Fragen an die Fraktionsvorsitzenden im Tegernseer Tal

“Kein Tal-Bürgermeister wird freiwillig auf sein Amt verzichten”

Von Martin

Der Rottacher Karl Deisler ist einer von zwei FDP-Gemeinderäten im Landkreis Miesbach. Das kann Vor- und Nachteile haben.

Zumindest ist er als politischer „Einzelkämpfer“ im Rottacher Gremium keinem Fraktionszwang unterworfen. Und auch die folgenden Antworten zu Fragen wie den Verkehrsproblemen, einer talweiten Zusammenarbeit oder der Entwicklung im Tourismus stammen alle von ihm selbst: „Ich musste mich mit niemanden abstimmen,“ so Deisler.

Karl-Deisler (2. v. r.) ist als Schatzmeister auch Teil des Kreisvorstands der FDP Miesbach.
Karl-Deisler (2. v. r.) ist als Schatzmeister auch Teil des Kreisvorstands der FDP Miesbach.

Herr Deisler. Was sagen Sie zum Verkehr am Tegernsee und woher kommt ihrer Meinung nach die hohe Verkehrsbelastung?

Karl Deisler: Die Verkehrsbelastung im Tegernseer Tal ist geradezu auf grenzwertigem Niveau. Gründe dafür sind der Durchgangsverkehrs aber auch der Quellverkehr. Nicht vergessen darf man auch den Wochenend- und Ausflugsverkehr, wobei Untersuchungen ergeben haben, dass der Quellverkehr, und da muss man auch die Einheimischen nennen, besonders umfangreich ist.

Was kann man Ihres Erachtens gegen den drohenden Verkehrskollaps unternehmen? Ist eine „Ringbahn, wie Sie BOB-Geschäftsführer Heino Seeger ins Gespräch gebracht hat, eine Lösung?

Deisler: Ob sich eine “Ringbahn” jemals realisieren lässt, ist sehr fraglich. Möglicherweise werden die hohen Benzinpreise künftig Auswirkungen auf die Verkehrsbelastung haben.

Landkreisentwickler Toni Scherer schlägt unter anderem den Verzicht der PKW-Nutzung vor. Wie sehen Sie diesen Vorstoß?

Deisler: Die verstärkte Nutzung von Fahrrädern oder der Verzicht auf Autos bleibt wohl Wunschdenken. Die zum Teil älteren Bewohner des Tegernseer Tals, und nicht nur diese, benutzen das Auto oft nur für kurze Wege.

Tourismus: “Wir sind auf einem guten Weg”

Vor kurzem wurden auf der Gemeinderatssitzung die aktuellen Übernachtungszahlen bekannt gegeben. Was sagen Sie zu der Entwicklung in Rottach-Egern?

Deisler: Die jüngsten Zahlen belegen einen Aufwärtstrend, der eine gewisse Hoffnung auf Nachhaltigkeit gibt. Das kann auch am verbesserten Hotelangebot oder Investitionen in zeitgemäße Ausstattung der Gästezimmer liegen.

Was ist Ihre Meinung zur TTT und der Fusion mit der ATS?

Deisler: Durch die Arbeit der TTT sehe ich die touristische Entwicklung des Tegernseer Tals auf einem guten Weg. Die beschlossene Fusion von TTT und ATS auf Landkreisebene ist zu befürworten, wird allerdings im Einzelfall auch etwas kritisch gesehen. Es sind – vornehmlich im “Nordlandkreis” – noch wichtige Entscheidungen notwendig, um die Attraktivität auch dort zu erhöhen.

Zum Thema Energiewende haben Sie sicherlich auch eine Meinung?

Deisler: Derzeit habe ich den Eindruck, dass die Bemühungen noch nicht zielgerichtet sind. Jeder ist für regenerative Energien, aber die Auswirkungen auf die Landschaft und das persönliche Hausumfeld sollten nicht negativ sein. Beispielsweise geht der Streit um Standorte von Windrädern gerade erst los.

Trotz der Abschaltung von nahezu der Hälfte der Atomreaktoren in Deutschland ist selbst in der kalten Jahreszeit kein Engpass aufgetreten. So kommt möglicherweise beim Bürger an, dass genügend Energie zur Verfügung steht. Insoweit ist die Bereitschaft an der Energiewende mitzuarbeiten beim Einzelnen in der Regel noch nicht angekommen.

Politische Einheit im Tal nur schwer denkbar

Ein anderes Thema. Was halten Sie von einer Fusion der politischen Gremien rund um den Tegernsee?

Deisler: Derzeit ist eine politische “Einheit” aller Talgemeinden nur schwer denkbar. Schnelle Entscheidungen sind hier nicht zu erwarten. Die fünf Bürgermeister im Tal werden nicht freiwillig auf ihr Amt verzichten. Und auch die Verwaltungen und Gemeinderäte in den einzelnen Kommunen sind über die Jahre gewachsen. Das lässt sich nicht einfach von heute auf morgen vereinheitlichen.

Es gibt aber immer wieder talübergreifende Themen, die auch bei Gesamttreffen der Gemeinderäte diskutiert werden. Außerdem treffen sich die Tal-Bürgermeister regelmäßig zu Dienstbesprechungen. Insoweit ist auf Bürgermeisterebene ein reger Dialog vorhanden.

Dennoch gibt es – wenn auch im Kleinen – ein Ansätze in diese Richtung…

Deisler: Im weitesten Sinne ja. In den letzten Jahren sind einige Entscheidungen gefallen, durch die man bestimmte Aufgaben zentralisiert hat, so zum Beispiel beim Zweckverband für Abwasserbeseitigung und den Standesämtern, ohne das für die Bürger irgendwelche Nachteile aufgetreten sind. Da ist der “Tal-Gedanke” bereits weitgehend realisiert.

Eine letzte Frage. Haben Sie als „Einzelkämpfer“ eigentlich einen eigenen FDP-Internetauftritt?

Deisler: Nein. Das Internet nutzte ich für die politische Arbeit derzeit noch nicht.


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