Nachbarn und Gemeinderäte äußern massive Bedenken

Erweiterung der Seniorenresidenz Wallberg im Kreuzfeuer

Ginge es allein nach den Plänen von Peter Wisgott, so sollte sein Altenheim in Rottach-Egern mit einem massiven Westtrakt erweitert werden. Doch nach wie vor sind für den Gemeinderat viele Probleme ungelöst. Wisgott musste sich am Dienstagabend während einer langen Debatte deutliche Worte anhören.

Erweiterung der Seniorenresidenz Wallberg: Rottacher Gemeinderat äußert massive Bedenken.

Aufmerksam verfolgte der Eigentümer der Seniorenresidenz Wallberg die Diskussion im Ratssaal. Aufgelegen war Peter Wisgotts Bebauungsplan mit den Anregungen und Bedenken im Rahmen der Bürgerbeteiligung. Und von dieser Seite kam kräftige Kritik an seinen Neubauplänen. Das Haus am Roßwandweg 4 soll abgebrochen werden und ein komplett neuer Riegel mit 60 Zimmern und einer Geschoßfläche von 3.864 Quadratmetern entstehen.

Viergeschossige Erweiterung geplant

Der geplante Westtrakt, der mit dem Mitteltrakt samt Rezeption baulich verbunden und mit einer Tiefgarage unterkellert werden soll, ist viergeschossig geplant und bleibt gerade noch so auf Rottacher Flur. Die Baumreihe, hinter der sich das Gebäude etwas verbergen soll, steht dann schon auf Kreuther Gebiet. Die Planungen sind massiv, passen aber laut Gemeinde in die Umgebung.

Anders sehen dies die unmittelbaren Nachbarn. Ihre Bedenken richten sich vor allem gegen die Größe des Westtrakts und die Zufahrtmöglichkeiten für den Lieferverkehr auf der schmalen Weißachaustraße und dem Roßwandweg. Der Neubau am beliebten Wander- und Fuhrweg in das Landschaftsschutzgebiet soll 50 Meter lang, 21 Meter breit und, wie jetzt bekannt wurde, eine Firsthöhe von 16 Metern haben.

Damit werde keine Rücksicht auf die bestehende Bebauung genommen, zudem würden auch die Abstände nicht eingehalten werden, kritisieren die Anlieger, die der Gemeinde eine unverantwortliche Sorglosigkeit vorwerfen. Sie befürchten nicht nur deutliche Werteinbußen ihrer Immobilien, ein Vermieter von Ferienwohnungen sieht auch Umsatzeinbußen. Da auch alles zubetoniert werde, sei ein „naturnaher Aufenthalt“ wie bisher im Altenheim nicht mehr möglich.

Anwalt des Bauwerbers verfasst Stellungnahmen

Als es dann um die Einwendungen zum Immissionsschutz und den Anlieferverkehr ging, zeigte sich bei Nachfragen von Josef Kaiser (CSU), dass nicht das Bauamt Teile der Stellungnahmen verfasste, sondern ein Anwalt von Wisgott, was auf Unverständnis im Gemeinderat stieß. Denn einige Mitglieder des Gremiums scheinen die Örtlichkeiten besser zu kennen als Wisgotts juristischer Beistand.

Der hält es auf der stellenweise nur vier Meter breiten Weißachaustraße für möglich, dass dort trotz Gegenverkehr eine verstärkte Anlieferung für die Seniorenresidenz mit dann 163 Betten reibungslos erfolgen könne. Denn, so der Anwalt, die Straßenbreiten wären untersucht worden, ein Ausweichen sei möglich. Außerdem würde es selten zu einem Begegnungsfall kommen. Wenn doch, müsse man eben auf Nachbargrundstücken ausweichen.

Landwirt fürchtet großes Gefahrenpotenzial

Der nächstgelegene Landwirt an der Wallbergstraße schilderte in seinen Einwendungen andere Erfahrungen. Bei ihm würden Lastkraftwagen wenden, um rückwärts in der Weißachaustraße zum Altenheim zu gelangen. Dies berge ein hohes Gefahrenpotenzial, da dort viele Wanderer, Radfahrer und Kinder auf Rollern unterwegs seien.

Auch schon der Baustellenverkehr werde zu einer „nicht hinnehmbaren Belastung“. Statt einer Wendemöglichkeit für Lkw gebe es auf dem Gelände von Wisgott dann nur noch einen Wendehammer. Dies könne sich bei einem Katastrophenfall mit der Evakuierung von gebrechlichen und gehbehinderten Heimbewohnern „verheerend“ auswirken.

Mehr Altenheimplätze erforderlich

Gezeigt habe dies der Brand eines unmittelbar benachbarten Einfamilienhauses Mitte Dezember 2017. Schon damals sei die Anfahrt der 150 Rettungskräfte mehr als „problematisch“ gewesen. Eine Vorsorge könne er nicht im Bebauungsplan erkennen. Der Landwirt beklagte zudem, dass die Gemeinde keinen Kontakt zu den „Einwendungsführern“ gesucht habe und sie mit ihrem Problem allein lasse. In der Abwägung heißt es laut Bauamtsleiterin Christine Obermüller lapidar: „Die Einwendungen werden zur Kenntnis genommen. Der Verkehr und die Immissionen sind abwägungsrelevant“.

Bürgermeister Christian Köck (CSU) erinnerte an den demografischen Wandel in der Gemeinde. Es sei das Recht von Menschen, „dass sie auch im Alter ihre Privatsphäre haben“. Mit Blick auf das Durchschnittsalter im Ort „werden wir künftig solche Einrichtungen brauchen“.

Er könne auf Grund der zahlreichen Stellungnahmen zwar verstehen, „dass die Nachbarn über das bauliche Ausmaß nicht erbaut sind“. Allerdings müsse man aus Sicht des Betreibers berücksichtigen, dass dessen Planungen auf Berechnungen der Wirtschaftlichkeit bestehen würden. Auch der Gesetzgeber ermögliche bei Nachfrage die Unterbringung in Einzelzimmern. Doch auch Köck machte deutlich, dass „bei der Planung noch einige Dinge zu erledigen sind“. Deswegen werde die Planung erneut ausgelegt, um die wunden Punkte zu heilen.

Gemeinderat moniert falsche Angaben

Dies waren vor allem die Stellungnahmen zur Weißachaustraße. „Die stimmen einfach nicht“, monierte Andreas Erlacher (FWG). „Die Ausweichstellen sind auf Privatgrund“. Die Begründungen von Wisgott dazu „sind einfach falsch. Wir stellen einen Bebauungsplan auf, von dem wir wissen, dass er nicht stimmt“. Das müsse man „auf alle Fälle korrigieren“, pflichtete nun auch Köck bei. Wenn eine Erschließung nicht gesichert sei, „ist auch der Bebauungsplan nicht rechtskräftig“.

Josef Lang (CSU) erinnerte an den zugesicherten Wendehammer auf dem Grundstück. „Wo ist der dann?“, fragte Erlacher. „Der ist auf dem Bebauungsplan nicht dargestellt“, musste Obermüller einräumen. „Wieso sollen wir dann diesem zustimmen, wenn er an einem entscheidenden Punkt strittig ist“, gab Erlacher zu bedenken. „Der Nachweis des Wendehammers sollte eingefordert werden“.

Köck hatte „Bauchweh“

Da die Planungen weder mit dem Landschaftsschutz noch von der Umgebung her „verträglich“ seien, so Kaiser, werde er seine Zustimmung verweigern, da für ihn die Gemeinde dies „durchboxt“. Man sollte sorgfältiger über die Leute recherchieren, die das Projekt betreiben, so Erlacher. Wenn er die Stimmung am Ratstisch richtig auffasse, räumte Köck ein, könne er den Argumenten „weitestgehendst“ folgen.

Er sei inzwischen auch mit „Bauchweh behaftet“, wenn er diesen Billigungsbeschluss nun „durchwinken“ würde. „Er muss baurechtlich sauber sein“. Da dies offenbar nicht so war, war der Gemeinderat einstimmig für eine ergänzte Fassung des Bebauungsplans „zu gegebener Zeit“ von Wisgott. Der verließ nach dieser Niederlage ziemlich schnell den Sitzungssaal.


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