Verkehr im Tegernseer Tal

Eine Ringbahn als Lösung

Von Peter Posztos

Ergänzung vom 21. Februar 2012 / 17:58 Uhr
BOB-Geschäftsführer Heino Seeger meint es scheinbar ernst mit der Idee einer Ringbahn. Heute lies er einen neuen Dieseltriebwagen von Schaftlach nach Tegernsee testen.

Der sogenannte Gelenktriebwagen (GTW 2/8) der Schweizer Firma Stadler wird zwar bei der Graz-Köflacher-Bahn zum Einsatz kommen. Doch erste Erfahrungen für den Betrieb am Tegernsee sind nun gemacht. Seeger betont gegenüber dem Merkur, dass man so einen Triebwagen auch gut und gerne für “seine” Tegernseer Ringbahn verwenden könnte. „Es wäre dafür geeignet,“ so Seeger.

Könnte so die zukünftige Ringbahn aussehen? / Copyright beide Bilder: Tobias Stürzl

Der bisherige Integral, den die BOB benutzt, kommt laut Seeger für den angedachten Zweck einer Art Trambahn zwischen Gmund über Wiessee und Kreuth nicht in Betracht. „Der ist viel zu groß.“

Seine Idee hatte Seeger vor einem Monat auf einer CSU-Infoveranstaltung im Hotel Bachmair Weissach vorgestellt. Seegers Überlegung zielt darauf ab, eine Ringbahn von Tegernsee über Gmund und Wiessee weiter nach Kreuth fahren zu lassen. “Preiswert, naturverträglich, praktisch,” so bezeichnet der BOB-Chef das etwas andere Mobilitäts-Konzept.

Ein Großteils der damaligen Zuhörer zeigten sich angetan von der Idee. Der Vorteil zum Bus würde laut Seeger hauptsächlich in der Unabhängigkeit von zugestauten Straßen bestehen. Man müsse eben “anfangen auch mal etwas anderes zu denken,” so der BOB-Chef. “Wir brauchen eine Lösung, wie wir im Tal wieder mobil werden können.”

Die nächsten Schritte auf dem Weg zur Ringbahn könnten nun eine Mobilitätsstudie in Kombination mit einer Machbarkeitsstudie sein.

Ursprünglicher Artikel vom 19. Januar 2012 / 18:40 Uhr:
Der Verkehr im Tegernseer Tal ist extrem. Alleine auf der Bundesstraße von Holzkirchen Richtung Kreuth sind bis zu 18.000 Fahrzeuge unterwegs, viele der Autos und Lastwagen landen am Ende bei uns im Tal. Allzu oft leider im Stau.

Eine gestern von BOB-Chef Heino Seeger ins Spiel gebrachte Lösung könnte sein, eine Art Straßenbahn um den Tegernsee fahren zu lassen. Als Ergänzung zum bestehenden Angebot.

BOB-Chef Heino Seeger bei seinem Vortrag. Im Hintergrund die Folie zur Ringbahn.

Ein Ansatz, der nicht nur bei Landrat Jakob Kreidl gut ankam. Beim gestrigen CSU-Abend zum Thema “Verkehrskollaps im Tal?”, hatten sich etwa 120 interessierte Bürger im Bachmair Weißach eingefunden. Und die waren zumindest vom Vortrag Seegers begeistert.

Ein Verkehrsexperte mit interessanten Einblicken

Denn das Thema interessiert und es polarisiert. Das hatte auch der eigens aus München angereiste Verkehrsexperte Gebhard Wulfhorst von der TU München zu spüren bekommen. Wulfhorsts für die Zuhörer allzu theoretischer Vortrag wurde gegen Ende mit einigen Unmutsäußerungen aufgenommen. Dabei hatte der Experte einige interessante Aspekte in die Diskussion eingebracht.

Wulfhorst zufolge würde beispielsweise der Ausbau von Straßen oder eine lokale Tunnellösung im Tal das Problem nicht grundsätzlich lösen können. Bessere Infrastruktur bedeute normalerweise auch mehr Verkehr. Es müsse umso mehr in ein verbessertes Verkehrsangebot investiert werden. Als Beispiele nannte der Wissenschaftler die bessere Nutzung der sogenannten Nahmobilität per Fahrrad oder die Stärkung des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV).

Damit spielte er Heino Seeger in die Karten, der in seiner launigen Präsentation naturgemäß vor allem auf die Chancen einging, wie “seine” BOB die derzeitige Verkehrssituation im Tal verbessern kann.

Halbstunden-Takt, Elektrifizierung, Ringbahn

Vor allem der Halbstunden-Takt hat es Seeger angetan. Umfassend erläuterte er die Pläne der Bayerischen Oberlandbahn zu einer teilweisen Elektrifizierung des Schienennetzes. Denn die strebt auch außerhalb der Hauptverkehrszeiten eine höhere Zugfrequenz an. Der Ansatz sieht vor die Strecke in Richtung Bayrischzell zu elektrifizieren. „Dann stehen automatisch mehr Dieselloks für andere Strecken zur Verfügung. Auch für einen Halbstunden-Takt in Richtung Tegernsee“, so Seeger.

Begeistert aufgenommen wurde sein Vorschlag einer Ringbahn. Die Überlegung zielt darauf ab, eine Straßenbahn von Tegernsee über Gmund und Wiessee weiter nach Kreuth fahren zu lassen. “Preiswert, naturverträglich, praktisch,” so bezeichnet der BOB-Chef das etwas andere Mobilitäts-Konzept.

Und tatsächlich entbehrt die Straßenbahn-Idee nicht einem gewissen Charme. Der Vorteil zum Bus würde dann hauptsächlich in der Unabhängigkeit von zugestauten Straßen bestehen. Man müsse eben “anfangen auch mal etwas anderes zu denken,” so Seeger. “Wir brauchen eine Lösung, wie wir im Tal wieder mobil werden können.”

Schönes Wochenende und Baustelle - da ist der Kollaps im Zentrum von Gmund bis spät in den Abend vorprogrammiert

Wenn Konzepte in der Schublade verschwinden

Landrat Jakob Kreidl versuchte in seinem Vortrag das große Ganze zu vermitteln. Ob Verbesserung des ÖPNV, moderne Verkehrsleitsysteme bereits an der Autobahn oder einen Kreisverkehr an der Kreuzstraße. Die Ideen sind da.

Was man ein wenig vermisst hat als Basis einer sinnvollen Diskussion des landkreisweiten Verkehrskonzeptes sind die grundlegenden Daten zu den offensichtlichsten Fragen:
– Wie laufen die Verkehrsströme im Tegernseer Tal und im Landkreis?
– Sind es tatsächlich die Tagestouristen oder eher die Mautsparer, die für den Hauptverkehr an schönen Wochenenden verantwortlich sind?
– Und in wieweit sind wir Einheimische an den Staus mitverantwortlich?

So richtig interessant wurde es als Kreidl seine Idee einer intelligenten Ampelsteuerung vorstellte. Dabei geht es um die Verbesserung der Ampelschaltungen im Tal und vor allem um eine Abstimmung der Ampeln untereinander, um den Verkehr besser regulieren und so Staus vermeiden zu können.

Kreidl selber stand am letzten Wochenende knappe zwei Stunden im Tal-Stau. “Dabei hatte ich genug Zeit nachzudenken”, so der Landrat. Sein Resumee: In Zeiten von ferngesteuerten Ampeln müsse eine solche Lösung möglich sein.

Spannend ist die Diskussion vor allem aus dem Grund, weil sich der Gmunder Verkehrsexperte und Gemeinderat Anton Grafwallner bereits seit Jahren für diesen Ansatz einsetzt. Eine Maßnahme, die so Grafwallner relativ kurzfristig umsetzbar wäre und dabei so viel helfen könnte. Doch alle Versuche die Ampelsteuerung zu verbessern scheiterten bisher. Unter anderem am Landratsamt.

40 Jahre Widerstand

Dabei ist es auch die fehlende Zusammenarbeit der Talgemeinden untereinander, die in der Vergangenheit vieles verhindert hat. Einen interessanten Einblick in die Geschichte voller Widerstände und versäumter Chancen im Tegernseer Tal gab zum Abschluß der Gmunder Bürgermeister Georg von Preysing.

Von 1965 an listete er die verschiedenen Versuche der Gmunder auf, die Verkehrsentlastung im Tal herbeizuführen. Versuche, die so Preysing allesamt gescheitert waren. Sein Fazit: “In den letzten 50 Jahren haben wir einen Haufen Geld und Zeit verschwendet.”

Hier ein kleiner Auszug aus den chronologischen Aufzeichnungen des Bürgermeisters:
1965 – Große Entlastungstrasse von Kreuzstraße bis zum Ringsee geplant:
Berücksichtigung im Vier-Jahresplan für den Ausbau der Bundesfernstraßen 1967-1970. Diese Trasse wurde durch den Bürgermeister Krones, Bad Wiessee und damaligen Minister Sepp Ertl mehr oder weniger im Alleingang zu Fall gebracht.

1982 – Westumgehung (kleine Umfahrung) Gmund:
Die entsprechenden Pläne wurden vom Straßenbauamt Rosenheim 1982- 1984 erstellt und mit einer positiven Machbarkeitsstudie abgeschlossen. Dies wurde jedoch durch die Gemeinde Bad Wiessee zu Fall gebracht

1991 – Verkehrsuntersuchung Tegernseer Tal durch Prof. Kurzak:
Dieses Gutachten wurde ebenfalls durch die Gemeinde Bad Wiessee bekämpft und verhindert.

2001 – Vorschlag aus der Klausur des CSU-Ortsverbandes Gmund:
Vorschlag für eine leicht geänderte Trasse der Westumfahrung Gmund inklusive Umfahrung des Ortsteils Finsterwald bezüglich der Staatsstraße Hauserdörfl und Gmund.

2002 – Neuer Versuch Westumfahrung Gmund:
Von der Gemeinde Gmund wurde eine Raumempfindlichkeitsanalyse und eine neue Machbarkeitsstudie beauftragt. Im Bundesverkehrswegeplan 2003 war diese Westumgehung Gmund im weiteren Bedarf (Umsetzung nach 2015) enthalten.

2004 – Geplantes Verkehrsgutachten Tegernseer Tal:
Trotz positiver Signale aus der Regierung wurde dieses gemeinsame Verkehrsgutachten von den Gemeinderäten Kreuths und Rottachs abgelehnt.

Heute – Verkehrskonzept gemäß Landkreisentwicklung:
Im neuen Landkreisentwicklungsplan ist unter anderem ein neues Verkehrskonzept für den Landkreis aber auch das Tegernseer Tal enthalten. Bisher wurde hier jedoch nichts Konkretes unternommen.

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