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"Erheblich zugespitzte Situation"

Fahrradverbot an Wiessees Seepromenade kommt

Von Klaus Wiendl

Verstärkt geraten Fußgänger und eilige Radler an Wiessees Flaniermeile aneinander. Die Beschwerden im Rathaus häuften sich. Zwar ist das Biken an der Seepromenade bereits untersagt, doch kaum jemand hält sich daran. Nun kam es im Gemeinderat zur finalen Entscheidung.

Am Tag der Entscheidung im Gemeinderat: Biker auf der Seepromenade / Quelle: Klaus Wiendl

„Es haben sich Dinge ergeben, auf die wir reagieren müssen, denn die Zahl der Radfahrer an der Seepromenade nimmt ständig zu“, sagte einleitend Vize-Bürgermeister Robert Huber (SPD), der die Sitzung für den im Urlaub weilenden Rathauschef Peter Höß leitete. Probleme würden inzwischen die vielen E-Biker bereiten, vor allem die, „die ihre ganze Kapazität der Räder ausschöpfen“. Es gebe auch viele motorisierte Radler, die alles andere als sicher unterwegs seien. Die Situation habe sich „leider erheblich zugespitzt“, beklagte Huber.

Wenn auch die Bürgerschaft bei diesem Thema gespalten sei, so sei der Gemeinderat aber der „Souverän“, der dies zu entscheiden habe. Ingrid Versen (CSU), eine erklärte Befürworterin des Radlerverbots, berichtete von einer Gästeehrung in der Naturkäserei. Dort seien alle über die rücksichtslosen Radler an der Seepromenade entsetzt gewesen. „Sie muss radelfreie Zone werden, damit wir uns wieder sicher fühlen“, zitierte Versen die jahrzehntelangen Stammgäste, die von „haarsträubenden Erlebnissen“ berichtet hätten.

Niemanden über die Füße fahren

Bernd Kuntze-Fechner (SPD), der sich gegen ein Verbot aussprach, sah allerdings auch, dass es nicht so bleiben könne, denn die „Rücksichtslosigkeit ist ein riesiges Problem“. Daher sollte versucht werden, Bereiche zu trennen, wo einem niemand „über die Füße fahre“. Man sollte sich vor Ort kundig machen, „wo und wie sperrt man, wo kann man stattdessen fahren“. Wenn ein Verbot erfolge, wie soll das kontrolliert werden? Denn neues Personal dafür gebe es nicht, gab Kuntze-Fechner zu bedenken. “Wir brauchen Angebote und Alternativen, dass die Schnellradler nicht an der Seepromenade auflaufen“.

Geschäftsleiter Hilmar Danzinger verwies darauf, dass laut Regierung von Oberbayern für straßenrechtliche Entscheidungen nicht die Kommunale Selbstverwaltung wie ein Gemeinderat zuständig sei. Dies sei ausschließlich Angelegenheit der Straßenverkehrsbehörden. Daher müsste Wiessees Ordnungsamt, die Polizei und das Landratsamt einen Ausweg aus dem Dilemma finden. „Vermutlich werden sie die Seepromenade für Radfahrer wieder sperren“, prophezeite Danzinger.

„Fußgänger haben Angst“

Beate Meister (parteilos) verwies auf die kurze schmale Strecke von Altwiessee nach Abwinkl, die nur Fußgängern vorbehalten ist. „Kein Radler hält sich aber daran, die fahren alle durch“. Viele Senioren hätten hier „als Fußgänger Angst“, wusste die Seniorenbeauftragte der Gemeinde. „Die Promenade von Wiessee als Kurort ist eine Ruhezone“, verdeutlichte CSU-Fraktionssprecher Kurt Sareiter. „Daher muss da unten Schluss sein mit dem Radeln“. Vor Jahren schon sei versäumt worden, Räume für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen.

Weiter könne man laut Sareiter aber nicht zuwarten. „Der kombinierte Verkehr ist ein Problem“, stimmte Klaudia Martini (SPD) Sareiter zu. „Die Seepromenade ist ein öffentlicher Raum nur für Fußgänger und tabu für Radler“, widersprach Martini ihrem Fraktionskollegen Kuntze-Fechner. Dessen Mitstreiter Fritz Niedermaier (Wiesseer Block) wollte einer „Komplettsperrung der Seepromenade und Ausgrenzung der Radler keinesfalls zustimmen“.

Wie kann Wiessee fahrradfreundlicher werden?

Florian Sareiter (CSU) war für die Herstellung des alten Zustandes, der Fußgänger und Biker trennte. Diesen müsse „signalisiert werden, du hast hier nichts verloren“. Huber ergänzte: „Wenn wir sperren, muss es eindeutig sein“. Thomas Erler (CSU) dagegen warb für eine „offene Diskussion“. „Sperrung ja, aber wie kann Wiessee dennoch radfreundlicher werden“.

Diese beiden Punkte sollten sich „nicht ausschließen“. Er möchte nirgends lesen, dass Wiessee „radlerfeindlich“ sei. Ihm behage das Argument nicht, ein Verbot wäre nicht zu kontrollieren. Das käme einer „Kapitulation“ gleich, so Erler. Stichproben könnten nach seiner Ansicht schon eine abschreckende Wirkung haben.

Seepromenade Fußgängern vorbehalten

Nach gut einer halben Stunde Diskussion waren die Fronten geklärt, alle Argumente ausgetauscht. So kam das Verbot für Biker an der Seepromenade nach folgendem Beschluss nicht überraschend: „Der Gemeinderat spricht sich dafür aus, dass möglichst zeitnah Radverbotsschilder zwischen dem Strandbad Grieblinger im Norden und dem Zeiselbach im Süden aufgestellt werden. Die dazwischen liegende Seepromenade soll ausschließlich Fußgängern vorbehalten werden. Südlich des Zeiselbachs soll es den Radfahrern weiterhin möglich sein, den Parallelweg an der Seepromenade Richtung Altwiessee zu fahren. Mit 10:4 Stimmen wurde das Radlerverbot an der Seepromenade in Gang gesetzt“.

Konsens dagegen herrschte beim Antrag der Gemeinderäte Bernd Kuntze-Fechner, Fritz Niedermaier und Rolf Neresheimer (ranBW), die den „Beitritt zur AG fahrradfreundliche Kommunen in Bayern“ (AGFK Bayern) forderten. Ein gemeindliches Gesamtkonzept dafür soll ein Arbeitskreis erarbeiten. Dieses müsse dann in einer Talbürgermeisterrunde erörtert werden. Das Prozedere sei ein Aufnahmeantrag zum AGFK, der dann nach vier Jahren entscheide, ob Wiessee radlerfreundlicher geworden sei. Die Prüfung kostet für die Gemeinde 1.000 Euro pro Jahr. Einstimmig wurde der Beitritt zur AGFK verabschiedet. Huber zum Abschluss: „Herzlichen Dank für die disziplinierte Diskussion“.

 


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