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Von Regenschirmen und Korkenziehern

Färber hält Bromme die Stange

Wieder einmal ging es in der sogenannten Miesbacher Amigoaffäre um die „Geschenkepraxis“ des Angeklagten Georg Bromme. In seiner Zeit als Sparkassenchef verteilte er offenbar Präsente nach Gutsherrenart. Dies offenbarte heute auch Zeuge Arnfried Färber, der bereits einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft akzeptiert hatte.

Arnfried Färber sagte heute erneut vor dem Landgericht aus

Laut Färber als damaliger Vize-Landrat und stellvertretenden Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Kreissparkasse (KSK)habe Bromme eine „allgemeine Geschenkepraxis“ unterhalten. „Wir alle haben bei Sitzungen des Verwaltungsrats Präsente bekommen“.

An Weihnachten, so konnte sich der 78-Jährige erinnern, habe Brommes Fahrer auch „Fleischpakete“ vorbeigebracht, auch an Geburtstagen „gab es Aufmerksamkeiten“. Alle hätten das Gleiche bekommen. Jedoch bei seinem „Runden“, seinem 70. Geburtstag im Oktober 2010, gab es nichts „Spezielles“. Immerhin hatte Bromme schon 33.000 Euro für die Feier im Alpengasthof „Glück Auf“ von Hausham springen lassen. Färber war von 1981 bis 2008 Bürgermeister der Gemeinde.

Allerlei teurer Krimskrams

Wenn es Geschenke von Bromme gab, waren es meist Korkenzieher mit einem Jagdmotiv, Besteckmesser „Hirschhorn“ für je 842 Euro, Flaschenhalter für 178 Euro oder Brotzeitbrettl zu je 267 Euro. Einen Regenschirm zu 238 Euro nahm er, Färber, wie alle Vorstände und Verwaltungsräte auch entgegen. Diesen wollte er aber nach der Amtsübergabe Anfang April 2012 von Bromme an seinen Nachfolger Martin Mihalovits zurückgeben.

Doch der neue KSK-Chef habe dankend mit den Worten abgelehnt: „Behalten sie ihn, davon haben wir noch eine ganze Menge im Keller“. Mihalovits nahm am Ende der Zeugenaussage Färbers dazu vor Gericht Stellung. Alle, die von Bromme Geschenke erhalten haben, seien von ihm angeschrieben worden, diese doch zurückzugeben. Die Rücknahme eines Regenschirms, hätte in keinem Verhältnis zum buchhalterischen Aufwand von Rückbuchungen der in Rede stehenden Jahre gestanden.

Doch das Präsent Käsebesteck an Färber blieb in seinem Haushalt, wie er als Zeuge aussagte. „Der Käse ist schon gegessen“. Seine Frau, die die „KSK immer positiv herausgestellt habe“, sei von Bromme mit einer Wolldecke für 842 Euro bedacht worden. Über deren Kosten machte er sich aber „keine Gedanken“. Erst durch die Ermittlungen habe er deren Wert erfahren, so Färber, „da waren wir in der Familie platt“. Er sah Brommes Gaben „als Anerkennung für seinen Einsatz in der Gemeinde und im Landkreis“, dessen stellvertretender Landrat Färber von 2008 bis 2014 war. „Meine Tätigkeit wurde von Bromme überaus geschätzt“, denn als Vize sei er „die ganze Woche“ für den Landkreis unterwegs gewesen. Er habe sich in den Gemeinden positiv zur KSK geäußert und deren Leistungen gewürdigt. Geben würde es beispielsweise ohne Bromme weder die Musikschule Leitzachtal noch den Schulschachverein, der mit 30.000 Euro durch die KSK aus der Taufe gehoben worden sei.

Bleibt nur Bromme als Angeklagter übrig?

Eine „Geschenkepraxis“ habe auch schon unter Norbert Kerkel als Landrat und Verwaltungsratsvorsitzenden bestanden, so Färber. Bei diesem „aufrichtigsten und ehrlichsten“ Menschen Kerkel „kommt doch keiner auf die Idee“, dass man bei Fahrten des Verwaltungsrates besser zu Hause bleiben sollte. „War das also üblich“, fragte Richter Alexander Kalomiris. Färber: „Ja“. Doch nur so lange, bis Mihalovits auf den Chefsessel der KSK nachrückte. „Von da an gab es nichts mehr“.

Seitdem es Bromme „nicht mehr gibt, haben sich die Zeiten geändert“, so Färber. „Bromme und Kreidl haben was bewegt“. Während Kerkels Amtszeit habe der Spruch gegolten: „Der eigentliche Landrat ist Bromme“.

Als das Gericht Färber verabschiedete, meinte dessen Vorsitzender: „Hoffentlich war es heute das letzte Mal. Aber man weiß ja nie“. Staatsanwalt Jürgen Rohrmüller empfahl Brommes Anwälten zu erklären, was von der Verteidigung noch kommt. Sonst könnte es sein, wie auch die Kammer anmerkte, dass nach dem Rechtsgespräch Ende Januar „Herr Bromme alleine als Angeklagter übrigbleibt.”


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