Energiewende im Tal – Jetzt, oder doch erst etwas später?

Von Tobias

Wasserkraft (hier: die neue Turbine in Weissach) ist eine von mehreren Möglichkeiten zur alternativen Energiegewinnung - doch damit alleine ist es nicht getan

Der Landkreis Miesbach soll bis zum Jahr 2035 energieautark werden. Insgesamt etwa 50 Beteiligte – Vertreter der Gemeinden und der Energiewende Oberland ‒ haben das Konzept bereits vor einiger Zeit vorgestellt. Landkreisentwickler Toni Scherer, ehemals Bürgermeister der Gemeinde Schliersee, wacht über die Umsetzung in den einzelnen Kommunen. Am 7. Mai trifft man sich wieder ‒ bei der ersten von zwei Klimaschutzkonferenzen.

Mit der eigenen Energie den eigenen Verbrauch decken

„Ich glaube fest daran, dass wir mit unserer eigenen Energie auch unseren eigenen Verbrauch decken können“, zeigt sich Scherer überzeugt. Allerdings sei dazu auch notwenig, dass „wir unsere Art und Weise, wie wir leben, ändern“. Wir müssen uns wieder in Mäßigkeit üben, anstatt in Saus und Braus zu leben, davon ist der Kreisentwickler überzeugt. Dass alle zusammenarbeiten, sei der Grundgedanke des Konzepts, deshalb heiße es „integriert“.

Acht Punkte sollen zum Ziel führen

Das integrierte Klimaschutzkonzept zeigt Maßnahmen in allen Bereichen des Landkreises auf. Acht Themenfelder sind ausschlaggebend:
1. Siedlungsentwicklung, Bauleitplanung,
2. Sanierung im öffentlichen und privaten Bestand,
3. Erneuerbare Energien I: Solar, Wind, Wasser und Geothermie,
4. Erneuerbare Energien II: Biomasse und Kraft-Wärme-Kopplung,
5. Mobilität,
6. Unternehmen: Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und erneuerbare Energien,
7. Bewusstseinsbildung,
8. Klimaschutzmanagement und Finanzierung.

Konkrete Projekte und Maßnahmen sollen in jeder einzelnen Gemeinde entwickelt werden. Die erste Konferenz am 7. Mai befasst sich mit einer Analyse der momentanen Situation, KlimaKom und Green City werden die unterschiedlichen Potenziale in den jeweiligen Orten im Landkreis darstellen. In Arbeitskreisen soll an konkreten Zielen gearbeitet werden, um das übergeordnete Ziel der Energieunabhängigkeit bis zum Jahr 2035 zu erreichen.

Vorreiter bei der Bürgerbeteiligung ist die Gemeinde Otterfing, auch Weyarn und Fischbachau sind aktiv. Arbeitskreise wurden dort bereits angestoßen. Landkreisentwickler Scherer ruft alle Bürger in den anderen Gemeinden auf, nachzuziehen. Ganz nach dem Motto: „Was die können, können wir schon lange. Von denen lassen wir uns nicht abhängen.“

Aber was macht das E-Werk Tegernsee?

Thomas Mandl von der Tegernseer SPD

Thomas Mandl, Tegernseer Stadtrat von der SPD geht noch einen Schritt weiter und nimmt das E-Werk Tegernsee, als Stromerzeuger, in die Pflicht. In einer Schrift mit dem Titel „Energiewende jetzt“ fordert er unter anderem die Abhängigkeit von der Atomenergie zu reduzieren.

„Der Anteil des Atomstroms am Energiemix der Bundesrepublik beträgt zur Zeit 23%, der des E-Werk Tegernsee ist offiziell fast doppelt so hoch, nämlich 45%. Wenn man den Energiemix des Hauptlieferanten EON zugrunde legt, der tatsächlich aus der Steckdose lommt, dann beträgt der Anteil an Kernenergie bei den EWT-Kunden immerhin noch 33%.“

Gerade die alternative Stromerzeugung ist Mandel ein großes Anliegen. Aber nicht nur diese, wie er betont:

Natürlich begrüße ich es sehr, dass das EW Tegernsee Strom aus Wasserkraft in sein Portfolio aufgenommen hat. Mit der Aufnahme von Strom aus Wasser in die Angebotspalette ist es nicht getan.

Was die Stadt sofort machen kann, ist die Änderung der Ortsgestaltungssatzung. Momentan ist die Fläche für Solarpanels auf den Tegernseer Hausdächern auf 33% beschränkt. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Zudem könnte die Stadt auch Förderprogramme z.B. für Solarthermie auflegen und bei zukünftigen Bauvorhaben Richtlinien für die Energieeffizienz vorgeben.

Die Zustimmung für eine nachhaltige Energiepolitik steigt, wenn sie zusammen mit BürgerInnen geplant und durchgeführt wird. Hier liegt eine Chance, den Gemeinschaftssinn zu stärken. Außerdem gibt es bei den Bürgern große Kompetenz, auf die nicht verzichtet werden darf.

Energie müsse, so Mandel weiter, so weit wie möglich und verträglich dort produziert werden, wo sie gebraucht wird. Das spare kostspielige Überlandleitungen, die die Landschaft verschandeln.

Und der SPD-Politiker schließt mit der Einschätzung, dass der Weg zur Energieautarkie schwierig sein werde. Die Lichter im Tal dürfen nicht ausgehen. Aus dem Grund sei ein tragfähiges Konzept gefragt.

Wie genau das aussehen kann, haben wir den Chef des E-Werks Norbert Kruschwitz in einem ausführlichen Interview gefragt. Das Gespräch werden wir in der nächsten gedruckten Ausgabe der Tegernseer Stimme veröffentlichen. Erscheinungstermin für das kostenlose Magazin ist der 14. Mai.

Norbert Kruschwitz, Direktor des E-Werks im Gespräch - das ganze Interview gibt es im nächsten Tegernseer Stimme Magazin


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