Wie sieht Kulturerbe Bayern die Zukunft in der Valepp
Forsthaus Valepp: Macht’s doch eine Stiftung?

von Sabiene Hemkes

Am Donnerstag wird mit einer Entscheidung in der Causa “Forsthaus Valepp” im Bayerischen Haushaltsausschuss gerechnet. Vor einigen Wochen besuchten Vertreter der Stiftung Kulturerbe Bayern das denkmalgeschützte Ensemble im Besitz der Staatsforsten in Schliersee. Vor Ort führten die Stiftungsmitglieder Gespräche mit den Investoren Johannes Rabl und Manuel Neuer. Wird die Stiftung das Forsthaus übernehmen?

Beim Ortstermin mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner (Mitte) stand der Erhalt des Forsthauses für alle Beteiligten im Vordergrund

Ende Mai besuchte eine Delegation von Kulturerbe Bayern das Forsthaus Valepp. Die Stiftung war zuvor als “alternativer Retter” der alten Gebäude von den Natur- Heimatvereinen ins Gespräch gebracht worden, die sich aktiv gegen die Vergabe des Erbpachtrecht an Privat-Investoren wehren. Über die Petition gegen das Vorhaben der Staatsforsten wird am 14. Juli um 09:15 in einer nichtöffentlicher Sitzung des Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtages abgestimmt. Im Vorfeld der Entscheidung hat jetzt die Stiftung ihre Einschätzung zur Situation an der Valepp geschildert. Auf die Fragen antworten: Dr. Christoph Kürzeder, erster Vorsitzender des Vereins Kulturerbe Bayern, und Geschäftsführer Bernhard Averbeck-Kellner.

TS: Wie hat den Teilnehmerinnen und Teilnehmern von Kulturerbe Bayern das Forsthaus, die Klause und die Kapelle in der Valepp gefallen?

Dr. Christoph Kürzeder: Wir von Kulturerbe Bayern haben die Valepp als einen besonderen Ort wahrgenommen: die abgeschiedene Lage in einem Hochgebirgstal, geschichtsträchtige Gebäude, die davon erzählen, wie die Menschen und mit welchen Mühen früher den Bergwald und die Almwiesen gut für sich und nachfolgende Generationen zu nutzen wussten. Und schließlich führt die Kapelle vor Augen, dass die Menschen wussten, dass nicht alles in ihrer Macht steht.

TS: Was sagen Sie zum Allgemeinzustand der Gebäude?

Bernhard Averbeck-Kellner: Gerade das Forsthaus befindet sich in einem wirklich bedauerlichen Zustand. Es ist sehr schade, dass wegen der eingedrungenen Feuchtigkeit Teile der Innenausstattung, unter anderem die Böden, herausgerissen werden mussten. Eine baldige Instandsetzung kann man sich nur wünschen, damit die noch vorhandene Substanz möglichst originalgetreu bewahrt werden kann. Insbesondere von außen gibt das Haus ja nach wie vor ein sehr authentisches Bild ab.

TS: Wenn man die Bedeutung des Ensembles in der Geschichte unserer Region betrachtet, ist es da nicht sehr bedenklich, dass es in den letzten Jahren und Jahrzehnten so verfallen ist. Und wie kann man das verhindern?

Bernhard Averbeck-Kellner: Was in der Valepp passiert ist, kann man sicher nicht verallgemeinern. Die Staatsforsten haben sich jahrelang erfolglos um Pächter bemüht. Erst das Angebot, das Forsthaus in Erbpacht übernehmen zu können, hat hier wohl einen Umschwung bewirkt. An sich sind besondere Lagen in den bayerischen Alpen ja sehr begehrt, so dass Leerstand und Verfall in diesen Gegenden nicht ganz so typisch sind wie in strukturschwachen Gegenden. Eher muss man in den Alpen fürchten, dass solche unverwechselbaren Orte durch zu starke Nutzung verloren gehen.

TS: Wird die Stiftung Kulturerbe Bayern bei der Erhaltung der Gebäude eine federführende Rolle einnehmen und das Projekt restaurieren?

Dr. Christoph Kürzeder: Das Forsthaus in die Obhut unserer gemeinnützigen Initiative Kulturerbe Bayern zu nehmen, würde sicher unserer Mission entsprechen:

Wir setzen uns für starke Orte ein, die uns heute noch helfen können, das Kostbare und Unverwechselbare unserer bayerischen Kultur für die Zukunft nutzbar zu machen.

Dabei bauen wir auf das Engagement unserer Mitglieder, freiwilligen Helfer, Spender und Stifter: Jedes unserer Projekte wird maßgeblich durch private Spenden getragen. Wir arbeiten auch mit Partnern zusammen. So haben wir im vergangenen Sommer den Berggasthof Streichen in Schleching zusammen mit der Yvonne & Thomas Wilde Familienstiftung gerettet. Vor Ort engagieren sich seitdem die „Streichenfreunde“ als Kulturerbe Bayern-Ortsgruppe und helfen, den Ort wiederzubeleben und Spenden für die Renovierung des Gebäudes einzusammeln.

Die Entscheidung in dem bereits weit vorangeschritten Verfahren zur Vergabe des Forsthauses Valepp liegt aber schlussendlich beim Bayerischen Landtag.

Schließlich ist und bleibt das Forsthaus Staatseigentum. Sollte der Landtag eine bürgerschaftlich getragene bzw. mitgetragene Lösung für die Valepp bevorzugen, sind wir bereit, in alle Richtungen weitere Schritte zu prüfen, wie das Engagement der Menschen aktiviert werden könnte und welche konkreten Formen der verantwortlichen Mitwirkung in Frage kommen könnten.

Hatten Sie schon Kontakt mit den Gegnern des Projektes, die sie als “alternative Retter des Forsthauses” mit ins Boot geholt haben? Welche weitere Vorgehensweise empfehlen Sie der Gruppe, die die Übergabe der Gebäude in eine langfristige Erbpacht an Investoren verhindern wollen?

Dr. Christoph Kürzeder: Wir freuen uns sehr über das Vertrauen, das unserer Initiative von vielen Seiten – auch den Einreichern der Petition an den Bayerischen Landtag – durch den Vorschlag entgegengebracht wird. Mit dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege stehen wir ohnehin in einem engen Austausch – schon seit unserer Gründung. Aber wir sehen uns nicht in der Rolle, Empfehlungen oder Ratschläge zu geben. Für uns wäre eine Beteiligung an der Bewahrung und Nutzung der Valepp eng damit verbunden, das Engagement vor Ort zu aktivieren bzw. mit allen interessierten Verbänden und Vereinen Möglichkeiten auszuloten, so ein Projekt gemeinschaftlich anzupacken.

TS: Sind öffentliche Institutionen, der Staat, Stiftungen und Gemeinden nicht überfordert bei der Instandhaltung und Wahrung der historischen Bauten?

Dr. Christoph Kürzeder: Staat, Kommunen und Kirchen ebenso wie viele Privatleute stellen immer wieder unter Beweis, dass sie sich für die Erhaltung des baukulturellen Erbes engagieren.

Trotzdem gibt es Situationen, an denen dieses Engagement an Grenzen stößt.

Deshalb wollen wir mit unserer Initiative, Kräfte bündeln und die Menschen zum gemeinsamen Helfen motivieren.

Können private Initiativen, auch wenn sie einen kommerziellen Hintergrund haben wie jetzt in der Valepp, dabei unterstützen die Baudenkmäler für die Nachfahren zu erhalten? Und wenn ja – welche Rahmenbedingungen sollten dafür gelten?

Bernhard Averbeck-Kellner: Selbstverständlich! Und ohne privates Engagement ist das gar nicht denkbar. Staat und Kommunen haben ein vielfältiges Instrumentarium, um Privatleute zu unterstützen und auch um die nötigen, für alle geltenden Leitplanken zu setzen.

Die Denkmal- und Naturschutzbehörden zeigen beim einzelnen Vorhaben die Wege zu einem gemeinwohlverträglichen Handeln auf.

Gemeinden haben die Möglichkeit, mit demokratisch diskutierten und beschlossenen Ortssatzungen über die bauliche Gestalt und Entwicklung des Gemeinwesens mitzuentscheiden.

TS: Ganz konkret: Können Sie sich im aktuellen Fall eine, wie auch immer geartete Zusammenarbeit, mit den Investoren Manuel Neuer und Johannes Rabl vorstellen?

Bernhard Averbeck-Kellner: Sowohl das Zusammenkommen beim Ortstermin als auch die im Anschluss mit Herrn Rabl geführten Gespräche waren von gegenseitiger Wertschätzung getragen. Unsere Satzung und unsere Unterstützer geben uns den Auftrag, Kulturgüter selbst aktiv in Obhut zu nehmen und dafür bürgerschaftliches Engagement zu wecken.

Eine reine Beratungsfunktion bei Kulturveranstaltungen und Vermittlungsmaßnahmen würde unserem Satzungsauftrag nicht entsprechen. Unsere Türen für Gespräche stehen aber selbstverständlich weiterhin offen. Wir sind gespannt, wie sich die Gespräche zwischen den Investoren, der Politik und den Petenten entwickeln. In jedem Fall wünschen wir uns alle eine gute Zukunft für die Valepp.

Wir danken der Stiftung Kulturerbe Bayern für das Gespräch.


Diskutieren Sie mit uns
Melden Sie sich an und teilen Sie
Ihre Meinung.
Wählen Sie dazu unten den Button
„Kommentare anzeigen“ aus