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Hochwasserschutz: Aktionsbündnis und Tal-Bürgermeister treffen sich

Wehr-Pläne sollen überpfüft werden

Von Robin Schenkewitz

Aktualisierung vom 08. November / 13:34 Uhr
Vor rund einem Monat trafen sich die Wehr-Gegner des Vereins „Rettet den Tegernsee „und die Tal-Bürgermeister zu einem ersten Gespräch. Nun hat der Dialog bereits erste Ergebnisse zu Tage gefördert.

Man konnte sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigen, wie die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes überprüft werden sollen.

Die Wehr-Gegner befürchten, dass der Tegernsee künstlich aufgestaut werden soll / Bild: Mick Zollenkopf
Die Wehr-Gegner befürchten, dass der Tegernsee künstlich aufgestaut werden soll / Bild: Mick Zollenkopf

Es war der Wunsch des Aktionsbündnisses mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Und so kamen vor rund einem Monat die fünf Tal-Bürgermeister sowie die führenden Köpfe hinter dem Verein Rettet den Tegernsee zusammen, um in einen Dialog zu treten.

Pläne sollen unabhängig überprüft werden

Dabei konnten die Wehr-Gegner schon mit einem bereits erstellten Gutachten punkten, dass ein Schilfsterben am Tegernsee erwartet, sollte das neue Wehr so eingesetzt werden, wie es von den Gegnern befürchtet wird.

In den Gesprächen vereinbarte man sogleich, dass dieses Gutachten in jedem Fall in die spätere Beurteilung mit einfließen soll. Gleichzeitig sollen aber noch weitere Überprüfungen der Pläne des Wasserwirtschaftsamtes stattfinden. Die Kosten dafür wollen die Gemeinden übernehmen. Durch die Abstimmung möchte man vor allem verhindern, dass man parallel an denselben Gutachten arbeitet und so überflüssige Doppelarbeit entsteht.

Geplant ist, dass zwei namhafte Professoren, das Aktionsbündnis sowie die Gemeinden einen Fragenkatalog an das Wasserwirtschaftsamt stellen. Die Antworten auf die gestellten Fragen sollen dann wiederum von den genannten Professoren beurteilt werden.

Mitverantwortung des Tegernseer Tals

Dies habe sich laut Aussage der Bürgermeister schon in der Vergangenheit bewährt. So wurde nach Durchsicht der ersten Pläne erreicht, dass das Wasserwirtschaftsamt seine Planungen verändert hat und fortan nur noch mit einem anstatt mit zwei Wehren plant.

Ähnliche Erkenntnisgewinne und mögliche Änderungen erhofft man sich auch diesmal. Das Bündnis befürchtet insbesondere eine Verschlechterung der derzeitigen Situation für die Anlieger. Die Initiatoren begründen dies mit dem Vergleich der veröffentlichen Abflussmengen, die beim 2013er Hochwasser 133 Kubikmeter pro Sekunde betragen habe, nach Fertigstellung des neuen Wehres allerdings nur noch 120 Kubikmeter betragen soll.

Trotz aller Bedenken war man sich jedoch einig, dass das Tegernseer Tal eine Mitverantwortung für die Sicherheit der Mangfall-Anlieger trägt. Allerdings dürfe diese nicht zu Lasten der hiesigen Anwohner erzielt werden.

Ursprünglicher Artikel vom 10. Oktober 2013 mit der Überschrift: Fakten statt Gefühle
Bereits im August hatten Mitglieder des Vereins „Rettet den Tegernsee“ die Befürchtung geäußert, dass durch die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen rund um das neue Schuhmacher-Wehr auch die Schilfbestände am Tegernsee in Gefahr sein könnten. Nun hat man ein Gutachten vorgelegt, das die Risiken mit Fakten untermauern soll. Und die Experten kommen zu einem klaren Ergebnis.

kalenderblatt tegernsee flut breit

So erklärt Professor Dr. Arnulf Melzer, der das sogenannte limologische Gutachten im Auftrag des Aktionsbündnisses erstellt hat, dass die geplante künstliche Steuerung des Tegernsees dem gefährdeten Schilfbestand am Tegernsee arg zusetzen könnte.

Melzer betont in dem Tegernsee_Gutachten(1), dass weniger Niedrigwasser, sondern vor allem die durch die Steuerung möglichen dauerhaft höheren Stände des Tegernsees zu einem Schilfsterben an den verschiedenen Uferzonen des Sees führen könnten.

Sollten die Hochwasser am Tegernsee durch das geplante Wehr in ihrer Häufigkeit und Intensität zunehmen, so ist mit größter Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Schilfbestand, wie schon im Jahr 2013 zu beobachten war, geschwächt und in seiner Ausdehnung reduziert wird. Wenn nicht nur der Hochwasserstand erhöht, sondern das Hochwasser vor allem zusätzlich verlängert wird, so sind die negativen Folgen für das Schilf besonders gravierend.

Aussagen, die die Befürchtungen des Aktionsbündnisses stützen. Deren Initiatoren erklärten das Phänomen auf einer Informationsveranstaltung vor knapp zwei Monaten folgendermaßen: „Ist Schilf etwa zwei Tage überschwemmt, beginnen Absterbevorgänge. Geht das Wasser anschließend zurück, ist das Schilf tot.“

Eine natürliche Regeneration würde dagegen sehr lange dauern oder im Fall von zunehmend stärkeren Überschwemmungen unmöglich werden.

Schilf in St. Quirin im Winter / Quelle: mein-tegernsee
Schilf in St. Quirin im Winter / Quelle: mein-tegernsee

Dabei ist eine Schädigung des Schilfs kein kleinlokales Problem. Rund ein Drittel der gesamten Uferlänge des Tegernsees bestehe aus Schilfzonen, so die Aussage der Initiatoren. Erwartungsgemäß erklärt Andreas Scherzer, Vorstand bei Rettet den Tegernsee e. V.:

Das Gutachten hat unsere Befürchtungen um ökologische Folgeschäden bestätigt. Professor Dr. Melzer macht deutlich, dass ein Zurückstauen des Tegernsees immanente Auswirkungen für Flora und Fauna hat. Für uns ist klar, dass ein Wehr in seiner aktuell geplanten Form negative Auswirkungen auf das bestehende Öko-System unseres Sees haben wird.

Neben einer Neuplanung des Wehrs setzt das Bündnis deshalb auf ein Gesamtkonzept, das alle Zuläufe des Tegernsees und auch das Hinterland einbezieht. Nur so würde, so Scherzer, ein wirksamer Hochwasserschutz für alle Beteiligten zustandekommen.

„Der Tegernsee wird kein Stausee“

Für den Leiter des Rosenheimer Wasserwirtschaftsamtes, Paul Geisenhofer, handelt es sich bei der Überzeugung der Gegner um ein Missverständnis. Denn es sei gar nicht geplant, den See während des Hochwassers künstlich aufzustauen, so Geisenhofer gegenüber der Tegernseer Stimme.

Wir schaffen nur ein um 30 Zentimeter niedrigeres Ausgangsniveau, bevor das Hochwasser eintritt.

Mit dem anschließend ablaufenden natürlichen Hochwasserereignis, das eben vom jeweiligen Niederschlagsereignis und vom Einzugsgebiet der zahlreichen Wildbäche geprägt ist, werde man aber weiterhin leben müssen.

So stellte Geisenhofer bereits mehrfach klar, dass das neue Schuhmacher-Wehr während des Hochwassers die gleiche Funktion übernehmen müsse wie schon das alte Wehr bisher. Das sei wichtig, damit sich keine Verschlechterungen für die Unterlieger ergeben. Die jetzigen Abflussverhältnisse müssten trotz des vertieften, leistungsfähigeren Flussbettes erhalten bleiben.

Bisher keine Gespräche

Trotz der immer wieder geäußerten Kritik an die Adresse der Gegner, denen Polemik vorgeworfen wird, haben es die Initiatoren mit dem vorgelegten Gutachten geschafft, das Thema auf eine sachlichere Ebene zu bringen. „Uns liegt nichts an Panikmache“, so Vorstand Andreas Scherzer vor einigen Wochen. Daher habe man sich nun die fachliche Meinung geholt, die bisher gefehlt habe.

Nun dürften in absehbarer Zeit auch Gespräche zwischen den beiden Parteien stattfinden. Denn die, so erklärte Paul Geisenhofer gegenüber dem Merkur, habe es bisher noch nicht gegeben. „Professor Melzer hat bei uns keinerlei Informationen angefordert“, betonte der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes. Und auch die Bürgerinitiative habe ihn noch nicht kontaktiert.

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