vorplanung. „Mehr kann ich noch nicht dazu sagen“, so Ignatow abschließend.

Investition in die Zukunft

Was die Straßenbeleuchtung angeht, gäbe es laut Bauamtsleiterin Bettina Koch zwei Möglichkeiten. „Es handelt sich um insgesamt 14 Leuchten. Hierzu bietet das E-Werk zwei Varianten. Einmal die Standard-Leuchte Bavaria, wie sie in Tegernsee aufgestellt wird. Oder eben eine technische Leuchte, die ein neuer Beleuchtungstyp in Tegernsee wäre“, so Koch. Kostenpunkt: rund 35.000 Euro.

Bezüglich der Straßenbeleuchtung waren sich die Ratsmitglieder einig. Norbert Schußmann (CSU) brachte es auf den Punkt: „Der Bavaria-Typ ist ganz nett fürs Museum, aber man sollte sich davon verabschieden. Das Licht scheint irgendwohin und bissl Licht fällt zufällig auf den Weg, wo mans braucht. Das ist bei einer modernen Leuchte nicht so.“ Zwar stehen die korrekten Planungen und Details noch nicht zur Diskussion, sondern erstmal nur die Vorplanungen, „aber damit das schon mal gesagt wurde.“

Was ist mit den Radfahrern? Und was mit den Fußgängern?

Daraufhin ging eine Diskussion um das altbekannte Thema los: Was ist mit den Radwegen? Laura und Thomas Mandl (SPD) plädierten dafür, von Anfang an Radwege in die Planung mitaufzunehmen – besonders im Hinblick darauf, dass auch die Stadt Tegernsee eine fahrradfreundliche Kommune werden will. Doch ihr Anliegen wurde von den anderen Ratsmitgliedern schnell abgewiegelt.

Da man die komplette Straße asphaltiert, „verbauen wir uns da nichts. Wir sind im Nachhinein flexibel, das noch anders zu gestalten. Aber für einen extra Radwegbau ist es oben einfach zu eng“, war sich Peter Schiffmann (FWG) sicher. Dem folgte auch Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Es handelt es sich bei der Klosterwachtstraße um eine enge Einbahnstraße. „Der Höhenweg dahinter ist eh für Radlfahrer gesperrt, es gibt also keinen Grund, dass da jemand mit dem Radl durchfährt. Wenn, sind es nur die Anwohner“, so Hagn weiter. Die Meinung des Rathauschefs war deutlich:

Es ist die ewige Diskussion: Das, was man will und das, was geht. Wir haben hier nicht die nötige Straßenbreite. Wir machen die Sanierung hier ja nicht für den Durchgangs- und Radverkehr, sondern für die Anlieger.

Auch Andreas Obermüller (FWG) schloss sich dem an: „Es handelt sich dort ja um keinen Unfallschwerpunkt. Ich halte die Diskussion deshalb für völlig unsinnig. Es ist einfach zu eng. Wenn wir da einen Radlweg abtrennen, brauchen wir auch einen für Fußgänger. Für die paar Hanseln da oben? Übrigens auch überwiegend ältere Leute, die überhaupt nicht mehr auf’s Radl steigen. Die Diskussion ist reine Zeitverwendung.“

Letztlich waren sich die Ratsmitglieder einig: Die Straße ist schlichtweg zu eng für einen Radweg. An Hauptstraßen sei laut Bürgermeister Hagn solch eine Diskussion sinnvoll, aber nicht in diesem Fall. Bis auf Thomas und Laura Mandl stimmten daher alle für die Vorplanungen der Sanierung der Klosterwachtstraße. Im Dezember soll dann die Entwurfsplanung vorgestellt werden.

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