Fusion auf Eis: TTT-Chef Georg Overs im Gespräch
“Ein Weiter-So wird es mit mir nicht geben”

von Peter Posztos

Seit der Absage Schliersees hängt die für Anfang 2014 geplante Tourismusfusion von TTT und ATS in der Luft. Wie es weitergehen soll, ist im Moment noch völlig offen.

Aus gegebenem Anlass haben wir den Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus (TTT) Georg Overs zu dem Thema befragt. Dabei zeigt sich Overs überzeugt: der Tegernsee hat einen Plan B. Trotzdem will er auch persönlich bei den Nachverhandlungen nicht alles mitmachen.

Overs hält eine Fusion ohne Schliersee für schwierig
Eine Fusion ohne Schliersee dürfte laut Georg Overs schwierig werden.

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Tegernseer Stimme: Hallo Herr Overs, das Nein des Schlierseer Gemeinderates in der letzten Woche schlägt immer noch hohe Wellen. Haben Sie geahnt, dass tatsächlich eine Gemeinde gegen die Fusion stimmen wird?

Georg Overs: Seitens der ATS und der Steuerungsgruppe gab es ja immer wieder Anfragen an die Schlierseer Verantwortlichen, ob alle Fragen beantwortet seien. Das schien zuerst der Fall zu sein, auch wenn die Antworten scheinbar nicht zur Zufriedenheit der Gemeinderäte ausfielen. Kurz vor der Sitzung vor der Sommerpause haben wir das dann läuten hören.

Tegernseer Stimme: Worin liegt das Nein der Schlierseer Gemeinderäte ihrer Meinung nach begründet?

Georg Overs: Ich glaube, es lag ein Missverständnis vor, bei der genauen Definition, was ein Grundsatzbeschluss eigentlich ist und wann über Details gesprochen wird. Das hat man ja noch von allen Seiten her aufzuklären versucht. Doch am Ende kam es zu einer Entscheidung, die noch eindeutiger ausfiel, als von uns befürchtet. Dieses demokratische Ergebnis ist natürlich zu akzeptieren.

“Die Fusion bindet enorme Ressourcen”

Tegernseer Stimme: Hätten Sie sich erwartet, dass zumindest der Schlierseer Bürgermeister hinter der Fusion steht?

Georg Overs: Wir hatten ja im Vorfeld gemeinsam in der Steuerungsgruppe auch mit Schliersee verhandelt und uns auf einen Kompromiss geeinigt. Die darauffolgende Haltung hat uns dann doch erstaunt. Im Kern ging es ja darum, dass alle Dinge im Grundsatz geklärt werden und alles andere im Detail nachverhandelt wird. Den Weg haben die anderen 16 Gemeinden akzeptiert. Nur Schliersee wollte mehr Informationen haben, die wir ihnen aber nicht geben konnten, weil wir keine unnötigen Kosten für die ATS verursachen wollten, die mit der Ausarbeitung der Details vorab entstanden wären.

Tegernseer Stimme: Nun sind ja trotzdem hohe Kosten angefallen.

Georg Overs: Wir müssen da unterscheiden. Der gesamte Masterplan hat 13 Bausteine, von denen die Fusion nur ein Bestandteil ist. Die anderen Projekte bringen uns ja insgesamt weiter und sind für die gesamte Region sinnvoll, zum Beispiel die Wanderwegebeschilderung. Doch in der Tat ist es derzeit so, dass möglicherweise der eine oder andere Euro vergebens ausgegeben worden ist.

Tegernseer Stimme: Einige Gemeinderäte betonten im Nachgang, es habe das Vertrauen gefehlt und sie wurden unter Druck gesetzt.

Georg Overs: Bezüglich des Zeitdrucks sollte man ein wenig die Rolle der TTT bei den Verhandlungen beleuchten. Wir haben in den letzten Monaten schon immer wieder betont, dass wir schnell wissen wollen, wie es mit dem Zusammenschluss weitergeht. Denn das Ganze bindet einfach enorme Ressourcen, und manche Verzögerungen in Entscheidungsprozessen waren nicht mehr akzeptabel. Mehr Druck kam zumindest von Tegernsee nicht.

Tegernseer Stimme: Und das Vertrauen?

Georg Overs: Meines Wissens haben drei Klausuren stattgefunden, bei denen Bedenken gesammelt und behandelt wurden. Weil ich hierbei nicht dabei war, weiß ich derzeit wirklich nicht, warum man da nicht hatte überzeugen können.

“Vielleicht möchte man den Zusammenschluss noch nicht”

Tegernseer Stimme: Aber was ist ihre ganz persönliche Einschätzung?

Georg Overs: Ich denke, es ist ein emotionales Thema. Vielleicht möchte man den Zusammenschluss einfach noch nicht. Vielleicht traut man auch dem Tegernsee nicht. Klar ist, die Fusion wäre eine Zäsur gewesen. Auch für die eigene Marke. Diesen Prozess haben die Talgemeinden ja schon hinter sich. Nur hier muss das alles sehr viel schneller gehen. Das ist nicht einfach. Aber uns allen ist klar, dass wir uns diese Zeit, wie wir sie noch für den Prozess im Tegernseer Tal hatten, einfach nicht mehr nehmen können.

Tegernseer Stimme: Würden Sie sagen, es haben alle verloren?

Georg Overs: Noch sind wir nicht am Ende. Aber ja, wir müssen aufpassen, dass am Ende nicht alle verlieren.

Tegernseer Stimme: Wie beschädigt sind Sie persönlich nach dieser Abstimmungsniederlage?

Georg Overs: Ich fühle mich selber durch die Reaktionen, die ich erfahre, nicht beschädigt. Letztendlich bin ich immer noch der Überzeugung, dass wir ein gutes Angebot gemacht haben. Das Konzept stimmt. Nur wenn wir jetzt zu lange warten, bis wir nachverhandeln, dann richten wir den Schaden an.

Tegernseer Stimme: Das heißt?

Georg Overs: Wir müssen jetzt zügig zu einer Entscheidung kommen, wie es weitergeht. Und zügig heißt für mich bis Mitte Oktober dieses Jahres. Bis dahin brauchen wir einen echten Plan B.

Tegernseer Stimme: Wie könnte dieser aussehen?

Georg Overs: Schwierig. Ich hab derzeit keine klare Vorstellung, wie und ob das noch gehen kann.

"Am Tegernsee haben wir ja einen Plan B"
“Am Tegernsee haben wir ja einen Plan B”

Tegernseer Stimme: Was heißt das für das Tegernseer Tal?

Georg Overs: Am Tegernsee haben wir ja einen Plan B. Der heißt: wir vermarkten uns selber. Die TTT besteht und funktioniert recht gut. Warum sollen wir also nicht alleine gehen …

Tegernseer Stimme: Vor dem Beginn der Abstimmungen im Mai sagten Sie als Mitglied der Steuerungsgruppe noch, dass jede Gemeinde der Fusion zustimmen müsse, sonst sei das Projekt auf Jahre hin gescheitert. Stehen Sie zu dieser Aussage?

Georg Overs: Natürlich. Auch wenn ich diese rigorose Formulierung im Beschlussvorschlag schon damals für gefährlich gehalten habe.

“Ohne Schliersee wird es schwierig”

Tegernseer Stimme: Ist es möglich, dass Sie das Ja der übrigen Gemeinden nehmen und eine Fusion ohne Schliersee umsetzen?

Georg Overs: Meines Erachtens ist das sehr schwierig. Jeder Vorschlag, den man jetzt findet, muss auch wieder in die Gemeinden getragen werden und dort von den Gemeinderäten diskutiert und abgesegnet sein. Das können wir nicht einfach nur in den touristischen Gremien entscheiden und dann umsetzen.

Tegernseer Stimme: Und wie schätzen Sie ein “Weiter-so-wie-Bisher” als mögliche Lösung ein? Dann bräuchte man auch keinen neuen Kompromiss und keine neuen Runden durch die Gemeinderäte.

Georg Overs: Das ist für mich keine Lösung, und das schließe ich für die TTT auch kategorisch aus. Zwei Marken zu führen, die von zwei Tourismusorganisationen und den Gemeinden im Schlierach-Leitzachtal und im Norden des Landkreises getragen werden, das ist zu aufwendig, auch wegen der Reibungsverluste. Und so möchte ich nicht weitermachen. Das ist natürlich auch im Sinne unserer Gesellschafter.

Tegernseer Stimme: Hatten Sie persönlich Zweifel an der Fusion und an dem eingeschlagenen Weg?

Georg Overs: Wenn ich Zweifel gehabt hätte, hätte ich den Weg nicht mit vorgeschlagen. Aber dass das ein sehr dickes Brett sein würde, das wussten alle. Und ich würde sagen, jeder, der ein solche Projekt mitbegleiten darf, hat irgendwann mal auch Zweifel.

Tegernseer Stimme: Und jetzt geht alles wieder von vorne los.

Georg Overs: Erst nachdem ein echter Alternativvorschlag vorliegt, werden wir den Weg durch die 17 Gemeinderäte, den Kreistag und durch die Gesellschafterversammlungen gehen. Es ist auch geplant, über das Kompetenzteam die Privatwirtschaft zu befragen. Das wird nochmal aufwendig. Aber es wird nicht mehr zwei Jahren dauern wie beim letzten Mal. Die Zeit gibt uns im Übrigen auch der Markt nicht mehr.

Overs will keine weißen Flecke zulassen.
Overs will keine weißen Flecke zulassen.

Tegernseer Stimme: Bis zu welchem Punkt machen Sie persönlich das noch mit?

Georg Overs: Es ist schon so, dass ich nicht für jede Lösung zur Verfügung stehe. Die Alternativen müssen am Markt orientiert sein und aus Gästesicht funktionieren.

Tegernseer Stimme: Haben Sie da ein Beispiel?

Georg Overs: Kein guter Kompromiss wäre beispielsweise eine Landkarte, auf dem der Schliersee als weißer Fleck drauf ist. Den würde ich auch persönlich nicht mittragen und dann meine Konsequenzen ziehen. Wichtig ist jedoch, dass wir unabhängig von persönlichen Befindlichkeiten darauf achten, auch für die Zukunft eine gute Zusammenarbeit im Landkreis sicherzustellen.

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