Nachfolge für Schleckerfiliale gesucht

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Von Christopher Horn

Zweite Ergänzung vom 1. Juni/15:49 Uhr
Im März mussten bereits die Filialen in Tegernsee und Gmund schließen. Nun steht auch die letzte Schlecker Filiale in Bad Wiessee vor dem Aus. Denn Schlecker wird endgültig abgewickelt.

Diese Botschaft übermittelte der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Freitagnachmittag den Betriebsräten des Konzerns. Damit stehen auch die restlichen Schlecker-Beschäftigten im Tal vor einer Kündigung.

Nach Gmund und Tegernsee schließt nun auch Wiessee

Alle Beteiligten hatten bis zuletzt auf eine Rettung gehofft, doch den Gläubigern reichte das Angebot des Finanzinvestors Cerberus nicht aus. Damit ist klar: die Einzelteile des Schleckerkonzerns werden veräußert, der Warenverkauf stoppt, und den Vermietern wird gekündigt.

Auch in der Schlecker-Filiale Bad Wiessee ist das Ende nah.

Somit ist auch das Aus für die Filiale in Bad Wiessee besiegelt. Was dies für die vier Mitarbeiter menschlich bedeutet, lässt sich nur erahnen. Sie hatten in den vergangenen Wochen mit der Ungewissheit über ihre berufliche Zukunft bei Schlecker zu kämpfen und wurden heute Mittag per Fax über das Ende des Schlecker Konzerns – ihres Arbeitsgebers – informiert.

Wut und Ratlosigkeit sind derzeit die vorherrschenden Gemütszustände. „Nun waren alle Überstunden der letzten Wochen umsonst, ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“, so eine 59-jährige Angestellte der Filiale. Einige der bereits gekündigten Kolleginnen stehen unter psychologischer Betreuung. Ein solcher Service wurde den Verkäuferinnen in Bad Wiessee bisher noch nicht angeboten. Man würde ein solches Angebot jedoch gerne annehmen, wie die Tegernseeer Stimme aus Mitarbeiterkreisen erfuhr.

Der gesamte Konzern wird zerschlagen

Insgesamt verlieren rund 13.000 verbliebene Mitarberinnen bis Ende Juni ihren Arbeitsplatz. Ab Ende kommender Woche soll der Abverkauf der Waren beginnen. Dieser Prozess würde einige Wochen laufen. Gleichzeitig sucht der Insolvenzverwalter Käufer für teils profitable Auslandsgesellschaften, Immobilien und Logistiklager. Der Konzern wird in “Einzelteilen” verkauft – auch regionale Interessenten können sich an den Insolvenzverwalter wenden und Angebote abgeben.

Die Gläubiger sind zahlreich, die Hauptgläubiger, der Kreditversicherer Euler-Hermes, die Markant Handels- und Industriewaren-Vermittlungs AG, die Agentur für Arbeit Ulm, die Gewerkschaft verdi und der Gesamtbetriebsrat, hatten wochenlang nach Lösungen gesucht, aber offensichtlich keine geeignete gefunden. Auch geforderte Einsparungen bei den Lohnkosten von mindestens 15 Prozent waren nicht erreicht worden – immerhin aber 10,5 Prozent. Gerade die Lohnkosten waren wohl aber Dreh- und Angelpunkt der Verkaufsverhandlungen.

Anders bei der Schlecker-Tochter “IhrPlatz” – hier hatte es in Summe nur drei Kündigungsschutzklagen gegeben, die knapp 4.000 Mitarbeiter dürfen auf eine Zukunft hoffen. Auch für die Tochter Schlecker XL soll es weitergehen.

Die Gläubiger werden sich nochmals am 05. Juni versammeln – danach läuft die Abwicklung. Der Ehinger Unternehmer Anton Schlecker, der sein Unternehmen 1975 gegründet hatte, ist als persönlich haftender Gesellschafter selbst auch insolvent. Nach Aussage von komm.passion wird der Insolvenzverwalter darauf achten, dass es keine “vermögenssichernden” Transfers gegeben habe und diese würden rückgängig gemacht, sofern vorhanden.

Ergänzung vom 23. März/18:37 Uhr

Am Samstag gehen bei Schlecker die Lichter aus. Die Filialen in Tegernsee und in Gmund schließen. Doch schon heute waren die Regale fast leer. Der Ansturm der vergangenen Tage – vor allem Schnäppchenjäger „plünderten“ das Sortiment – hat Spuren hinterlassen.

Der Akku bei den Angestellten ist leer. Die Enttäuschung groß. Viele wissen nicht, wie es für sie weitergeht. Wie eine der Mitarbeiterinnen in Gmund. „Ob ich nach München fahren muss oder in den Schlecker nach Hausham komme, mir hat man noch nichts gesagt. Doch eigentlich ist hier im Landkreis Bedarf da.“

Langfristig werde Schlecker ihrer Meinung nach die Mitarbeiter nicht halten können. So hoffe sie auf eine Abfindung. Vor allem aber auf klare Verhältnisse.

Kunden sind verärgert

Im Gespräch mit Kunden wird klar, dass gerade dieser Umgang Schleckers mit den eigenen Angestellten vielen nicht behagt hat. Ein Kunde, der nicht namentlich genannt werden will, bringt es vor der Gmunder Filiale auf den Punkt: „Der Konzern Schlecker als solches war mir jedoch gerade wegen seines Umgangs mit den Mitarbeitern schon lange unsympatisch.“

Leere Regale beim Schlecker in Gmund. Auch in Tegernsee sieht es ähnlich aus.

In Tegernsee will sich keiner aus dem Team öffentlich äußern. Die Enttäuschung sitzt immer noch zu tief. Dagegen meint ein Kunde, die Gründe für den Niedergang der Tegernseer Filiale erkannt zu haben.

Dass diese Filiale schließen muss, ist aus Sicht der Kunden und der Mitarbeiter sehr bedauerlich. Die Schuld ist hier eindeutig bei Schlecker zu suchen, man hat gerade den Laden in Tegernsee jahrelang vernachlässigt, er war unübersichtlich und viel zu eng.

Beide Geschäfte haben morgen noch geöffnet.

Ursprünglicher Artikel vom 13. März:
Nach Bekanntwerden der Insolvenz der Drogeriekette Schlecker herrscht immer noch große Unsicherheit – bei Kunden und bei Mitarbeitern. Welche Filialen bleiben, wo gibt es Schließungen, wer verliert seinen Job?

Bayernweit sind nach einer internen Liste rund 280 der 850 Filialen betroffen. Und auch im Tegernseer Tal werden Ende März mindestens zwei Geschäfte dicht gemacht. So viel steht seit heute fest.

Nach der Ankündigung des Insolvenzverwalters, bis April aus den roten Zahlen zu kommen, brodelt die Gerüchteküche unter den Angestellten der drei noch existenten Schlecker-Märkte in Tegernsee, Gmund und Bad Wiessee.

Laut einer Mitarbeiterin der Gmunder Filiale hat die Bezirksleitung heute Mittag die Filialen informiert. In Gmund, so sagt sie uns, sei es Ende des Monats definitiv vorbei. „Wir haben schon heute keine Lieferungen mehr bekommen, sondern nur noch einen Leercontainer. Jetzt verkaufen wir in den nächsten zwei Wochen die restliche Ware noch ab, und dann fangen wir an mit Packen.“

Nur Bad Wiessee bleibt erhalten

Viele Mitarbeiterinnen hätten sich krankgemeldet. Die ersten bewerben sich weiter. Von guter Stimmung ist man in Gmund verständlicherweise weit entfernt. Auch Kunden fragen nach. Doch das sei schon seit Wochen so. „Eigentlich passiert das täglich, seitdem die Sache mit der Insolvenz bekannt wurde.“

In Tegernsee sieht das Bild ähnlich aus. Auch dort habe man heute von den unerfreulichen Nachrichten erfahren. „Bis Ende März dürfen wir noch. Und dann ist hier dicht.“

Für die Kunden wurde ein Schild an die Eingangstür geklebt, das die schlechte Neuigkeit auf den Punkt bringt: „Diese Filiale schließt am 24.03. Wir danke Ihnen für die langjährige Treue.“

Dagegen wird Bad Wiessee aller Voraussicht nach als einzige Filiale im Tal bestehen bleiben. Die Mitarbeiter wissen derzeit zwar noch nicht ganz genau, wie es in Zukunft für sie weitergeht. Doch das sei an sich kein schlechtes Zeichen.

Victoria Sklomeit von der Gewerkschaft Ver.di erläutert die Kriterien für die mögliche Schließung einer Filiale folgendermaßen: „Ausschlaggebend sind die Umsatzentwicklung und die Deckungsbeiträge der letzten fünf Jahre, die wiederum auch mit der Entwicklung des Gesamtumsatzes verglichen werden.“

Außerdem fließt die Eröffnung eines anderen Drogeriemarktes negativ in die Bewertung mit ein. Hingegen sei die Ansiedlung eines Discounters ein Positivmerkmal.

Scheinbar ist die Bewertung der Kriterien nicht nur für Gmund und Tegernsee negativ ausgefallen. Auch Schliersee und Miesbach dürfen nach der aktuellen Entscheidung des Insolvenzverwalters nicht weitermachen. Und somit heißt es landkreisweit, bis auf wenige Ausnahmen: Daumen runter. Filialen zu.


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