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Tegernseer Gymnasium in der Krise - Auch Aigner soll helfen

Förderverein nimmt Politik in die Pflicht

Von Christopher Horn

Aufgrund schlechter Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr ist das Tegernseer Gymnasium derzeit in aller Munde. Gestern Abend tagte nun der Förderverein des Gymnasiums und forderte ein klares Bekenntnis der Politik.

Gleichzeitig glaubt man, dass die aktuelle Situation mit der 2005 abgelehnten 10-Millionen-Euro-Spende von Otto Beisheim zusammenhängt.

Verliert das Tegernseer Gymansium weitere Schüler, könnte sogar der Fortbestand in Gefahr sein.
Verliert das Tegernseer Gymansium weitere Schüler, könnte sogar der Fortbestand in Gefahr sein.

Rund 90 Anmeldungen weniger muss das Tegernseer Gymnasium im kommenden Schuljahr verkraften. Schuld ist die neue Konkurrenz aus der näheren Umgebung. Während es in Gmund seit Kurzem eine hochmoderne Realschule gibt, öffnet in Holzkirchen ab September das neue Gymnasium seine Pforten.

Derzeit pendeln noch rund 300 Schüler täglich von Holzkirchen nach Tegernsee. Bleiben diese künftig aus, ist der Fortbestand der Tegernseer Schule massiv gefährdet. Dessen sind sich auch die Vertreter des Vereins „Freunde und Förderer des Gymnasiums Tegernsee“ bewusst.

Stühlerücken beim Förderverein

Sie trafen sich gestern Abend in der Tegernseer Schlossbrennerei zu ihrer jährlichen Hauptversammlung. Dem 1982 ins Leben gerufenen Verein gehören derzeit rund 100 Ehemalige und Freunde des Gymnasiums an. Darunter auch der frühere Direktor Hans-Herbert Perlinger und Tegernsees Ex-Bürgermeister Claus Cnyrim.

Den Vorsitz hatte bislang der Kreuther Gemeinderat Markus Wrba inne. Gestern gab er diesen Posten jedoch an Christoph Scholz ab. „Nach acht Jahren im Amt möchte ich den Weg frei für neue Ideen machen“, erklärte Wrba. Er will sich aber weiterhin für die Belange des Tegernseer Gymnasiums einsetzen.

Sein Nachfolger Scholz wurde einstimmig zum neuen Vorstand gewählt. Scholz hat selbst 1972 in Tegernsee Abitur gemacht und ist derzeit Vorsitzender des Elternbeirats. „Ich fühle mich dieser Schule sehr verbunden und will helfen, dass das Gymnasium in eine gute Zukunft geführt wird“, beteuerte Scholz.

Retourkutsche für abgelehnte Beisheim-Spende?

In den Augen von Wrba und Scholz ist die aktuelle Entwicklung ein schwerer Schlag für das Gymnasium Tegernsee. Überrascht ist der Förderverein über die schlechten Anmeldezahlen für das kommende Jahr indes nicht.

„Wenn ich eine Realschule in Gmund und ein Gymnasium in Holzkirchen baue, kann ich mir an fünf Fingern ausrechen, dass der Bestand in Tegernsee gefährdet wird“, so der ehemalige Direktor Hans-Herbert Perlinger. In seinen Augen ist die derzeitige Situation eine Retourkutsche des Ministeriums für die vor Jahren abgelehnte Zehn-Millionen-Euro-Spende von Otto Beisheim.

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Der Förderverein des Tegernseer Gymnasiums diskutierte gestern Abend über die aktuelle Situation der Schule.

Im Jahr 2005 hatte der Metro-Gründer dem Tegernseer Gymnasium die Spende unter der Bedingung angeboten, dass die Schule fortan seinen Namen tragen solle. Teile des Lehrerkollegiums verlangten damals jedoch einen Unschuldsnachweis für Beisheims Zeit bei der SS. Daraufhin zog der mittlerweile verstorbene Milliardär das Angebot, zum Missfallen vieler Eltern und Bewohner des Tals, wieder zurück.

Trotzdem wollten die Verantwortlichen des Fördervereins gestern die Vergangenheit ruhen lassen und nach Lösungen für die aktuelle Lage suchen. Denn verliert das Gymnasium weiter Schüler, ist die Dreizügigkeit und damit auch der Fortbestand in Gefahr. Gibt es nur noch zwei, statt bislang drei fünfte Klassen zum Start, werden dem Gymnasium weniger Lehrer zugewiesen.

Damit sinkt auch das Kursangebot und die Attraktivität der Schule nimmt weiter ab. Der neue Vorstand des Fördervereins, Christoph Scholz, beruhigt indes und betont: „Zur Zeit ist die Lage noch nicht so bedrohlich. Holzkirchen und Bad Tölz werden im Gegensatz zu Tegernsee keinen neusprachlichen Zweig anbieten. Ändert sich das, könnte es allerdings eng werden“, meint Scholz.

Ein Schülerheim als Lösung

Eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, ist die Idee, ein Schülerheim in Tegernsee zu installieren. Ein Gebäude in direkter Nähe zur Schule sollte es sein. Mitte vergangenen Jahres schien man dafür mit dem Haus Schönblick bereits eine ideale Lösung gefunden zu haben. Durch die neuen Pläne der Deutschen Rentenversicherung, der das Gebäude in der Seestraße 53 gehört, wäre dies grundsätzlich möglich. Die Versicherung betreibt die an der Point gelegene Orthopädische Klinik Tegernsee und will dort innerhalb der nächsten drei Jahre ein neues, großes Klinikgebäude errichten lassen.

Dann könnten auch die Patienten, die bislang im Haus Schönblick untergebracht sind, ins Hauptgebäude auf dem Gelände der Klinik umziehen. „Die Stadt hat diesbezüglich bei der Deutschen Rentenversicherung ihr Interesse an einem Erwerb des Hauses Schönblick bekundet. Dort könnte also in den nächsten Jahren ein Schülerheim entstehen“, erklärte der damalige Tegernseer Bürgermeister Peter Janssen vor fast genau einem Jahr. Doch mittlerweile sind zwölf Monate vergangen und etwas Neues gibt es nicht zu vermelden.

„Das Haus Schönblick wäre angesichts seiner Lage und Konzeption ideal für ein Schülerheim“, betont Christoph Scholz. Der neue Tegernseer Bürgermeister Hans Hagn habe ihm bereits versichert, dass man im Tegernseer Rathaus weiterhin an einem Schülerheim interessiert sei, so Scholz weiter. Auf Nachfrage erklärt Hagn heute: „Es gibt hier noch keine Abmachung mit der Deutschen Rentenversicherung. Es hängt schließlich auch davon ab, ob die Versicherung den Bau an der Point überhaupt wird umsetzen können.“

Das Haus Schönblick war schon vor zwölf Monaten als mögliches Schülerheim im Gespräch. Archivbild
Das Haus Schönblick war schon vor zwölf Monaten als mögliches Schülerheim im Gespräch. Archivbild

Er bestätigte jedoch, dass das Schülerheim weiterhin ein Thema ist. Zunächst müsse man jedoch einen Träger und ein sicheres Finanzierungskonzept finden, bevor man sich über einen genauen Standort unterhalten könne, so Hagn weiter. Laut Christoph Scholz hat die Roland-Berger-Stiftung hier bereits ihre Hilfe signalisiert. Die Stiftung arbeitet schon heute eng mit dem Tegernseer Gymnasium zusammen und fördert Kinder bei ihrem schulischen Werdegang.

Bereits am kommenden Montag soll es bereits Neues rund ums Tegernseer Gymnasiums geben. Dann treffen sich der neue Landrat Wolfgang Rzehak, der Tegernseer Rathauschef Hans Hagn und der Direktor des Tegernseer Gymnasiums Werner Oberholzner zu einem Krisengespräch in der Schule. Spätestens dann wird man auch sehen, wie wichtig der Politik der Fortbestand der Tegernseer Schule ist. „Ich erwarte mir von diesem Gespräch Klarheit über die genauen Zahlen. Zudem will ich erfahren, wie Herr Oberhlolzner die aktuellen Entwicklungen angesichts seiner Erfahrungswerte einschätzt“, so Hagn heute.

Auch Aigner will helfen

Markus Wrba vom Förderverein forderte gestern jedoch nicht nur Überlegungen, sondern ein klares Bekenntnis. „Die Politik muss sich der Bedeutung des Gymnasiums als Standortfaktor für das Tal bewusst sein“, so Wrba. Nur wenn man auf Tal-Ebene zusammenarbeite, werde es gelingen, das Gymnasium in Tegernsee zu erhalten, so Wrba weiter. Damit stimmt auch der Tegernseer Bürgermeister überein:

Das Tegernseer Gymnasium ist sehr wichtig für das Tegernseer Tal. Mit der Mittelschule in Rottach-Egern, der Realschule in Gmund und dem Gymnasium in Tegernsee haben wir ein komplettes Bildungsangebot am Tegernsee.

Damit das auch so bleibt, habe Hagn bereits Unterstützung von ganz oben zugesichert bekommen. So erklärte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner gegenüber dem Tegernseer Bürgermeister, dass sie sich für den Fortbestand des Gymnasiums Tegernsee einsetzen werde.


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