Ludwig-Erhard-Gipfel in Rottach-Egern
Elite-Treffen am See

von Nicole Kleim

Zum zweiten Mal trafen heute im Rottacher Seeforum Politiker, Unternehmer und Publizisten aufeinander. Die Vision des Ludwig-Erhard-Gipfels: Gemeinsam Antworten zu finden auf wichtige Fragen der Zukunft.

Elitetreffen im Schnee: Der Ludwig-Erdhard-Gipfel fand heute zum zweiten Mal im Rottacher Seeforum statt.

Elite-Konferenz am Tegernsee: Das Rottacher Seeforum war beim heutigen Ludwig-Erhard-Gipfel gefüllt mit Politikern, Wirtschaftsführern und Publizisten. Unter dem Motto: „Wirtschaft trifft Politik trifft Medien“ hatte die Tegernseer Weimer Media Group bereits zum zweiten Mal zum alljährlichen offenen Meinungsaustausch geladen.

Ein Event, das mit der Unterstützung regionaler Sponsoren und Global-Playern wie Black Rock, der – laut Wikipedia – größten Schattenbank der Welt, sowie Krauss-Maffei ins Leben gerufen wurde. Dabei soll die Freiheitsidee und der Demokratiegedanke von Ludwig Erhard, dem „Vater des Wirtschaftswunders“, aufrecht erhalten werden. Den „Freiheitspreis der Medien 2017“ erhält in diesem Jahr Reinhard Kardinal Marx.

Im Geist der Freiheit

Die Plattform biete Gelegenheit für „lebhafte Debatten, Ehrlichkeit und Klartext“, erklärt Verlegerin Christiane Goetz-Weimer gleich zu Beginn ihrer Begrüßungsrede die „Gipfel-Regeln“.

Über 400 Gäste – angereist aus allen Teilen Deutschlands – kamen ins Seeforum nach Rottach-Egern, um den Impulsvorträgen und Podien von Ministern, Vorstandsvorsitzenden, Verbandspräsidenten und Spitzenbankern zu lauschen. „Es sind doppelt so viel wie im letzten Jahr“, erklärt Dr. Wolfram Weimer, Gründer der Media Group und Initiator des Events. 250 Euro hat der Besucher durchschnittlich für das Ticket gezahlt. Wer am Gala-Abend und der Verleihung des Freiheitspreises an Reinhard Kardinal Marx teilnimmt, zahlt 500 Euro.

Zunächst unterhielten sich die Gäste angeregt beim Morgen-Kaffee, dann konfrontierte Verlegerin Christiane Goetz-Weimer die Anwesenden mit der fundamentalen Frage: „Wohin treibt Deutschland?“ Das Land befände sich ihrer Meinung nach in Krisenzeiten.

Wir leben inmitten von Völkerwanderungen, haben eine alternativlose Kanzlerin und Nachbarn wie Putin, die gefährlich despotisch sind.

Der globale Rechtsruck würde die Demokratie verändern, sagt sie, und auch die Medien seien in einer fundamentalen Akzeptanzkrise. Deshalb wünsche sie sich einen Meinungsaustausch von klugen Vordenkern und Querdenkern: „In diesen Zeiten brauchen wir den Dialog. Wir sind bekennende Europäer und wollen „unser Haus“ nicht zerstören.“

Dr. Wolfram Weimer, Bürgermeister Christian Köck und Christiane Goetz-Weimer im Seeforum.

Der erste Redner, der den Gipfelreigen einläutete, war Professor Dr. Reinhard Popp von der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. Er sprang kurzfristig für seinen Kollegen Professor Dr. Ulrich Reinhardt ein, der aufgrund von Krankheit absagen musste. Unter dem Tenor „Zuversicht statt Zukunftsangst“ gab er einen optimistischen Blick darauf, was die Zukunft bringt.

Innerhalb von vier Jahren steige die Lebenserwartung um jeweils ein Jahr, begründete Popp seinen Zukunftsoptimismus. Auch die zunehmende Angst der Menschen vor Digitalisierung und Maschinen sei unbegründet, weil die menschliche Intelligenz einfach unterschätzt werde. Motoren für die Zukunft seien seiner Meinung nach Kreativität, Innovation und Bildung. 55 Prozent der Deutschen meinen, so Popp, dass sich die Lebensqualität bis 2030 erhöhen werde, aber “die Qualität sei eigentlich heute schon gut”. “Es wird ein bisschen zuviel gejammert.”

Marktwirtschaft und Demokratie

Viel Beifall erhielt die Rede von CSU-Politiker Friedrich Merz, inzwischen Aufsichtsrat-Chef von BlackRock, der als „Verteidiger der sozialen Marktwirtschaft“ und „internationaler Brückenbauer“, angepriesen wurde. Merz gab in seiner Rede einen kurzen Blick auf die Märkte, die Nachbarländer und sprach aktuelle Themen wie die Wahl von Donald Trump an.

Die Entwicklungen machen deutlich, welche Verschiebungen wir erleben. Wir gehen raus aus dem Zentrum, hin zu den rechtspopulistischen Rändern. Wir sollten uns nicht von den Gegnern des Systems den Schneid abkaufen lassen.

Marktwirtschaft und Demokratie seien immer noch die Antworten des 21. Jahrhunderts, betonte er in seiner Rede. Durch die Veränderungen in Amerika und Europa sei noch bis Mitte 2017 eine anhaltende stabile Lage zu erwarten, dann kämen unruhige Zeiten auf Europa zu: Zinsanhebungen, größere Staatsverschuldung, aber auch gescheiterte Handelsverträge geben Anlass zur Sorge.

Wir müssen uns für unsere freiheitliche Demokratie und unsere offenen Märkte nicht entschuldigen. Was wir brauchen ist endlich mal wieder Selbstbewusstsein.

Auch die Prognose der Bankenchefs auf dem Finanzmarkt zeichnete ein positives Bild. Christian Staub, Chef von BlackRock, erklärte, dass die Unternehmensgewinne nach oben steigen und Deutschland stärker wachse als die USA. Auch auf den Aktienmärkten stünde man positiv da. Gefahr sieht er eher in einer „Passivierung des Kapitalmarktes“.

Frank Weise im Interview.

Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit und kurze Zeit noch oberster Flüchtlings-Koordinator, betonte in seiner Rede, die Flüchtlingsproblematik sei „ein Amts-, kein Politikversagen.“ Eine Million unbearbeiteter Fälle hätte man im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gehabt. Allein 300.000 gestellte Asylanträge seien nicht zentral registriert worden. Die viel zu lange Bearbeitungsdauer habe insgesamt kein gutes Bild abgegeben und sei das größere Übel gewesen. Auch auf die Dolmetscher habe man sieben Monate warten müssen.

Heute werde jeder Flüchtling mit modernster Technik erfasst, so Weise und verwies auf Fingerabdrücke, Sprach- und Schriftproben. Etwa 850.000 der geflüchteten Menschen werden bleiben, gab er an und betonte: “Flucht ist eine humanitäre Aufgabe.” Probleme sieht er nicht bei den geflüchteten Menschen, die bleiben, sondern bei denen, die “eigentlich nicht bleiben können und trotzdem da sind”.

Abschluss mit einer Gala

„Hervorragend.“ „Perfekt.“ „Sehr gut.“ So kommentierten die Gäste die Veranstaltung. Man hätte Informationen bekommen, an die ein Normalbürger sonst nicht herankommt. „Wir sind ein Land mit großem Wohlstand. Mir war nicht bewusst, dass die Schere zwischen Armut und Reichtum nicht existiert“, äußerte sich Kristina Tröger, Präsidentin des Clubs europäischer Unternehmerinnen zu den ersten Vorträgen des Tages.

Der Ludwig-Erhard-Gipfel endet heute um 19:30 Uhr mit der Verleihung des Freiheitspreises der Medien” an Reinhard Kardinal Marx. Die Laudatio hält die Ministerpräsidentin des Saarlandes, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Im Anschluss geht es nach Tegernsee, wo ein abschließender Gala-Abend stattfindet.


Diskutieren Sie mit uns
Melden Sie sich an und teilen Sie
Ihre Meinung.
Wählen Sie dazu unten den Button
„Kommentare anzeigen“ aus