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Bürgerinitiative: Verkehrsaufkommen wird dramatisch steigen

Eine „Lawine“ überrollt Waakirchen

Verkehr erhitzt die Gemüter. So auch bei der Veranstaltung der Bürgerinitiative „Verkehr in der Gemeinde Waakirchen“ (BI) am Samstag im Pfarrheim. Strittig ist nach wie vor, welches die beste Lösung zur Verkehrsberuhigung ist. Die Zeit drängt. Denn die Aussichten sind düster: Prognosen sagen eine weitere Verkehrszunahme um 40 Prozent voraus.

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Wie kann man die Verkehrsbelastung Waakirchens am besten reduzieren? Die Kommunen müssen sich einig werden.

„Ich bin für eine Umgehungsstraße und gegen einen Tunnel, der wäre derzeit ohnehin nicht zu finanzieren. Die Klagen der Bürger halte ich für mehr als berechtigt“, sagte einmal der Innenminister zur Situation in Waakirchen. Eine Aussage, die heute noch zutrifft. Doch sie stammt aus dem Jahr 1989. Der zuständige Minister hieß damals Edmund Stoiber, als er in der BR-Sendung „Jetzt red i“ mit dem damals schon hohen Verkehrsaufkommen konfrontiert wurde.

26 Jahre sind seitdem vergangen, doch die Probleme blieben, wie Ausschnitte der BR-Produktion im Pfarrheim zeigten. Ist die beste Lösung ein Kreisverkehr am Löwendenkmal oder eine Süd- oder Nordtrasse der Bundesstraße 472 um den Ort? Wie soll die Staatsstraße 2365 (bei Hauserdörfl) vom Tegernsee geführt werden? Steht der Bund zur Finanzierung einer Umgehungsstraße, welche Chancen hat Waakirchen im Bundesverkehrswegeplan 2015, der sich auf den „letzten Metern“ befinde, so die BI.

Bernd Küppers, Sprecher der Verkehrsinitiative, wies wiederholt auf Risiken und Folgen des Nichtstuns hin. „Schwerste Lkw- und Pkw-Unfälle mit Personenschäden und Todesfolgen“. Fehlen würden „Geschwindigkeitsbremsen“. Die B472 und die St2365 seien „überdurchschnittlich“ belastet. 14.000 Fahrzeuge würden sich pro Tag um das Löwendenkmal in Waakirchen bewegen, „also fünf Millionen pro Jahr“, so Küppers.

Nord- oder Südtrasse?

Für 2030 werde eine Steigerung des Verkehrsaufkommens um 40 Prozent prognostiziert. Beim Schwerlastverkehr rechnen Experten sogar mit einer Steigerung um 70 Prozent. Über 1.500 Lastkraftwagen würden dann durch die 5.000-Seelen-Gemeinde donnern. Denn bislang ist die B472 die einzige Ost-West-Verkehrsachse südlich von München. Sie ist von überregionaler Bedeutung, da sie sowohl Wirtschaftsräume als auch die Autobahnen A8 (Salzburg) und A95 (Garmisch) verbindet.

Dies ist auch der Bundesregierung seit vielen Jahren bekannt, doch das Problem von Waakirchen ist hausgemacht: Man kann sich nicht auf eine Trasse der Umfahrung einigen. Auch jetzt nicht, wie die teils erregte Diskussion vor etwa 80 Zuhören im Pfarrheim zeigte. „Schon vor 30 Jahren gab es den Streit Nord- oder Südspange“, gab Bürgermeister Josef Hartl (FWG) zu bedenken:

Die Frage ist immer noch, wenn wir einen Kreisverkehr am Denkmal machen, bekommen wir dann auch eine Umgehungsstraße? Denn wir konkurrieren mit Bad Tölz und Holzkirchen beim Bundesverkehrswegeplan. Da haben wir es schwer. Für uns spricht die Ost-West-Transitachse durch unser Dorf. Die soll ausgebaut werden. Und dafür brauchen wir einen realitätsnahen Vorschlag. Der gelingt aber nur, wenn wir zusammenstehen, ob bei einer Nord- oder Südumfahrung.

Als Rathauschef will Hartl „das Verkehrsaufkommen so nicht mehr hinnehmen“. Wollen wir jeden Tag 20.000 Fahrzeuge am Löwendenkmal? Das sei eine Lawine, die Waakirchen überrollt, warnten Teilnehmer der gut zweistündigen Diskussion. „Die feinen Herrschaften im Tegernseer Tal werden mit einem Lkw-Nachtfahrverbot verschont, wir nicht“, schimpfte ein Waakirchner. Beifall.

"Eine Lawine wird uns überrollen", warnte Bürgermeister Josef Hartl vor den Auswirkungen, wenn die Verkehrsfrage nicht gelöst werde.
Bürgermeister Josef Hartl will das hohe Verkehrsaufkommen nicht mehr hinnehmen.

Landwirt Georg Obermüller prophezeite: “Ortsnahe Umfahrungen sind die Baugebiete von morgen“. Dem entgegnete Rudolf Reber (AGV): „Auch vor über 10 Jahren waren die Diskussionen mit den Landwirten schon schwierig“. Damals wie heute finde man niemand, der einen Grund für eine Trasse hergeben würde. „Auch Holzkirchen will eine Umgehung, die Südtrasse“, so Reber. Wie so viele Kommunen in Bayern.

Da zu viele Anträge gestellt worden seien, würden auch viele wieder aus dem Bedarfsplan herausfallen. „Nur wenn wir mit Holzkirchen und Bad Tölz eine gemeinsame Lösung finden, können wir diese auch besser durchboxen, als drei verschiedene Planungsvorschläge“. Der Schwerlastverkehr werde nicht über eine Umgehungsstraße bei Holzkirchen nach Bad Tölz fahren, sondern weiterhin durch Waakirchen. Reber: „Die fahren keine Umwege, es geht um Zeit und Sprit. Eine Umgehung von Holzkirchen ist für uns keine Lösung“.

Zu viele Umgehungen im Landkreis?

Wenig Hoffnung machte der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel, denn die Staatsregierung mache zu vielen Gemeinden im Freistaat Hoffnungen auf eine Ortsumgehung. „Allein im Landkreis Miesbach hat die CSU-Regierung folgende Projekte angemeldet“, so Barthel.

Einen Tunnel oder ähnliches in Schliersee, die Westumfahrung von Gmund, die Südspange von Holzkirchen,dazu braucht man noch einen vierspurigen Ausbau der B 318, um den Verkehr von dort wegzubringen. Dann ist bei der B 472 noch die Nordspange von Bad Tölz angemeldet. Wenn wir hier in Waakirchen uns nicht auf eine gemeinsame Lösung verständigen, werden wir in Berlin nicht zum Zug kommen.

Barthel halte es für ziemlich gewagt, zu glauben, dass Gmund, Waakirchen und Holzkirchen in den nächsten zehn Jahren alle in die Finanzierung durch den Bund kommen würden. Daher plädiert der SPD-Politiker für den Ausbau der Ost-West-Achse, da sie nicht an Bedeutung verlieren werde. „Damit würde man auch Holzkirchen etwas helfen können, als umgekehrt dort mit einer Südspange“. Barthel setzt darauf, „dass der Bundesverkehrswegeplan noch einmal bis Ende des Jahres überarbeitet werden soll.

Die Prämissen dafür sind allein der Kosten-Nutzen-Faktor. “Ihr in Waakirchen seid in der richtigen Zeitschiene, denn jetzt muss man sich darum kümmern“. Eindringlich mahnte Rainer Küppers von der BI: „Wenn die Gemeinde einschließlich der Bürger nicht zu einem Konsens kommt, dann werden andere über das bestimmen, was hier in Waakirchen geschieht“.


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