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Schlierseer Bauausschuss befasst sich wieder mit Neuers und Rabls Plänen

Forsthaus Valepp: Ein einsamer Medienstar

Von Sabiene Hemkes

Medienstar wider Willen: Bilder des denkmalgeschützten Forsthauses Valepp schmücken derzeit die Seiten des Boulevards, der Lifestyle-Magazine und der Tagespresse. Johannes Rabl und Manuel Neuer versprechen einen sorgsamen, naturnahen und nachhaltigen Umgang mit dem Forsthaus. Doch vertraut die Schlierseer Gemeinde der Ankündigung?

Im Schlierseer Bauausschuss geht es heute erneut um die Pläne von Johannes Rabl und Manuel Neuer für das denkmalgeschützte Forsthaus in der Valepp

Längst geht es im Tal der Valepp nicht nur um das Schicksal eines einfachen Berggasthofes. Geschlossen seit 2013 nach einer langen und bewegten Geschichte, rückte es in den vergangenen Monaten in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Berggasthof ist dabei in einem sehr schlechten Zustand. Das Gebäude-Ensemble gehört dem Freistaat Bayern und wird verwaltet von den Bayerischen Staatsforsten.

Im Jahr 2022 bewegt das Schicksal des Forsthauses die Gemüter weit über den Landkreis hinaus. Was natürlich daran liegen mag, dass Bayern-Star und Nationaltorhüter Manuel Neuer zusammen mit dem lokalen Gastronom Johannes Rabl die öffentliche Ausschreibung für ein 99 Jahre geltendes Erbpachtrecht gewonnen hat. Die beiden Investoren versprechen große Achtsamkeit bei der Umsetzung ihres Projektes. Sie planen einen ganzjährig geöffneten Berggasthof mit 28 Betten und Gastronomie für Tagesbesucher. Naturnah und nachhaltig soll der Betrieb werden und respektvoll seiner Geschichte gegenüber, versprechen die Investoren. Das weckt Interesse wie Argwohn.

Investoren-Projekt versus Bergfrieden?

Argwohn besonders in einer Zeit, in der sich Menschen mit den notwendigen finanziellen Möglichkeiten auch im Landkreis Miesbach relativ unbehelligt ihre Kindheitsträume erkaufen können. Sei es ein Franz-Josef Haslberger mit seinem Almen-Imperium am Westufer des Tegernsees, die Almdorf-Erbauer in Tegernsee, die ein „Leben wie damals mit dem Komfort von heute“ versprechen, oder all die unbekannten Hüttenbesitzer mit ihren Luxusbedürfnissen in der wilden Natur. Die Angst geht um, der Ausverkauf von Bergfrieden und Kulturgütern im Alpenraum sei nicht mehr zu stoppen. Auch den Versprechen eines Rabls oder Neuers traut man nur sehr bedingt. Das Misstrauen reicht tief.

Fakt ist: Die alten Gebäude in der Valepp, immerhin mindestens 180 Jahre alt, verfallen – Tag für Tag ein Stückchen mehr. Die Bayerischen Staatsforsten haben jahrelang eher dem Verfall zugesehen als rettend einzugreifen. Diese Rettung soll nun ein privater Investor übernehmen. Sorgsam ausgesucht in einer Ausschreibung, heißt es von Seiten des Staatsbetriebes. Zur Einhaltung der sehr strengen Vorgaben tief in der per Gesetz geschützten Natur, werde der Investor durch einen umfänglichen Pachtvertrag gezwungen. Bei Zuwiderhandlung trete der Heimfall ein, wie Vertreter der Staatsforsten immer wieder versichern.

Erhalten Neuer und Rabl heute grünes Licht?

Heute wird im Bauausschuss der Gemeinde Schliersee zum wiederholten Mal über den Bau-Vorbescheidsantrag zur Projektentwicklung des Gesamtensembles Forsthaus Valepp diskutiert. Die dafür zugrunde liegenden Pläne wurden bereits dem Kreisbauamt und in der Gemeinde vorgestellt.

Die Investoren Rabl und Neuer haben die Planung in den letzten Monaten auf Wunsch der Gemeinde geändert. Wohlgemerkt, heute geht es nicht um die Vergabe der Erbpacht, sondern um das Baurecht im Allgemeinen. Über die Vergabe der Erbpacht und eine vorliegende Petition der Gegner des Projektes werde nicht vor dem Haushaltsausschuss des Landtags am 23. Juni entschieden, wie man aus Parlamentskreisen hört.

Doch auch am Schliersee gibt es einige kritische Stimmen. So wurde in der letzten Sitzung des Gremiums eine Entscheidung über den Vorentscheid komplett blockiert, bevor überhaupt eine Aussprache stattfinden konnte. Ein Antrag Gerhard Waas von den Grünen, unterstützt von anderen Räten, vertagte die Entscheidung ohne jede Beratung auf die nächste Sitzung.

Begründung damals: Man wolle die Entscheidung der Stiftung Kulturerbe e.V. abwarten, die am selben Nachmittag das Forsthaus besichtigte. Man spielte auf Zeit bei den Gegnern des ganzjährig geöffneten Berggasthofes. Die Bauausschuss-Sitzung war eigentlich auf Anfang Juni terminiert. Überraschend wurde der Termin jedoch auf das heutige Datum vorgezogen, an dem turnusgemäß eine Gemeinderatssitzung geplant war.

Entscheidung oder wieder ein Aufschub in Schliersee?

Investor Rabl zeigt sich einen Tag vor der Sitzung positiv gestimmt: „Wir sind optimistisch. Die Karten liegen auf dem Tisch. Alle können sie einsehen.“ Für die Zukunft hofft Rabl auf ein Miteinander aller Kräfte, denen das Forsthaus am Herzen liegt. Waas dagegen hält sich auf Nachfrage bedeckt. Er überlege noch, betont er. Der Grüne Gemeinderat macht keinen Hehl daraus, dass er den großmundigen Ankündigungen von Rabl und Neuer nicht so recht über den Weg traut.

Ob die kritischen Räte weiterhin an der Uhr drehen werden oder ob es Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU), der nach eigener Aussage hinter dem privaten Investoren-Projekt steht, zwischenzeitlich gelungen ist, in seinem Bauausschuss die Reihen zu schließen, ist noch unklar. Das werden wir erst heute Abend ab 18:30 Uhr erfahren.


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