Tegernseer Stadtrat diskutiert über Bedarfsanalyse

Ein Schlechtachten bringt Parkhaus auf Kurs

Von Peter Posztos

Mangelhafte Durchführung, falsche Parameter, katastrophales Ergebnis. Die Tegernseer Stadträte waren verärgert. Der Grund: die Ergebnisse der Bedarfsanalyse. Dabei brachte die Formulierung „Schlechtachten“ am Ende der Diskussion die Stimmung vieler auf den Punkt.

Man möchte die Ergebnisse des Gutachters nicht als Grundlage für die eigene Entscheidung zum Parkhaus heranziehen. Man will aber auch kein neues Gutachten in Auftrag geben. Eine Vorentscheidung zugunsten einer konkreten Größe fällt nun am 17. April. Und so wie es derzeit aussieht ohne echte Fakten.

Auf dem ehemaligen Horn-Anwesen soll das neue Parkhaus entstehen.

Denn die Diskussion drehte sich – wie schon auf der öffentlichen Fraktionssitzung der Tegernseer CSU – sehr stark um das eigene Gefühl. Die Überzeugung vieler Mitglieder – „das wissen wir besser“ – war oftmals beherrschend. Der Wunsch von Bürgermeister Peter Janssen, das Thema zu versachlichen und wieder aus der ideologischen Ecke zu führen, wurde zwar immer wieder zitiert. Doch die Wortmeldungen, beispielsweise aus Janssens Fraktion, halfen dem Bürgermeister nicht die emotionale Ebene zu verlassen.

Vor allem Heino von Hammerstein verwehrte sich gegen neue Gutachten und Befragungen. „Was macht es für einen Sinn eine Analyse in einem Gebiet durchzuführen, in dem die Geschäfte zu sind. Wir wollen dort neue Geschäfte ansiedeln. Und vor allem die Bevölkerungsstruktur verbessern. Mehr Familien anstatt der derzeitigen Mieter. Aber Familien brauchen auch Parkplätze.“

Parkplätze für neue Mieter und neue Läden

Dabei ist der Ansatz von Hammerstein durchaus nachvollziehbar. Man möchte den Bereich nördlich der Alpbachbrücke wiederbeleben. In letzter Zeit hat es dort bekanntermaßen einige Geschäftsaufgaben gegeben. Nicht zuletzt mussten Schlecker oder Müller-Brot die eigenen Filialen dicht machen. Neue Geschäfte, so die Argumentation, folgen nur ausreichend Parkraum.

Eine Schlussfolgerung, die Andreas Obermüller an den Haaren herbeigezogen findet. Für Obermüller ist das Ergebnis der Analyse nachvollziehbar. Der Parkhausexperte Rainer Schneider hatte in seinem Gutachten herausgefunden, dass in Tegernsee sogar zuviel Parkplätze bestehen. An einem beispielhaften und meistbesuchten Tag, einem Samstag im Sommer gegen 15 Uhr, besitze die Stadt im entscheidenden Bereich um Haupt- und Rosenstraße 75 Parkplätze zuviel.

Im Grundsatz, so Obermüller, habe der Experte Recht. „Kein Geschäft im nördlichen Bereich der Hauptstraße hat wegen Parkplatzmangel zugemacht. Das ist einfach Fakt.“

Ein Fakt, den Tegernsees Bürgermeister nicht nachvollziehen kann. Laut Janssen sind Parkplätze vor allem für die zukünftigen Geschäftsinhaber, die die Stadt in den derzeit brachliegenden Bereich locken möchte, ein entscheidender Faktor um sich dort anzusiedeln. Aus dem Grund mache es auch keinen Sinn die jetzigen Inhaber zu fragen. „Das was zukünftig fehlt, können wir heute nicht sehen.“

Und in dem Fall auch nicht erfragen. Soweit macht die Argumentation Sinn. Doch auf welcher Basis möchte der Stadtrat dann die anstehende Millionen-Entscheidung treffen? Wie hoch ist der Bedarf tatsächlich? Den grundsätzlichen Ansatz des Experten nannte Janssen „wissenschaftlich interessant“. Rein von den Ergebnissen her passt er aber nicht ins vorherrschende Bild des überlaufenen und zugeparkten Tegernseer Innenstadtbereichs.

Mehrere Alternativen

Zur Versachlichung der Situation soll nun eine von Norbert Schussmann (CSU) ins Spiel gebrachte Zählung freier Parkplätze dienen. Ebenfalls an einem Samstag im Sommer werden Schüler oder Studenten die freien Parkplätze im Tegernseer Innenstadtbereich zählen. Das dann vorliegende Ergebnis soll die Analyse des Experten, die ausschließlich auf statistischen Erfahrungswerten beruht, widerlegen. Und so den Frieden wieder einziehen lassen.

Scheinbar eine salomonische Lösung, die aber an der grundsätzlichen Entscheidung zugunsten des Parkhauses aller Wahrscheinlichkeit nach nichts mehr ändern wird. Am 17. April – also in zwei Wochen – werden die Stadtratsmitglieder erneut zusammenkommen und eine Vorentscheidung über Art und Größe des Parkhauses treffen. Diese soll dann als Grundlage für eine interne Wirtschaftlichkeitsanalyse dienen.

Ob „Luxuslösung“ mit 164 Parkplätzen für 5,1 Millionen Baukosten. Oder eine 4-Geschossige Lösung mit 113 Stellplätzen, einer kleinen Rotunde und Baukosten in Höhe von 2,87 Millionen Euro. Insgesamt vier Alternativen hat der Stadtrat zur Wahl. Auf welcher Basis die Stadträte die Entscheidung treffen möchten, ist in jedem Fall auch nach der gestrigen Sitzung nicht klarer geworden.


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