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200 Jahre Vinzentius-Verein Kreuth

Was bedeutet dieses Symbol?

Auf den Straßen im Tal sind sie unübersehbar: Säge, Beil und Sappi – mit einem Datum versehen. Täglich fahren hunderte Autos daran vorbei. Wir haben herausgefunden, was diese Schilder bedeuten. Wie sich herausstellt, hat der älteste Kreuther Verein etwas damit zu tun.

Pflanzensetzerinnen des Vinzentius-Vereins um 1900 in Siebenhütten (Quelle: Heft Tegernseer Tal)

Die Waldarbeiterzunft ist in einer Zeit entstanden, in der es in Kreuth noch sehr viele Holzarbeiter und Saliner gab, schreibt Bürgermeister Josef Bierschneider im Grußwort der aufwendig gestalteten Festschrift des Vinzentius-Vereins. Zur Zeit seiner Gründung gab es noch keine Sozialversicherung, so dass es für die Holzknechte bei ihrer gefährlichen Arbeit von existenzieller Bedeutung war, eine Absicherung durch den auf Solidarität gebauten Verein zu haben, wenn durch Unglücksfälle oder Krankheit das Einkommen eines Waldarbeiters wegfiel.

Es war der 25. Februar 1818, als an einem Mittwoch in Kreuth drei Männer ihre Unterschriften unter die Gründungsurkunde des „Vinzentius-Vereins der Forstarbeiter von Kreuth“ setzten. Bis dahin hatten die Holzknechte über Jahre den Wunsch gehegt, eine brüderlich-kameradschaftliche Vereinigung für ihren Berufsstand, eine „Bruderlad“, ins Leben zu rufen.

Der neue Verein pflegte nicht nur das Brauchtum mit Gottesdiensten und einem „Freudenmahl beim Wirt“, er unterstützte vor allem Arme und in Not geratene Mitglieder durch Spenden. Damit war „die Gesellschaft“, wie sie sich zunächst nannte, schon früh ein sozialer Verein. Klaus Oberwieser, der dem Verein schon seit 30 Jahren vorsteht, lobt:

Nicht umsonst wird er heute als Vorläufer von Krankenkassen und Gewerkschaften betrieben.

Auch wenn sich Strukturen und Gesellschaft verändern würden, so bleibe der Zusammenhalt das wichtigste, das die Zukunft des Vereins sichert.

Herzog Max spricht von der Weitsicht der Vereinsgründer

Herzog Max in Bayern lobte die Weitsicht dieser Bruderschaft, die mit großem Engagement in „all diesen Jahren so vielen in Not geratenen Menschen geholfen hat“. Es sei aber laut Herzog Max auch in der Satzung festgelegt worden, den „Jahrtag lustig und fröhlich zu begehen“. Seitdem waren mehrere Forstorganisationen für den Baumbestand in Kreuth zuständig.

Zunächst war es die Königliche Salinen- Administration. 1885 wurde das Revier Kreuth auf Anordnung des Königs zum Forstamt Kreuth erhoben. Im Rahmen der Forstreform 1973 wurde das Kreuther Forstamt mit dem Tegernseer zusammengelegt, bis 2005 eine erneute Reform erfolgte.

Ein “Sappi” verweist auf die Feiern des Vinzentius Vereins in Kreuth.

Seither ist das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen (AELF) für hoheitliche Aufgaben zuständig. Pflege und Bewirtschaftung übernehmen die Bayerischen Staatsforsten, die 75 Personen im Forstbetrieb Schliersee beschäftigen. Dieser ist auch für die Reviere im Tal zuständig. In diesen haben inzwischen Maschinen die Knochenarbeit der Waldarbeiter übernommen.

Säge, Beil und Sappi sind meist nur noch auf der Vereinsfahne des Vinzentius-Vereins zu finden. Diese wird am 20. Januar mit einem Festzug um 18.30 Uhr in die Pfarrkirche von Kreuth getragen. Anschließend findet die Hauptversammlung im Batznhäusl statt.

Die eigentlichen Jubiläumsfesttage sind am 2. und 3. Juni. Dann wird mit einem Festgottesdienst im Kurpark und anschließender Bewirtung am Leonhardstoana Hof der Vereinsgründung vor 200 Jahren gedacht. Schon jetzt verweist der Vorsitzende Oberwieser aber auf seinen Auftritt als Studiogast. Am 25. Januar ist er ab 10 Uhr im Radio in „BR-Heimat“ zu hören, wie er sagt. So wird man aus berufenem Mund erfahren, wie es um die Zunft der Waldarbeiter steht.


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