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Tegernseer Woche mit seltenen Führungen im Thoma-Haus

„Famoses Häusl“ auf der Tuften

Von wegen „Häusl“, wie der bayerische Nationaldichter Ludwig Thoma seinen Besitz bezeichnete. Es ist ein stattliches Haus unterhalb des Riedersteins, in dem Thoma 14 Jahre lebte. Durch seine satirischen Schilderungen des bayerischen Alltags wurde er populär. Doch das Bild der Ikone bekam Risse, nachdem vor Jahren seine rechten Hetzartikel bekannt wurden.

45.920,84 Mark hatte das Haus 1908 gekostet. Ludwig Thomas Haus wird sei 1964 von der Stadt München verwaltet.

Wie berichtet, wurde im Januar der 150. Geburtstag des Wahl-Tegernseers Ludwig Thoma begangen. Wenn auch in bescheidenerem Rahmen. Denn das Bild der Ikone bekam Risse, nachdem seine Hetzartikel bekannt wurden: Vor über 20 Jahren wurden 175 meist antisemitische Hetzschriften entdeckt, die er im Miesbacher Anzeiger anonym veröffentlichte. Dies ist Thomas dunkelstes Kapitel.

Ein anderes sind seine literarischen Werke, die ihn zu dem Schriftsteller Bayerns machten. Etliche Werke davon entstehen auf der „Tuften 12“. Dort schreibt Thoma unter anderem seine Komödie „Moral“ zu Ende. Über seine 5,2 Hektar große Immobilie sagt Thoma:

Unter dem ‚Riedererstoa’, am Eingang des Enterrottacher Tales; der schönste Platz, den ich im ganzen Landl Tegernsee gesehen habe.

Sie motiviert ihn zum Schreiben. Dort entstehen auch die heitere Sommergeschichte „Altaich“, der Tegernseer Roman „Der Jagerloisl“, der fröhliche Einakter „Erster Klasse“ und schließlich sein dritter und letzter Bauernroman „Der Ruepp“.

Wer heute durch das behagliche Anwesen Thomas geht, in das er 1908 einzieht, spürt sofort etwas von jener Atmosphäre, in der Ludwig Thoma hier lebt. Man ist gefangen vom Anblick der geräumigen Stube mit dem wuchtigen Birnbaum-Tisch vor der Wandbank im Herrgottswinkel, dem klobigen dunkelbraunen Kachelofen in der anderen Ecke und 182 „Rehg´wichteln“, Gamskrucken und Hirschgeweihen zwischen den vergilbten Familienbildern und Zeichnungen aus vergangener Zeit.

Die “Stubn” mit zahlreichen Jagdtrophäen und Kachelofen.

Durch das weit ausladende Vorhaus führt die geschwungene Treppe hinauf ins Arbeitszimmer des Dichters. Hier befindet sich in Regalen unter der Dachschräge die umfangreiche Bibliothek Thomas. Gegenüber steht der Biedermeier-Schreibtisch mit kleinen, ganz persönlichen Erinnerungsstücken des Dichters, der hier Werke schreibt, die zum Herzstück „baierischer“ Literatur gehören.

Maidi von Liebermann verwaltet Thomas Erbe

Neben den wichtigsten Werken – einschließlich der Arbeit für den „Simplicissimus“ und der Beziehung unter anderem zu Olaf Gulbransson, Ludwig Ganghofer, verbindet Thoma vieles mit seiner Wahlheimat am Tegernsee. Hier findet er die Umgebung, in der er sein berufliches und gesellschaftliches Leben gestalten will.

Vieles wurde über das zeitlebens schwierig zu definierende Verhältnis zu den Frauen in seinem Leben – die Mutter Katharina, die Ehefrau Marion und die Altersgeliebte Maidi von Liebermann – spekuliert. Tatsache jedoch ist, dass Thoma noch vor seinem Tod im August 1921 „seine Maidi“ als Haupterbin einsetzt. Ihr gelingt es trotz aller Schwierigkeiten, das Anwesen zu erhalten.

Thomas Schreibtisch im zweiten Sock mit umfangreicher Bibliothek im Hintergrund.

Die Einrichtung belässt sie so, wie sie bei Thomas Ableben ist, und führt das Haus als behaglich-bäuerliche und zugleich vornehme Familienpension. Während des Dritten Reichs wird der „Glaube an Deutschland-Dichter“ Hans Zöberlein zwangseinquartiert und erst nach 1945 kann Maidi von Liebermann ihre Pension wieder eröffnen.

„Um mich ist Heimat“

Als sie 1957 den literarischen Nachlass Ludwig Thomas der Stadtbibliothek München in Obhut gab, bahnt sich zwischen der Erbin des Dichters und der Landeshauptstadt München eine Verbindung an, die zur Sicherung der Tuften für alle Zeiten führt. 1964 ruft der Stadtrat der Landeshauptstadt eine Stiftung ins Leben, nachdem Frau von Liebermann die Tuften der Stiftung schenkt. Die Stadt erwirbt einen Grundstücksanteil für eine Million DM und die Allianz-Versicherung beteiligt sich daran mit 200.000 DM.

Damit ist nur ein kleiner Teil von Thomas „Tuften 12“ nacherzählt. Anlässlich der 45. Tegernseer Woche für Kultur und Brauchtum – „Um mich ist Heimat“, gibt es noch am 28. und 30. September die Möglichkeiten, sich in die Entstehungsgeschichte des Idylls mit Wallbergblick bei einer geführten Tour zu vertiefen.


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