Licht und Schatten in Rottachs Übernachtungsstatistik

Gästezahlen hui, Tagungstourismus pfui

Von Martin

Zweite Aktualisierung vom 11. März / 10:43 Uhr
Rottachs Bürgermeister Franz Hafner hatte auf der letzten Bürgerversammlung einige erfreuliche Zahlen zu vermelden. Zum ersten Mal hat Rottach-Egern es geschafft, innerhalb von zwölf Monaten über 100.000 Übernachtungsgäste anzulocken.

Gleichzeitig brach jedoch die Anzahl der Tagungsgäste um mehr als 15 Prozent ein. Nun hoffen die Verantwortlichen in der Gemeinde darauf, dass das Seeforum einschlägt.

Auf der Bürgerversammlung: Franz Hafner verkündet die Rottacher Übernachtungszahlen

Zufrieden wirkte der Bürgermeister, als er bei der Bürgerversammlung auf die Übernachtungszahlen des vergangenen Jahres zu sprechen kam. Das erste Mal habe man mit dem Wert die magische 100.000er Marke überschritten.

Trend fortgesetzt

Damit hat sich der positive Trend aus dem Jahr 2011 auch in den zwölf Monaten im Jahr 2012 fortgesetzt. Zwar sei die Steigerung zum Vorjahr eher geringfügig (1.541 mehr Besucher) ausgefallen, dennoch habe sie gereicht, um die Grenze zu überschreiten. Damit einher gingen laut Hafner ebenso eine steigende Übernachtungszahl sowie eine längere Aufenthaltsdauer.

Insgesamt allerdings machte der Bürgermeister klar, dass das Buchungsverhalten der Touristen immer weniger berechenbar werde. Die Gäste buchen kurzfristiger, bleiben kürzer und sind weniger loyal. Mit einher gehe eine immer weiter zunehmende Anzahl an Onlinebuchungen. Jeder Vierte, so Hafner, soll laut einem Zeitungsartikel mittlerweile online buchen. Ob das nun stimmt oder nicht, sei zweitrangig. „Tatsache ist, dass es zunimmt.“

Problemfall Tagungsgäste

Das Problemkind bleiben in Rottach aber weiterhin die Tagungsgäste. Die hätten im vergangenen Jahr um knapp 15 Prozent gegenüber 2011 abgenommen. 18.941 Tagungsgästen stehen nun 23.743 Übernachtungen gegenüber. Bezogen auf die insgesamt 397.920 Übernachtungen ein eher mickriger Anteil von unter 6 Prozent. Wie groß die Bedeutung von Tagungstouristen für die Auslastung der Hotels ist, hatten wir bereits in einem früheren Artikel aufgezeigt. Eine Quote von 25 Prozent dürfte zumindest hotelübergreifend bei den aktuellen Zahlen eher utopisch sein.

Trotzdem arbeiten alle daran, dass der Bereich gestärkt wird und die Wende gelingt. Helfen soll unter anderem das Seeforum, das als Zielgruppe laut Hafner unter anderem „Firmen, Tagungs- und Kongressveranstalter“ habe. Für die Auslastung sei die Firma Edelblau von Vermarkter Julian Siebach zuständig. Für dieses Jahr sind die Räume bereits an 91 Tagen gebucht. Eine Zahl, die Hafner zuversichtlich stimmt.

Aktualisierung vom 14. März 2012 / 09:59 Uhr
Waren in 2010 noch etwa 264.000 Gäste in einem der Beherbergungsbetriebe rund um den See untergebracht, stieg diese Zahl in 2011 auf fast 300.000. Die Stimmung ist also sehr gut. Und das auch bei Gemeinden, die seit Jahren unter deutlichen Verlusten leiden wie etwa Bad Wiessee.

„Wir sind auf alle Fälle zufrieden. Dennoch sind die Zahlen weiter steigerungsfähig,“ so Wiessees Bürgermeister Peter Höß auf Nachfrage.

Denn das Niveau auf dem sich Wiessee derzeit bewegt ist niedrig. Seit der Schließung des Hotel Lederer sind im Ort weitere Betten verloren gegangen. Insgesamt kommt man trotz allem auf ein Plus von 10 Prozent bei den Gästen und knapp 1 Prozent bei den Übernachtungen.

Rottach mit starkem Plus

In Rottach darf man sich noch mehr freuen. 98.790 Urlauber und damit 23.621 mehr Gäste waren im Jahr 2011 im Vergleich zum 2010 in einem der Beherbergungsbetriebe am Südufer des Tegernsees untergebracht. Das entspricht einem Plus von 31 Prozent.

Auch bei den Übernachtungen konnte Rottach-Egern ordentlich zulegen. Waren es in 2010 noch 343.056, stieg diese Zahl im letzten Jahr auf 388.678. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 3,9 Tagen. Dieser Wert ging um mehr als einen halben Tag zurück.

„Das ist typisch für den Alpenraum und allgemein für den gesamten Tourismus“, so Bürgermeister Franz Hafner (FWG), der die Statistiken auf der letzten Gemeinderatssitzung präsentierte: „Urlaube werden kurzfristiger gebucht und die Aufenthaltsdauer verringert sich.“

Entwicklung von Gäste- und Übernachtungszahlen der fünf Talgemeinden von 2010 auf 2011. Quelle: Gemeinden

Vor allem die zurückgehende Aufenthaltsdauer ist etwas, das sich talweit beobachten kann. In 2010 war ein Gast im Schnitt 5,17 Tage im Tal. Im Jahresschnitt 2011 lag der Wert nur noch bei 4,73 Tagen. Eine Entwicklung, auf die die Betriebe teilweise schon reagiert haben.

Ursprünglicher Artikel vom 30. Januar
Der Masterplan Tourismus kostet die Gemeinden derzeit 900.000 Euro jährlich. Und das zusätzlich zu den bisherigen Abgaben, die sie leisten müssen.

Vor einem Jahr noch stellte TTT-Chef Georg Overs klar, dass die Rechtfertigung für die hohen Kosten am Ende aus einer Steigerung der Übernachtungszahlen resultieren müsse. „500.000 Übernachtungen zusätzlich in 10 Jahren. Das ist zwar ein ambitioniertes Ziel. Aber daran werden wir uns messen lassen.“

Heute hat Overs die aktuellen Zahlen vorgestellt. Und so ganz zufrieden zeigt sich der Tourmismusmanager nicht. Gegenüber dem Merkur stellt Overs klar, dass das Hauptziel des Masterplans, für mehr Betten zu sorgen, bislang verfehlt worden sei.

Dabei sind die Zahlen des vergangenen Jahres im Vergleich zu früheren Jahren grundsätzlich positiv. Von Januar bis Dezember sind im Tegernseer Tal 1.416.000 Übernachtungen gezählt worden. Das bedeutet ein Plus von 3,78%. Bei den Gästezahlen gab es sogar eine Steigerung um 13,72% auf 299.199 Gäste.

Die Jahresübernachtungszahlen für das Tegernseer Tal. Quelle: Tegernseer Tal Touristik GmbH
Die Jahresübernachtungszahlen für das Tegernseer Tal. Quelle: Tegernseer Tal Touristik GmbH

Für Overs eine gute Leistung. Vor allem wenn man sich die um vier Prozent zurückgegangene Bettenanzahl anschaut. Dies deute auf eine höhere Auslastung der Hotels hin. Wie die Zahlen heruntergebrochen auf die einzelnen Gemeinden aussehen dazu wollte Overs im Gespräch nichts konkretes sagen. „Zuerst werden wir die Gemeinderäte vor Ort informieren. Wir haben da eine Verpflichtung gut und ausführlich zu kommunizieren. Und der wollen wir auch nachkommen.“

Rottach-Egern stehe auf alle Fälle gut da und Bad Wiessee sei trotz einiger geschlossener Hotels, wie dem ehemaligen Lederer am See, zumindest nicht noch weiter abgesackt.

Neue Buchungssoftware

Die Tendenz ist klar und so heißt es für den modernen Gast: Das Internet macht Lust auf mehr, informiert und lässt mich einfach und problemlos buchen. Damit das in Zukunft am Tegernsee für alle Gastgeber noch besser funktioniert, hat die TTT sich nun entschieden zum 1. Mai auf eine neue Buchungsplattform umzustellen.

Vom bisherigen System Tiscover werde man, wie auch schon die ATS, auf im-web umstellen. Ein sinnvoller Schritt, da die beiden Organisationen mittelfristig so oder so eine Fusion anpeilen.

Für die Gastgeber im Tegernseer Tal ist die Umstellung zwar nicht sehr einfach, dafür aber mit vielen Vorteilen verbunden. Das neue System sei komplett auf deutsch gehalten. Und die Provision sinke von 13% netto auf 12% brutto. Bei Tiscover wäre sie dagegen ab dem 1. März auf 15% gestiegen, so Overs.


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