Nach der Corona-Infektion: Erfahrungsbericht eines Waakirchners

Einer, der es überstanden hat

Corona im Landkreis, in Deutschland, auf der ganzen Welt. Es ist eine Ausnahmesituation. Täglich wird über Maßnahmen und steigende Zahlen berichtet. Doch wie ist es eigentlich, an Covid-19 erkrankt zu sein? Ein Waakirchner berichtet uns exklusiv über seine Erfahrungen als Corona-Betroffener.

Der Waakirchner Sebastian Grote hat sich mit dem Corona-Virus infiziert. Mittlerweile ist er wieder gesund. / Quelle: Privat

Im Landkreis Miesbach gibt es aktuell 260 aktive Corona-Fälle. 161 Personen sind mittlerweile gesundet, haben den neuartigen Virus überstanden. Einer davon ist Sebastian Grote aus Waakirchen. Er war nach eigenen Angaben einer der ersten in der Region, der sich mit Covid-19 infizierte. Der 39-Jährige arbeitet in einem Familienunternehmen im Tegernseer Tal und war Mitte März im Skiurlaub in Kitzbühel – genau zu der Zeit, als Tirol zum Risikogebiet erklärt wurde.

„Dort besuchten wir während des Skifahrens natürlich auch verschieden Hütten und abends eine Apré Ski Bar sowie Restaurants“, so Grote. Seine Lebensgefährtin rief ihn an einem Abend an, setzte ihn ins Bild:  Tirol ist zum Risikogebiet erklärt worden. Grote blieb zunächst entspannt. „In Kitzbühel war die Situation vor Ort aber zu dem Zeitpunkt noch mehr oder weniger normal.“

Das Testergebnis: Positiv

„Ich stand natürlich auch mit meinen anderen Freunden, mit denen ich beim Skifahren war, in regelmäßigem Kontakt und keiner von ihnen hatte irgendwelche Symptome oder andere Beschwerden“, berichtet Grote.

Doch dann spürte der 39-Jährigen in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erste Anzeichen: Trockener Reizhusten, Abgeschlagenheit und erhöhter Körpertemperatur. Er ruft seinen Hausarzt an, bekommt am nächsten Tag gleich einen Termin. Von da an rollte eine Maschine an:

Mein Hausarzt wies mich am Telefon an, dass ich in meinem Auto vor der Praxis warten soll und er herauskommen wird, um den Abstrich abzunehmen.

Der Corona- Abstrich erfolgte dann mit einem Tupfer aus beiden Nasenlöchern sowie aus dem Hals-Rachen-Raum. „Am Freitagabend wurde mir von meinem Hausarzt das positive Ergebnis am Telefon übermittelt“, berichtet Grote. Eine Stunde später rief das Gesundheitsamt an. „Die Ärztin fragte meinen Gesundheitsstatus ab und gab die Regeln für eine häusliche Quarantäne weiter. Gleichzeitig bekam ich eine E-Mail mit allen notwendigen Informationen. Ich musste bestätigen, dass ich sie gelesen und verstanden hatte.“

Seine erste Pflicht: alle Kontaktpersonen ersten Grades sind zu informieren und dem Gesundheitsamt zu melden. „Kontaktpersonen ersten Grades sind Menschen, mit denen ich über mehr als 15 Minuten in einem geschlossenen Raum Kontakt hatte. Mein weiteres Umfeld, welche möglicherweise Kontaktpersonen zweiten Grades hätten sein können, wurden dann am Samstagvormittag von mir und meiner Freundin informiert.“

Der Waakirchner gehört zur Risikogruppe

Den Verlauf der Krankheit schildert der Waakirchner so:

  • 1. Tag: Reizhusten und Abgeschlagenheit
  • 2. Tag: Reizhusten, Abgeschlagenheit, Fieber, Gliederschmerzen
  • Diese Symtome und das Fieber blieben sechs weitere Tage (37,1 – 39,5 Grad)
  • 6. Tag: Abklingen von Fieber, Reizhusten, Abgeschlagenheit, und Gliederschmerzen
  • Ab dem 7. Tag: Verlust von Geruch- und Geschmackssinn
  • Ab Tag 10: Geruch- und Geschmacksinn kamen langsam zurück
  • Tag 13-14 Tag: Allgemeines Wohlbefinden war zurück, gefühlt gesund

Zu einem Krankenhausaufenthalt kam es bei dem 39-Jährigen glücklicherweise nicht, und das obwohl er zur Risikogruppe gehört. „Ich leide an Asthma und nehme auch entsprechende Medikamente. Ich bin deshalb sehr glücklich darüber, dass trotz dieser Asthma-Erkrankung der Verlauf von Corona zu keinem stationären Aufenthalt bei mir führte.“ Die Angst, dass es schlimmer werden könnte, war für Grote jedoch allgegenwärtig:

Während des Krankheitsverlauf ist man sehr, sehr sensibel und achtet natürlich auf die kleinsten Signale seines Körpers.

Im ersten Moment nach dem positiven Testergebnis war Grote „ein wenig geschockt, dass ich wirklich Corona habe.” Die ersten Tage in Quarantäne seien für ihn aber schnell vergangen. Nachdem der erste Schock überwunden und eine Woche vergangen war, „fing ich schon an, meine Familie, meine Freundin und meinen engsten Freundeskreis zu vermissen.“ Eine Begleiterin hatte er: Katzendame Micky!

Ein Rest Unsicherheit bleibt

Mittlerweile hat Grote den neuartigen Virus und die Quarantäne überstanden. Obwohl den meisten Menschen in seinem Umfeld klar ist, dass er nicht mehr infektiös sei, halten einige großen Abstand zu ihm. „Nur meine Freundin verbringt ganz normal nach Ablauf der Quarantänezeit wieder Zeit mit mir. Sonst bleibt die allgemeine Anstandsregel aber ja trotz Genesung bestehen, sodass sich diesbezüglich nicht viel verändert hat.“

Nach derzeitigem Forschungsstand sind Patienten, die das neuartige Virus überstanden haben, immun. Sicher ist das allerdings nicht. Nicht nur in seinem Umfeld, auch bei ihm selbst besteht deshalb weiterhin eine gewisse Unsicherheit. „Hilfreich wäre hier eine verlässliche Studie mit vielen Probanden über die Immunität nach einer Corona-Infektion, welche sicherlich in der Zukunft veröffentlich wird.“

Spätestens nach seiner eigenen Zeit als Corona-Kranker weiß er: „Die Ausgangsbeschränkung ist notwendig, um Menschenleben zu retten.“ Vor allem gelte sein Appell für ältere Menschen. „Ich wünsche mir, dass diese Menschen weiterhin auf sich Acht geben und die Quarantäne einhalten. Es gibt sehr viele Helfer im Tal, die Aufgaben wie Einkaufen übernehmen können. Kein Risikopatient muss das Haus verlassen.“

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