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Der Tag nach dem Großbrand in Kreuth

Eine Welle der Hilfsbereitschaft

Gestern stand im Kreuther Ortsteil Schärfen ein Bauernhof in Flammen. Nachdem die Rauchschwaden verzogen sind, zeigt sich das wahre Ausmaß. Die Tenne ist abgebrannt. Beschädigt sind auch die Wohnhäuser, in die Löschwasser eindrang.

300.000 Euro beträgt der Sachschaden, doch Menschen und Tiere blieben unverletzt. Und das liegt auch an den Helfern, die in den letzten 24 Stunden im Einsatz waren.

Nach dem gestrigen Brand in Kreuth ist erst heute das ganze Ausmaß des Schadens absehbar.
Nach dem gestrigen Brand in Kreuth ist erst heute das ganze Ausmaß des Schadens absehbar.

Voller Schlamm und Wasserpfützen ist das Gelände um den Bauernhof von Peter Obermüller, aufgewühlt die Wiesen von den schweren Feuerlöschfahrzeugen. Dass Obermüller ziemlich gestresst ist, ist nachzuvollziehen. Denn von seiner Tenne samt Heu ist nichts mehr zu sehen.

Jetzt prägen unzählige freiwillige Helfer das Bild. Sie stehen auf den beiden Dächern, sichern Stromleitungen, tragen Dachplatten und geborstene Dachluken ab und versuchen, die Wohngebäude abzusichern. Ihr vorrangiges Ziel ist es auch, die beschädigten Dächer abzudichten, in die vor allem Löschwasser eindrang. Obermüller ist überwältigt von der Nachbarschaftshilfe:

Diese Hilfsbereitschaft gibt es nur in Kreuth.

Dazu gehört auch, dass die etwa 35 Kühe und Kälber gestern noch auf die Nachbarhöfe verteilt werden konnten. Fast selbstverständlich ist es für die anderen Bauern, dass sie nun auch Heu für Obermüllers Kühe spenden, denn er hat keinen Grashalm mehr für den anstehenden Winter.

Ein Lichtblick in Obermüllers Not könnte sein, dass der Stall, der zwischen den beiden Wohnhäusern liegt, offenbar vom Schlimmsten verschont worden ist. Mit einem Notdach könnte der Stall wieder genutzt werden, ist zu hören.

Beeindruckend guter Job

Wie ausgeprägt in Kreuth die Hilfsbereitschaft ist, berichtet eine direkte Nachbarin der Tegernseer Stimme: „Eine solche Hilfeleistung, wie sie hier vonstattenging, habe ich noch nie erlebt. Ohne auch nur ein Wort zu verlieren, kamen die Bauern aus der Umgebung und haben die Tiere zu sich geholt. Es wurden belegte Käsebrote, Kuchen, Kaffee und Getränke von der nahen Naturkäserei gebracht.“

Hans Leo (ganz rechts) mit zwei anderen Helfern bei der Abstimmung.
Hans Leo (ganz rechts) mit zwei anderen Helfern bei der Abstimmung.

Deren Vorstandsvorsitzender Hans Leo, selbst Landwirt, packt auch heute bei den Aufräumarbeiten mit an. Gestern Abend gab es Schnitzel mit Pommes vom nahen Gasthof Hagn, berichtet die Nachbarin und stimmt ein Loblied auf die Freiwilligen Feuerwehren an:

Wie die hier zusammenarbeiten und -halten, verdient Respekt. Eine wahre Meisterleistung in der Logistik waren die freiwilligen Helfer, die alle mit ihren Traktoren kamen und das noch lodernde Heu abtransportiert haben. Seit sieben Uhr heute geht es weiter. Es ist der Wahnsinn, wie gut diese Gemeinschaft hier funktioniert.

Sie bedankt sich bei allen Helfern „von ganzem Herzen“ für den „beeindruckend guten Job“, den alle leisteten. Die Freiwilligen Feuerwehren im Tal hätten in diesen Tagen jeden Euro mehr als verdient, falls man im alten Jahr noch nach einer Spendenmöglichkeit suchte, so die Kreutherin gegenüber der Redaktion.

War es ein technischer Defekt?

Ein Sachkundiger sieht in der Ursache eher einen technischen Defekt, denn das Heu sei schon länger in der Tenne trocken gelagert gewesen, so dass er eine Selbstentzündung für nicht sehr wahrscheinlich halte. In den Räumen von Obermüllers unversehrter Schreinerei nebenan werden derweil auch heute wieder Brotzeiten für die zahlreichen Helfer aufgetischt. Die Kreuther Hilfsbereitschaft hält unvermindert an.

Hier noch einige Bilder von den Löscharbeiten gestern Abend und den Aufräumarbeiten heute Vormittag.

Fotos: Klaus Wiendl und Felix Wolf

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