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Drogenprävention in Holzkirchen

„Es gibt keine drogenfreie Schule“

Von Maximilian Liegl

Die Insiderberichte zur Drogensituation in Holzkirchen sorgten für großes Aufsehen. Stellt sich nun die Frage, welche Maßnahmen in Holzkirchen zur Prävention ergriffen werden – und welche Maßnahmen Sinn machen. Ein Gespräch mit Politik, Schulleitung und Sozialpädagogen.

Drogenprävention an Schulen - ausreichend?
Drogenprävention an Schulen – ausreichend?

Viel diskutiert wurden die Insiderberichte zur Drogensituation in Holzkirchen. Seit langem ist der Konsum von illegalen Suchtmitteln ein heikles Thema in der Marktgemeinde.

Doch welche präventiven Maßnahmen werden ergriffen um aufzuklären und den Einstieg in die Szene zu verhindern – und wer ist letztendlich in der Verantwortung? Im Gespräch mit der Holzkirchner Stimme schildern Vertreter aus Politik, Schulwesen und sozialpädagogischer Jugendarbeit ihre Sicht der Lage.

„Ich glaube es gibt keine drogenfreie Schule in Deutschland – da dürfen wir nicht blauäugig sein“, sagt der Holzkirchner Realschuldirektor Joachim Fischer. Der Schulleiter ist sich der Präsenz von Rauschgift an seiner Schule durchaus bewusst. Doch gerade deshalb ist man um eine gute Aufklärung bemüht.

Zusammenarbeit mit Polizei und Eltern

„Wir betreiben schon immer eine sehr aktive Elternarbeit“, so Fischer. Im Rahmen sogenannter Erziehungspartnerschaften finden Absprachen zwischen Lehrern und Eltern statt, um eine bestmögliche Zusammenarbeit zu ermöglichen. Des Weiteren ist das Thema Drogen im Lehrplan Deutsch, Biologie und Religion enthalten. Am Ende des Jahres gibt es zudem Projekttage, bei denen sich Lehrer dem Thema Rauschgift widmen können.

Kommt es zu konkreten Fällen werde die Drogenbeauftragten der Schule aktiv. Hat ein Schüler Probleme, kann er sich an die Schulpsychologin wenden. Weniger pädagogisch wird es jedoch, wenn der Verdacht des Handels besteht: „Dann alarmieren wir die Polizei. Wir stehen in sehr engem Kontakt zu den Beamten der Holzkirchner Inspektion“, erklärt Fischer.

Doch damit es zu einem solchen Verdachtsmoment kommt, müssen die Lehrer auch bemerken was in Klassenzimmern und auf Schulhöfen vor sich geht – und das gestaltet sich oft schwierig: „Es kommen ständig neue Sachen auf den Markt – viele kennt man ja nicht einmal“, so der Schulleiter. „Es gehört nun mal nicht zur Ausbildung der Lehrer sich mit Drogen auszukennen, das fällt selbst mir oftmals schwer“, weiß Holzkirchens Streetworker Christian Probst.

Alternative Prävention

Natürlich können sich Lehrer bei der Polizei informieren – die bietet zudem jeder Schule an, auf Nachfrage Vorträge zu halten. Das bringt zwar Lehrer auf den neuesten Stand, „doch Schüler sind oftmals genervt immer das gleiche zu hören“, so Probst. Das gestaltet eine nachhaltige Aufklärung schwierig.

Der Streetworker empfiehlt alternative aber dafür umso intensivere Prävention: „Wir planen Gespräche mit einem Ex-Häftling und ehemaligen Crystal-Konsumenten – dessen Lebensgeschichte und jahrelange Hafterfahrung ist noch einmal etwas ganz anderes.“

Lediglich die Finanzierung dieser Treffen ist problematisch. Dennoch: Der gemeinnützigen Verein “Vorbild Jugendlicher – Leitbild Mensch e.V.”, der der Veranstalter ist, ist ständig auf der Suche nach Menschen mit Erfahrungen aus der Drogenszene, um Lehrer und Schüler glaubwürdig und kompetent zu informieren und beraten.

Mehr Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche

Während für Grünen Gemeinderätin Ulrike Küster die Drogenproblematik nicht vom Gemeinderat lösbar ist – „wäre schön wenn das so wäre, außerdem machen wir mit dem Skatepark, Schwimmbad und den Sozialpädagogen an der Mittelschule bereits viel in der Richtung“ – ist für FWG-Gemeinderatsmitglied Erdal Karli der Mangel an Freizeitmöglichkeiten ein wesentlicher Faktor: „Es fehlt an Einheimischen-Projekten und ausreichender Jugendarbeit. Die Kinder brauchen Beschäftigung.“ Egal ob Kletterzentrum oder Multifunktionshalle – die Jugend profitiere davon.

Für den Vater von drei Kindern ist auch eine starke Gemeinschaft innerhalb der Nachbarschaft ein starker positiver Einfluss auf die Kinder. „Durch gute Nachbarschaftsarbeit schafft man ein stabiles Umfeld, in dem auch mal die Anwohner auf die Kinder aufpassen – das entlastet Eltern und es ist immer jemand für die Kleinen da.“

Auch der Leistungsdruck und die Angst vor dem Versagen führe Jugendliche auf Abwege. „Ich selbst unterhalte mich viel mit meinen Kindern und stelle sicher, dass sie mit mir über alles reden können.“ Am Ende ist es besonders wichtig zu den Jugendlichen durchzudringen. Ob das den Erwachsenen und ihren erwachsenen Maßnahmen gelingt, ist eine andere Frage.

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