Die Miesbacher Amigoaffäre im Lichte des Sparkassenverbandes

Der Sparkassenprüfer hatte ein „Störgefühl“

Die Verhandlung rund um die Miesbacher Amigo-Affäre geht weiter. Heute trat ein Sparkassen-Mitarbeiter als Zeuge vor das Landgericht. Das „überdurchschnittliche Sponsoring“ von Georg Brommes Kreissparkasse im Jahr 2011 habe er zwar gemeldet, doch von der Prüfstellenleitung sei nichts zurückgekommen.

Einige Auffälligkeiten während Brommes Kreissparkassen-Zeit wurden bei den Prüfungen nicht weiter beachtet. / Foto links: Sparkassenverband

Fünf Jahre lang verfasste Außendienstmitarbeiter Johann B. bis ins Jahr 2015 zu den Jahresabschlüssen der Kreissparkasse Miesbach (KSK) unzählige Nebenberichte. In ihnen hielt er Auffälligkeiten von Brommes üppigem Sponsoring fest. Ob dies die 1,5 Millionen Euro für die Nutzung des Psallierchors des einstigen Klosters Tegernsee waren und weitere 150.000 Euro für die Inanspruchnahme der Bibliothek, ob es Verwaltungsrats- und Bürgermeisterfahrten waren.

B. bekam sie von der Internen Revision der KSK akribisch aufgelistet. Er hatte dann zu beurteilen, ob die sparkassenrechtlichen Vorschriften bei den Ausgaben eingehalten wurden. Und da ist dem Sparkassenprüfer B. einiges aufgestoßen, was völlig aus dem sonst üblichen Rahmen gefallen sei.

Beim Kauf des BayWa-Geländes in Holzkirchen für 4,2 Millionen Euro und weiteren 400.000 Euro als „gemeinnützige Spenden“ habe B. nach eigenen Angaben für alle Vorgesetzten gut leserlich angemerkt, „die KSK soll Bankgeschäfte machen und nicht als Bauträger auftreten“. Denn der zu hoch angesetzte Quadratmeterpreis von 500 Euro soll letztlich mit den Planungskosten von weiteren 1,5 Millionen Euro unterm Strich zu einem „kalkulierten Verlust“ für die Sparkasse von 1,7 Millionen Euro geführt haben. „Die KSK hat zu viel für das Grundstück bezahlt“, so Prüfer Johann B.

„Geldgeschenk“ an Sparkassenchef „völlig unüblich“

Auch Brommes Beratervertrag nach dessen Ausscheiden im April 2012 als Sparkassenchef sei dem Prüfer B. „komisch“ vorgekommen. Nicht nur dessen Verbuchung intern, sondern auch das zusätzliche Geldgeschenk in Form eines Schecks über 7.500 Euro. Die Summe sei völlig unüblich gewesen. Geschenke ja, aber „nicht in dieser Größenordnung“. Der Beratervertrag selbst mit monatlich 8.300 Euro zur Pension sei „nicht in Zweifel gezogen“ worden. Obwohl er eine solche finanzielle Abfederung nach dem Ausscheiden “noch nie erlebt habe”

Auch die finanziell ausufernde Geburtstagsfeier zum Sechzigsten von Jakob Kreidl als Landrat und Chef des KSK-Verwaltungsrats für knapp 120.000 Euro habe er „noch nie vorher gesehen“. Gut 76.000 Euro davon blieben bei der KSK hängen, nachdem diese dann unter Brommes Nachfolger Martin Mihalovits eine Kostenbeteiligung über 33.000 Euro vom Landratsamt gefordert hatte. Jubilar Kreidl steuerte ca. 7.000 Euro bei. Für Prüfer B. stellte sich die Frage, ob die Sparkasse solch eine Summe übernehmen musste.

Es sei eben ein Unterschied, wie er es sonst als Prüfer in seiner 25-jährigen Tätigkeit erlebt habe, ob zu einem ähnlichen Anlass für den Vorsitzenden eines Verwaltungsrats 5.000 Euro für einen Stehempfang oder 76.000 Euro für eine Geburtstagsparty mit 460 Gästen ausgegeben würden. Nicht aufgefallen wäre ihm diese teure Sause für die KSK, so Zeuge B., wenn man sie als „Kundenveranstaltung“ ausgewiesen hätte. Dann wäre sie „wahrscheinlich unbeanstandet durchgegangen“. Völlig unüblich seien auch jährliche Fahrten des Verwaltungsrats bei anderen Sparkassen. Dort würde man bestenfalls alle drei bis vier Jahre solch einen Ausflug planen. Bromme zeigte sich da großzügiger. In Begleitung fuhr sein Verwaltungsrat für insgesamt 107.500 Euro zweimal ins Stubai und einmal nach Wien.

Auffälligkeiten bei den Prüfungen wurden wenig beachtet

Er habe „nur den Ball gespielt“, sagte Zeuge B. als Prüfer des Sparkassenverbandes. Ob und wer ihn „inhaltlich“ aufnahm, habe nicht mehr in seiner Zuständigkeit gelegen. Ein solches „Störgefühl“ habe ihn bei der Prüfung der KSK „öfters befallen“. Offenbar aber nicht seine Vorgesetzten. Zur Leiterin der Prüfungsstelle des Sparkassenverbandes Bayern, Anita D.-T. aus Gmund, hatte B. offensichtlich nicht den besten Draht. Sie sei zwar korrekt im Umgang gewesen, aber ihm gegenüber „launisch“ und „frech“. Dies bestätigte im Tenor auch Wirtschaftsprüfer Markus E. als nächster Zeuge. Anita D.-T. hat “überfordert gewirkt”. Ihr habe der klare Blick gefehlt. Gegen Missstände in Miesbachs KSK habe sie nichts unternommen.

Wie berichtet wurde B’s Chefin Anita D.-T. wegen „mehrfacher Beihilfe Untreue zur Untreue zu einem Strafbefehl mit Bewährungsstrafe“ verurteilt. „Ihre Art der Prüfung war nicht ausreichend, nicht ordnungsgemäß“, so die Staatsanwaltschaft. Anita D.-T. habe „Untreuehandlungen in der Sparkasse in mehreren Fällen begünstigt“.

Offensichtlich war dies das Problem ihres „kleinen Lichts“, so der Zeuge über sich zu seiner Stellung in der Hierarchie des Sparkassenverbandes, dass seine Notizen in den „Nebenberichten“ nicht die nötige Beachtung fanden. Doch er hatte auch Positives bemerkt. Wenn auch 2011 das Sponsoring „noch überdurchschnittlich war“, so B., so sei dies unter der neuen Führung der KSK „sukzessive“ reduziert worden. „Die Sparkasse war in der richtigen Richtung unterwegs“.


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