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Handwerk am See: Das Charivari – ein Accessoire der besonderen Art

Eine Kette voller (Lebens)geschichten

Von Marion Bürkner

Das Charivari. Eine fast vergessene Tradition. Doch jetzt kann man die Silberkette wieder an so einigen Lederhosen und Schürzen baumeln sehen – vor allem bei den traditionellen Trachtenwaldfesten. Doch was hat es für eine Bedeutung in der langen Geschichte der Tracht?

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Lange war es etwas in Vergessenheit geraten, doch jetzt klimpert es gerne wieder an der Lederhose oder dem Dirndl: Das Charivari. Dabei handelt es sich in der Regel um eine massiv-silberne Schmuckkette mit verschiedenen Anhängern, wie zum Beispiel schön gefasste Kristalle, Geldstücke (Silbertaler und Medaillen), Fuchszähne, Grandl (Jagdtrophäen, meist ein verkümmerter Eckzahn von einem Hirschen), Kümmerer (verkümmerte Hirsch- oder Rehstange), Tierpfoten, Dachsbärte, Zähne von anderen Tieren, Zunftmotive oder Ähnliches.

Das Wort „Charivari“ stammt aus dem Französischen und heißt so viel wie „Lärm“, „Radau“, „Katzenmusik“ oder „Spektakel“. Vielleicht kommt das von dem Geklimper, dass ein Charivari mit vielen Anhängern macht. Seinen Ursprung hat das Charivari wohl in der Uhrenkette. Die Taschenuhr hing meist an einer silbernen Kette. Da diese mit einem Schlüssel aufgezogen werden musste, hängte man diesen Schlüssel gleich mit daran. Später kamen dann weitere Trophäen oder Erinnerungsstücke dazu. Als die Taschenuhr aus der Mode kam, weil es die Armbanduhr gab, hängte der Mann sich seine Kette mit den vielen Trophäen und Erinnerungsstücken einfach als Schmuckstück an die Hose.

Auch Frauen tragen Charivaris am Dirndl. Diese sind viel filigraner und gehen wohl eher auf den früheren Hochzeitsgürtel zurück, an dem der neue Hausschlüssel hing, als auf die Uhrenkette. Das Charivari wird wie beim Mann als Zierde an der Schürze getragen und nicht überm Dekolleté wie eine herkömmliche Halskette. Die Kette des Charivaris selbst ist meist 33 Zentimeter lang und ist 800er oder 925er Silber.

Geschichten aus dem Leben

Ein jedes Charivari erzählt Geschichten. Viele Anhänger symbolisieren einen wichtigen Moment im Leben seines Trägers oder seiner Trägerin. Bei Jägern sind es gerne die ersten Jagdtrophäen. Daneben glänzt vielleicht eine Münze aus einem fernen Land in dem man war. Ein Glücksbringer gehört in der Regel ebenso ans Charivari wie ein christliches Motiv, wie etwa ein Kreuz, eine Madonna oder Ähnliches, vielleicht von einer Wallfahrt.

Gerne werden auch spezielle Anhänger beim Goldschmied bestellt und extra angefertigt. „Bei uns war einmal ein Mann, der im Schwarzwald ein besonderes Erlebnis hatte und sich gerne eine Kuckucksuhr an sein Charivari hängen wollte. Da haben wir ihm dann eine kleine Kuckucksuhr gearbeitet“, erzählt Ursula Bertele, Chefin der Tegernseer Goldschmiede A. Bertele. „Wir haben aber auch schon Äxte, Gießkannen oder Bratpfannen fürs Charivari gemacht.“

Ein beliebtes Geschenk

Ein neuer, persönlicher Anhänger fürs Charivari ist auch ein schönes Geschenk, ob zur Firmung, Hochzeit, Geburt oder der Gesellenprüfung. Dabei spielt es keine Rolle, ob der neue Anhänger vom Goldschmied extra angefertigt wurde, ob man einen bereits fertigen Anhänger kauft oder einen von einer Reise mitbringt. So wird das Charivari über die Jahre eine Art Lebensgeschichte an der Kette.

Vielleicht fragen Sie beim nächsten Wald- oder Seefest eine nette Dame oder einen feschen Herrn nach den Anhängern an ihrem/seinem Charivari und den Geschichten dahinter. Denn die Charivaris sind wieder groß in Mode bei den Damen wie bei den Herren.

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