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Taxler greifen Fahrgästen tiefer in die Taschen

Erstmals kommt ein Nachtzuschlag

Das Taxi-Fahren im gesamten Landkreis wird ab 1. Juni teurer: Um rund 6,5 Prozent werden die Preise steigen. Neu ist ein Nachtzuschlag, der erste im Oberland.

Der Kreistag entschied gestern über einen Nachtzuschlag bei Taxifahrten.

Innerhalb von zwei Jahren ist es der dritte Versuch der Taxi-Unternehmer im Landkreis, eine Preiserhöhung durchzusetzen. Am gestrigen Mittwoch gelang ihnen dies im Kreistag. Die Politiker stimmten den neuen Tarifen zu. Doch damit bleibt das Gremium unter der Forderung der Taxiunternehmer. Künftig ist zwar der Grundpreis mit 3,60 Euro gleich hoch.

Doch bereits für die ersten Kilometer werden bis zu 20 Cent mehr verlangt. Besonders aber der Nachtzuschlag je Kilometer von 22 bis 6 Uhr von zehn Cent führte zu einer lebhaften Diskussion. „Wir müssen eine Balance finden zwischen den Interessen der Wirtschaft und sozialen Belangen. Es bringt den Unternehmen ja auch nichts, wenn niemand mehr Taxi fährt“, rechtfertigte Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) die neuen Tarife.

Wenn es keine Taxis gibt, kann auch keiner damit fahren, auch nicht zu später Stunde. Menschen mit Behinderung sind aber oftmals auf deren Fahrdienste angewiesen, auch Menschen mit entsprechendem Alkoholgenuss.

Als Einwand kam von Franz Zehendmaier (FWG), dass man vor Jahren das Sammeltaxi aufgelöst habe, „weil dies den Taxlern zu kompliziert war und jetzt wollen sie mehr Geld“. Man brauche aber die Taxis dort, wo der Bus nicht fünfmal am Tag fahre. Gut wäre es, wenn mehr Taxis behindertengerecht wären. „Aber wenn nicht so viel verdient ist, machen sie es nicht“, so Zehendmair.

Wer länger feiert, soll auch zahlen

Es sei schade, dass sich aus dem Tegernseer Tal kein Taxi für den Nachtbetrieb beworben habe, monierte auch Rzehak, „aber wir können niemand dazu zwingen“. Schließlich müssten Taxifahrten sich auch lohnen. Grundsätzlich sei man in der CSU mit der Preiserhöhung einverstanden, so deren Fraktionssprecher Josef Bierschneider. „Doch der Nachtzuschlag wurde bei uns kontrovers diskutiert“. Denn man befürchte, dass genau diejenigen von einer Nachtfahrt Abstand nehmen, die wegen des Alkoholgenusses eine Taxi bräuchten.

Diese würden es dann anderweitig versuchen, nachhause zu kommen. „Genau das wollen wir aber nicht“, bekräftigte der Kreuther Bürgermeister nach seinen Erfahrungen mit Waldfesten. Warum Miesbach der erste Landkreis sei, der sich für einen solchen Nachtzuschlag ausspreche, wollte Bierschneider von der Landkreis-Verwaltung noch wissen. Kreiskämmerer Gerhard de Biasio: „Wir wollen, dass auch nachts Taxis fahren“. Zudem sei man mit dem Aufpreis nicht allein. „Auch in Berchtesgaden soll der Nachtzuschlag kommen“, so de Biasio. Er beträgt pro Kilometer zehn Cent. Einmal um den See würde dies dann etwa zwei Euro mehr ausmachen.

Heikles Kapitel Mindestlohn

Martin Walch, SPD-Fraktionssprecher, betonte, die Preiserhöhung mit 6,5 Prozent sei sehr moderat. „Mit dieser Erhöhung lassen wir diesem Berufszweig keine großen Gelder zukommen“. Er kenne Fälle als Rechtsanwalt, wonach es für manche Unternehmen schwierig sei, überhaupt den Mindestlohn für die Fahrer aufzubringen. Auch den Nachtzuschlag halte er für gerechtfertigt, denn Nachtarbeit sei deutlich anstrengender. „Das ist kein Zuckerschlecken“, wusste Walch.

Für Josef Lechner (CSU) stellte sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Preiserhöhung, nachdem die Spritpreise gefallen seien.

Wir würden die 10 Cent mehr je Kilometer nachts akzeptieren, wenn dann auch garantiert wird, dass die Taxifahrer dann auch kommen und nicht fragen, von wo nach wo wollen sie. Wenn die Strecke nicht ergiebig genug ist, dann kommen die gar nicht.

Für die Taxifahrer sei es mit Stress und Ärger verbunden, wenn spät nachts Betrunkene nachhause fahren. gefahren werden, gab Christine Negele (SPD) zu bedenken. „Da sind zehn Cent mehr angemessen“. Zudem würden sich oft mehrere Fahrgäste die Kosten teilen. Mit zwei Gegenstimmen folgte der Kreistag den neuen Taxi-Fahrpreisen.


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