Diskussionen um Schließung des Badeparks halten an
“Der Abriss wäre ein Verlust an Lebensqualität”

von Robin Schenkewitz

Dritte Ergänzung vom 21. Mai 2013 / 11:32 Uhr
Die geplante Schließung des Wiesseer Badeparks erhitzt weiter die Gemüter. Nachdem sich jüngst drei Stammgäste mit einer Liste von 312 Stimmen an Bürgermeister Peter Höß gewandt haben, um einen möglichen Abriss des Bades abzuwenden, hat nun ein Bürger eine interessante Idee aufgeworfen.

Eine Million Euro Defizit produziert der Badepark pro Jahr. Doch TS-Leser Roland Pfülb sieht das Problem eher in der einseitigen Belastung Wiessees. Pfülb plädiert in einem Leserbrief einerseits für eine talweite Schwimmbad GmbH und bringt andererseits ein Bürgerbegehren ins Spiel

Auch die kleinsten Talbürger brauchen Möglichkeiten zum planschen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Zusammenhang mit der sogenannten neuen Therme in Wiessee soll das einzige Hallenbad weit und breit geschlossen werden. Das ist mir absolut unverständlich und eine Strafe für die Bürger im Tal, inklusive Schaftlach, Waakirchen oder auch Hausham. Die neue Therme in Wiessee soll einen kleinen Pool erhalten, für Hotelgäste und andere Zielgruppen.

Wo sollen unsere Kinder schwimmen lernen? Wo kann die ältere Generation noch Sport treiben, Gymnastik machen, in die Sauna gehen, Wo sollen Schulklassen, Sportvereine, Familien, Urlauber (besonders an Regentagen mit Kindern), Mütter mit Babys noch schwimmen und sich erholen? Acht Monate im Jahr gäbe es kein öffentliches Schwimmbad mehr.

Der Badepark ist eine Attraktion am Tegernsee, für alle Bürger aller Altersklassen und für Touristen. Er ist kein Profitbringer, sondern eine Serviceleistung für die Lebensqualität der Bürger und Gäste. Genauso wie alle anderen Leistungen der Gemeinden (Schneeräumen, Parkanlagen, Straßenreinigung usw.), die auch nur „Defizite“ auslösen.

Das Problem ist die falsche Struktur: leider muß zurzeit die Gemeinde Wiessee die Kosten alleine tragen, obwohl das ganze Tal davon profitiert.

Deshalb schlage ich vor, eine Schwimmbad GmbH zu gründen, dort alle drei Schwimmbäder im Tal (Kreuth, Rottach, Wiessee) einzubringen, eine qualifizierte Geschäftsführung zu suchen, die die Synergieeffekte nutzt, kreatives Marketing betreibt, Controlling und vieles mehr installiert. Trotz Kostenreduzierung und Einkommenserhöhung wird es nicht möglich sein, ohne Zuschüsse der Gemeinden auszukommen. Diese werden dann aber von allen Bürgern im Tal getragen.

Ein Schließen des Bades ist zwar einfach und bequem und billig. Für die Talbürger aber ein Verlust an Lebensqualität. Investitionen dürfen aber nicht nur für den Tourismus geleistet werden, auch die Bürger des Tales wollen berücksichtigt werden. Leider können die Einwohner am Tegernsee kein Bürgerbegehren organisieren, weil dies nur die Wiesseer können.

Zweite Ergänzung vom 13. Januar 2013 mit der Überschrift: “Höß fordert Solidarität mit Wiessee”
Nach der Wasserwacht, den Piraten und einigen Kommentatoren hat sich am Freitag Abend nun auch der Wiesseer Bürgermeister Peter Höß zu der geplanten Schließung des Badeparks und dem damit verbundenen Wegfall geeigneter Schwimmbahnen geäußert.

Während seiner Neujahrsansprache im Gasthof zur Post machte Höß klar, dass die Gemeinde Bad Wiessee nicht der Zahlmeister des Tegernseer Tals sein kann, nur damit es in der kalten Jahreszeit überdachte Trainingsmöglichkeiten für Vereine und Schulen gibt.

Der Badepark Bad Wiessee / Quelle: tegernsee.com

Das derzeitige Defizit von 700.000 Euro pro Jahr könne sich die Gemeinde nicht leisten, so Höß bei seiner kurzen Rede. Schon seit Jahren muss Wiessee den Gürtel enger schnallen. Die wegbrechenden Spielbankumsätze und die immer noch horrenden Schulden durch den Neubau des Casinos sowie die geplanten Großprojekte um das Jodbad-Areal zwingen die Gemeinde zu drastischen Einschnitten.

Talgemeinden und Landkreis sollten sich beteiligen

So sind die Tage des Bade Parks gezählt. Zwei bis drei Jahre soll das einzige überdachte Schwimmbad des Tegernseer Tals noch existieren. Spätestens wenn die Bauarbeiten an der neuen Therme auf dem Gelände des Jodschwefelbades beginnen, dürfte Schluss sein. Verschwinden werden dann auch die 25-Meter-Bahnen, die unter anderem von den Schulen, der DLRG und einigen Sportvereinen eifrig genutzt werden.

Für Höß eine Sache der Solidarität. Der Landkreis und die anderen Gemeinden müssten mit ran. Gespräche dahingehend laufen. “Es zeichnen sich Lösungen ab.” Dabei stellte der Bürgermeister klar, dass man diese Herausforderung nicht alleine den neuen Betreibern der Therme überlassen kann. Man werde, so Höß, keine Bedingungen diktieren, die etwaige Investoren vertreiben.

Ergänzung vom 1. Januar 2013 mit der Überschrift: “Piratenpartei springt Wasserwacht zur Seite”
Dass der Wiesseer Badepark geschlossen wird, steht spätestens seit dem Kauf des Jodschwefelbad-Areals durch die Gemeinde Bad Wiessee fest. Eine Entscheidung, die wirtschaftlich nachvollziehbar ist, denn der Badepark erwirtschaftet ein massives jährliches Minus, das den Haushalt stark belastet.

Doch nicht alle sind glücklich über die Pläne, denen derzeit noch kein konkreter Zeitplan zu Grunde liegt. So hat sich die Wasserwacht vor Weihnachten für eine geeginete Alternative ausgesprochen, um ihre Ausbildung und das Training durchführen zu können. Und auch die Piratenpartei Miesbach sieht die geplante Therme als nicht ausreichend an.

Sicherheit an unseren Seen in Gefahr?

In einer aktuellen Mitteilung erklärt Lars Witte, Bezirkstagskandidat der Piraten, dass es seine Partei auf der einen Seite zwar freut, wie gut die Planungen für das Gelände des Jod-Schwefelbades voranschreiten.

Gleichzeitig erfüllt es ihn und seine Mitstreiter jedoch mit Sorge, dass sich nach dem Schwimmbad in Schliersee auch der Badepark Bad Wiessee in die Richtung einer Therme entwickeln wird und somit schwimmfreudigen Bewohnern des Landkreises kaum noch Ausweichmöglichkeiten bleiben würden. Und auch die Bedenken der Wasserwacht, so Witte, müssten ernst genommen werden.

Der Rückgang an Jugendlichen, welche schwimmen gelernt haben, ist schon jetzt alarmierend. Durch einen Wegfall lokaler Schwimmmöglichkeiten wird dies noch verstärkt. Auch findet das weiterbildende Training der Wasserwachtler vor allem im Winter statt. Beeinträchtigungen hierbei schaden der Sicherheit an unseren Seen.

Witte bekräftigt die Hoffnung vieler Einheimischer, dass die Um- und Neubauaktionen nicht zu einem weiteren Anstieg des Eintrittspreises führen werden. “Alles in allem scheinen die Verantwortlichen zu vergessen, dass auch Menschen in der Region leben und hier einen hohen Lebensstandard genießen wollen. Diesen zu opfern wird auf lange Sicht auch dem Tourismus Schaden zufügen und rechnet sich wirtschaftlich in keiner Weise.”

Der Badepark wird im Rahmen der aktuellen Pläne zum Jodschwefelbad-Areal eines der Themen auf der nächsten Wiesseer Bürgerversammlung am 17. Januar sein. Dann will sich Bürgermeister Peter Höß auch den Fragen der Bürger zur angekündigten Therme stellen.

Ursprünglicher Artikel vom 20. Dezember mit der Überschrift: “Wasserwacht fordert alternative Trainingsstätte”
Seit der letzten Wiesseer Bürgerversammlung ist klar: Der Badepark wird zugunsten der neuen Pläne auf dem Areal des Jodschwefebades weichen.

Schon bei uns in den Kommentaren wurde deutlich, dass einige nicht einverstanden damit sind, dass das einzige wintertaugliche Schwimmbecken am See ersatzlos gestrichen wird. Und jetzt schaltet sich auch die Wiesseer Wasserwacht in die Diskussion ein.

Hier trainiert die Wasserwacht jeden Montag ab 17:00 Uhr.

Ob der Badepark weg soll und was dann aus einem geeigneten Becken zum Schwimmen wird, darüber wurde bereits in unseren Kommentaren breit diskutiert. Viele sprachen sich darin für einen Erhalt des Schwimmbades aus, da dieser besonders für die Kinder immer ein Anlaufpunkt gewesen sei.

So merkte beispielsweise der Leser “oanavoda” an:

Wo sollen unsere Kinder das Schwimmen lernen wenn kein Schwimmerbecken mehr da ist?!? Den See vor der Tür und keine Chance für unsere Kinder weiter regelmäßig Schwimmen zu gehen???

Andere wiederrum sind da eher realistisch und verweisen auf die jährlichen 700.000 Euro Miese die der Badepark jedes Jahr aufs Neue schreibt:


Wie viel mal 100.000 Euro ist ihnen denn das Schwimmen lernen ihrer Kinder wert?

Nun hat sich aber auch die Wiesseer Wasserwacht in die Diskussion mit eingeschaltet und fordert für sich geeignete Trainingsmöglichkeiten ein. Besonders für die Jugend.

Wasserwacht braucht Trainingsbecken

So macht der zweite Vorstand der Wasserwacht Karl Krenn gegenüber dem Merkur deutlich, dass das Training in einem Becken stattfinden müsse in dem man auch schwimmen können muss und nicht nur planschen. Dabei sei ein olympisches Becken zwar nicht erforderlich: “Aber wir sollten schon drei 25-Meter-Bahnen zur Verfügung haben.”

Ob und wie neue Therme, die unter anderem den Bade Park ablösen wird, ausgestattet sein wird, ist derzeit offen. Der verantwortliche Architekt Matteo Thun sagte bei der Wiesseer Bürgerversammlung nur: „Es wird kein olympisches 50 Meter Becken werden.“

Bürgermeister Peter Höß betonte auf derselben Veranstaltung jedoch auch, dass es für Wiesseer Kinder auch weiterhin die Möglichkeit geben werde in der Therme das Schwimmen zu erlernen. Ob das auch für das Schwimmtraining der Wasserwacht gilt, war nicht herauszufinden. Bürgermeister Höß war telefonisch nicht erreichbar.

Näheres dazu wird er allerdings möglicherweise auf der nächsten Bürgerversammlung am 17. Januar erklären können, wenn Höß und die Gemeinde sich den Fragen ihrer Bürger zur beschlossenen und von allen Beteiligten gewünschten Therme stellen wird.


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