„Es geht um den Spaß an der Bewegung, nicht um den Leistungsgedanken“

Von Steffen Greschner

Im Vorfeld des diesjährigen Tegernseelaufs fand heute eine Pressekonferenz zum Thema Kindergesundheit statt. Dabei standen Stefan Kanwischer, DAK-Chef in Bad Wiessee und Prof. Dr. Thomas Wessinghage vom Medicalpark Rede und Antwort.

Kanwischer stellte eine Forsa-Umfrage vor, die auf die immer größeren gesundheitlichen Probleme bei Kindern und Jugendlichen hinweist. Wessinghage, Arzt und selbst 1982 Europameister über die 5.000 Meter, nahm zu den Ergebnissen Stellung.


V.l.n.r.: Alexander Kirchmair, Wolfgang Huber (Orgateam Tegernseelauf), Prof. Dr. Thomas Wessinghage (Medical Park), Stefan Kanwischer (DAK-Chef Bad Wiessee) und Peter Targatsch (Organisator Tegernseelauf).

Forsa-Umfrage der DAK zeigt große Defizite bei Kindern und Jugendlichen

Wenn am kommenden Sonntag etwa 500 Kinder und Jugendliche bei der 1,5 oder 5-Kilometer-Jugendstrecke im Rahmen des Tegernseelaufs starten werden, dann kann man das als vorbildliche Ausnahme werten.

Denn eine repräsentative Forsa-Umfrage* zeigt, dass sich der Gesundheitszustand der Kinder in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. Nach Einschätzung
der Mediziner haben insbesondere Übergewicht, Rückenschmerzen und Haltungsschäden bei Kindern stark zugenommen.

„Die Ärzte sehen hier eine große Gefahr, die Folgen für das Gesundheitssystem werden immens sein“, sagt Stefan Kanwischer von der Wiesseer DAK.

Für den Arzt Dr. Thomas Wessinghage, als Läufer 1982 Europameister über 5000 Meter und 22 Mal Deutscher Meister, decken sich die Ergebnisse der Umfrage mit den eigenen Erfahrungen. „Kinder und Jugendliche zum Laufen zu animieren, wie es die DAK beim Tegernseelauf macht, ist sicher sinnvoll“, sagt er. „Aber wichtig ist auch die Vorbildfunktion der Eltern. Hier brauchen wir Aufklärungskampagnen, um die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Bewegungsstunden vs. leistungsorientierter Sportunterricht

Wessinghage befürchtet eine Polarisierung der Gesellschaft. „Auf der einen Seite gibt es einen Boom bei Laufveranstaltungen und einen regelrechten Marathon-Tourismus. Auf der anderen Seite nimmt aber auch die Anzahl der Menschen zu, die ungesund leben.“

Um diese Gruppe zu erreichen, müsse man vor allem für die Kinder einen ganz eigenen Ansatz finden: „Es geht hier um den Spaß an der Bewegung und nicht um den Leistungsgedanken, den wir zum Beispiel im Sportunterricht oder bei Vereinen vorfinden.“

Weil die Eltern zu Hause oft nicht genug tun, um ihre Kinder zu Bewegung und Sport zu animieren, schwebt Wessinghage ein Konzept vor, das auf die Schulen abzielt. „Wir brauchen Ganztagsschulen, in denen es neben Ernährungslehre auch Bewegungsstunden gibt. Ich sage bewusst Bewegungsstunden – und nicht leistungsorientierten Sportunterricht, denn der ist für manche diskriminierend.“

Auch wenn Wessinghage früher selbst ein erfolgreicher Läufer gewesen ist und nach eigener Aussage immer zufrieden war, wenn er sich beweisen konnte, sei das Leistungsprinzip nicht der richtige Ansatz. „So geht das nicht mehr. Am Ende steht doch immer die Frage: Verbinden Kinder und Jugendliche mit Bewegung positive oder negative Assoziationen? Daran erinnern sie sich auch später als Erwachsene wieder, wenn sie vielleicht wegen Übergewicht Sport treiben wollen. Und hier müssen wir ansetzen.“

*Das Forsa-Institut führte im Auftrag der DAK im April 2011 eine bundesweite Umfrage unter 100 Kinder- und Jugendärzten durch.


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