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Klinik im Alpenpark: Einigung von Nachbarschaftsstreitigkeiten überschattet

Ein trügerischer Frieden

Von Christopher Horn

Die „Klinik im Alpenpark“ in Kreuth plant einen zweiten Trakt. Insgesamt 30 zusätzliche Betten sollen so entstehen und auch die Wirtschaftlichkeit weiter erhöhen. Dafür braucht man aber auch mehr Parkplätze.

Darüber, wo und ob diese ausgewiesen werden müssen, ist in den vergangenen Monaten eine intensive Diskussion zwischen Kreuth und Bad Wiessee entstanden. Aber auch zwischen der Klinikleitung und einigen Nachbarn lief in letzter Zeit nicht alles reibungslos.

Der Streit um die Ausweisung zusätzlicher Stellplätze für die geplante Erweiterung der Klinik im Alpenpark ist seit vergangener Woche vom Tisch
Seit Monaten schwelte der Streit um die Ausweisung zusätzlicher Stellplätze für die Erweiterung der Klinik im Alpenpark.

Die Klinik im Alpenpark befindet sich in Ringsee und damit auf Kreuther Boden. Der bisherige Parkplatz liegt aber in Bad Wiessee. In den vergangenen Monaten stritten sich die beiden Kommunen nun darüber, wo diese Parkplätze entstehen sollen und wie viele überhaupt nötig sind. „Wir wollen, dass das klipp und klar nachgewiesen wird, sonst haben wir pausenlos Wildparker und Komplikationen auf der Straße“, forderte der Wiesseer Bauamtsleiter Helmut Köckeis bereits im Mai 2013. Die Frage nach den Parkplätzen müsse zuallererst geklärt werden.

Um den von Wiessee geforderten Schlüssel zu erreichen, müsste die Gemeinde Kreuth also zusätzliche Stellplätze auf eigenem Gemeindegebiet ausweisen. Nach einem gemeinsamen Treffen von Vertretern der beiden Gemeinden und der Klinikleitung erklärte sich Kreuth im Juni dann auch bereit, dem Wiesseer Wunsch zu entsprechen. So sprach sich der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung am vergangenen Donnerstag einstimmig dafür aus, 20 zusätzliche Stellplätze auszuweisen. Damit ist zumindest der Disput der beiden Kommunen endgültig beigelegt.

Nachbarn erheben gegenseitig Vorwürfe

Wie in einem Bebauungsplanverfahren üblich, konnten auch Anwohner schriftliche Stellungnahmen zur geplanten Klinikerweiterung einreichen. Dabei hatte es in diesem Fall schon mehrfach Unstimmigkeiten zwischen Nachbarn und den Betreibern des Alpenparks gegeben. Vor allem Karl S., dessen Haus sich direkt gegenüber der Klinik befindet, hatte in der Vergangenheit regelmäßig darauf hingewiesen, dass die Anzahl der Stellplätze zu knapp bemessen sei. Mit der nun erfolgten Ausweisung von 20 zusätzlichen Parkplätzen zeigt er sich im Nachgang jedoch zufrieden.

Ich bin nicht gegen eine Erweiterung, solange dann auch genügend Parkmöglichkeiten vorhanden sind.

Dass das Verhältnis der Familie zur Klinikleitung trotzdem gestört ist, wurde in der Sitzung deutlich. Bürgermeister Josef Bierschneider ließ zwei Schreiben verlesen. Im ersten betonten drei der direkten Anlieger die guten nachbarschaftlichen Beziehungen zur Klinikleitung. In einem zweiten Brief beschwerte sich ein etwas außerhalb wohnhafter Nachbar zusammen mit dem Klinikbetreiber über eine wenig konstruktive Umgangsweise der Familie S.

Man sehe sich einer Vielzahl von Beschwerden ausgesetzt, hieß es im Wortlaut. Karl S., selbst als Zuhörer in der Kreuther Gemeinderatssitzung anwesend, wollte die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen und wies diese als völlig haltlos zurück. Näher ausführen durfte er seinen Rechtfertigungsversuch dann aber nicht, da es laut Bürgermeister Bierschneider Zuhörern nicht gestattet ist, das Wort in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung zu ergreifen.

Das Verhältnis der Klinkbetreiber und einiger Anwohner ist seit Monaten kompliziert.
Das Verhältnis der Klinkbetreiber und einiger Anwohner ist seit Monaten kompliziert.

Einen Tag später fand der Wiesseer dann auf Nachfrage aber klare Worte: „Es handelt sich hier um zwei vorgefasste Schreiben der Klinikleitung, in welchen gezielt versucht wird, sich darin als Anwalt einiger Nachbarn aufzuspielen, um diese zu instrumentalisieren und die Nachbarschaft zu spalten.“

In der Tat ist die Klinikleitung offenbar gezielt an einige Anwohner herangetreten. Man habe die Nachbarn um ein positives Zeugnis gebeten, räumt Klinikbetreiber Ludwig Klitzsch zwar ein. „Zudem haben wir das andere Schreiben gemeinsam mit der Familie Schlosser verfasst und auch beide unterschrieben.“ Den Vorwurf, einen Keil zwischen die Nachbarn treiben zu wollen, weist der Geschäftsführer aber vehement zurück.

Ich bedauere, dass es so weit kommen musste.

Wie es in diesem Konflikt weitergeht, werden also die nächsten Wochen zeigen. Denn einige Anwohner sehen die aktuelle Erweiterung nur als ersten Schritt hin zu einer Ausweitung der Kapazitäten von nun 150 auf rund 250 Betten.

Kreuth weist „Salamitaktik-Vorwurf“ zurück

Aus dem Grund wirft die Eigentümergemeinschaft eines benachbarten Ferienhauses der Klinikleitung und der Gemeinde vor, über eine Salamitaktik Schritt für Schritt den großen Ausbau vorzubereiten. Im Notfall, so die Aussage der Anwälte, werde man gegen die Erweiterung auch gerichtlich vorgehen.

Für den Kreuther Bürgermeister ist der Vorwurf allerdings unbegründet. „Davon kann gar keine Rede sein, das jetzige Verfahren betrifft nur die Planung für das 30-Betten-Haus. Zukünftige Planungen sind nicht Gegenstand des Beschlusses,“ so Bierschneider.

Aus der Sicht des Bürgermeisters ist die Gemeinde den eigentlichen Forderungen einiger Nachbarn nach zusätzlichen Stellplätzen nun ausreichend nachgekommen. „Wir haben die geforderten zusätzlichen Stellplätze auf Kreuther Gebiet ausgewiesen, die persönlichen Konflikte der Anrainer untereinander kann ich nicht bewerten“, so Bierschneider auf telefonische Nachfrage.

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