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Gmunder CSU-Bürgermeister-Kandidat im TS-Interview

Von Preysing: „Das mit dem Tunnel meine ich ernst“

Der Bürgermeisterkandidat, dem nicht nur die CSU-Wähler vertrauen sollen – das hoffen die Gmunder Christsozialen für Franz von Preysing. Wie der 39-Jährige das mit dem Tunnel von Moosrain in Richtung Kaltenbrunn meint und ob zukünftig sein Vater weiterhin die Hosen anhat, erzält er im TS-Interview.

Franz von Preysing erklärt im Interview mit der TS, wie er den Verkehr in Gmund wegbekommen will: Mit einem Tunnel.

Auf ihn setzen die CSU-Anhänger, denn er ist in Gmund gut vernetzt. Zudem kennt er den politischen Betrieb seit Jahren als Gemeinderat. Sein Vater Georg von Preysing tritt aus Altersgründen bei der Bürgermeisterwahl am 25. Februar nicht mehr an. Nun will ihn sein Sohn Franz beerben und bringt große Ideen mit in seine Kandidatur. Wir haben den 39-Jährigen interviewt.

Tegernseer Stimme: Ihre Wahlveranstaltung hat gezeigt, dass für Gmunds Bürger vor allem die täglichen Blechlawinen ein ständiges Ärgernis sind. Wie ernst gemeint ist ihr Vorschlag einer Tunnellösung?

Franz von Preysing: Den schlimmen Verkehr bekomme ich durch meine Arbeit in der Sparkasse unweit des Stachus hautnah mit. Eine Erleichterung für die Bürger ist dringend geboten. Eine Möglichkeit wäre eine Umgehungsstraße von Moosrain nach Kaltenbrunn. Doch dies ist eine große und massive Lösung.

Die auch mit Flächenfraß verbunden ist…

Franz von Preysing: Da dies Gmund verändern würde, müssen die Bürger auch mitgenommen werden. Schließlich sind die Flächen, durch die die Trasse führen würde, große und gerade Wiesen, die es in Gmund eher seltener gibt. Diese können die Landwirte sehr gut bewirtschaften. Daher gefällt mir dies wegen der Praktikabilität weniger gut.

Und wie kann so eine Tunnellösung aussehen?

Franz von Preysing: Bei einem Tunnel, den ich schon ernst meine, könnte ich mir eine offene Bauweise vorstellen. Dafür müsste nicht in Moosrain eine Röhre gebuddelt werden, die sehr kostenintensiv ist. Ich könnte mir vorstellen, die Wiesen aufzumachen um den Tunnel da reinzulegen. Dann lege ich das Grünland wieder darüber. Dies ergibt optisch keine Veränderung. Dafür aber wird der Verkehr in der Ortsmitte weniger.

Bad Wiessee wird von der Tunnellösung wenig begeistert sein…

Franz von Preysing: Wiessee ist momentan wegen der Sorge um mehr Verkehr eher nicht für diese Umgehungsstraße. Dies verstehe ich auch. Doch bei einem solchen Mega-Thema muss man im Tal zusammenarbeiten. Als Gmunder Bürger aber wünsche ich mir, dass andere Gemeinden auch unsere Belange und Nöte berücksichtigen. Dieses Gefühl habe ich momentan noch nicht.

Überall im Tal stehen große Hotelprojekte an, um den Tourismus zu steigern. Das finde ich gut. Das bringt in jeder Hinsicht Geld ins Tal. Aber die meisten Gäste müssen über das Einfallstor Gmund, um an den Tegernsee zu kommen. Darüber müssen wir uns unterhalten. Denn mit einer Ortsumgehung würde sich auch die Wahrnehmung von Gmund ändern, wenn ich nicht immer Stau durchfahre.

Franz von Preysing (39) bei seiner Bewerbung zum CSU-Kandidaten.

Die Verkehrsumleitung ist noch in weiter Ferne. Wie wollen Sie kurzfristig den Verkehrsfluss steuern, beispielsweise mit einem Kreisel in Kaltenbrunn?

Franz von Preysing: Wir können nicht bis in alle Ewigkeit warten, wir müssen jetzt in kleinen Schritten eine Verbesserung der Situation herbeiführen. Dazu zählt für mich der Kreisel. Von der Lage und der Sicherheit im Straßenverkehr wäre der in Kaltenbrunn sehr gut. Dieses Thema müssen wir angehen. Auch mehr Querungshilfen Innerorts wären sinnvoll, da sie auch den Verkehr entschleunigen. Bei Bundesstraßen aber kann die Gemeinde nicht alleine darüber entscheiden.

Sollte zur Verkehrsberuhigung der öffentliche Nahverkehr noch besser getaktet werden?

Franz von Preysing: Als Gemeinde sind wir auch Teileigentümer der Bahnstrecke bis Schaftlach. Deshalb müssen wir sehen, dass Gmund bis Holzkirchen mit der BOB einen halbstündigen Takt hinbekommt. Dies wäre sicher für so manchen Tagesausflügler und Pendler interessanter, als im Stau zu stehen.

Ihr Wahlspruch ist: Gutes bewahren und Neues gestalten. Was verstehen Sie unter Neues?

Franz von Preysing: Da unsere Gesellschaft dem ständigen Wandel unterliegt, ist die Digitalisierung ein Megathema. Ziel muss es sein, dass Bürger wie Firmen daran teilhaben können. Wenn man dies verpasst, kann es passieren, dass Firmen abwandern und Arbeitsplätze verlorengehen.

Der Tourismus ist in Gmund in der Sackgasse. Es gibt nur ein Hotel und die Hotelpläne am Bahnhof sind krachend gescheitert. Wie wollen Sie den Fremdenverkehr wiederbeleben?

Franz von Preysing: Es gibt Zimmer in Gasthäusern. Zudem liegt für den Feichtner Hof eine Umbaugenehmigung als Hotel vor. Richtig aber ist, dass das Hotelangebot bei uns eher bescheiden ist. Unsere Stärke im Tourismus liegt eher im kleinteiligen Bereich. Loben möchte ich da unsere Vermieter, die sich der Touristen annehmen. Bei denen ist alles ein bisschen familiärer. Dies aber schätzen die Gäste. Sie sagen aber auch, dass sie ein Schlechtwetterangebot bräuchten. Deshalb ist für mich der Erhalt des Badeparks in Wiessee dringend geboten.

Und wie schätzen Sie die Aussichten für ein neues Hotel im Zentrum Gmunds ein?

Franz von Preysing: Natürlich würde mir ein Hotel am Bahnhof gut gefallen, weil es auch zur Belebung der Geschäfte im Ort beitragen würde. Doch momentan ist die Erschließung, die Erreichbarkeit des Hotels die Schwierigkeit. Denn die Bahn genehmigt keine Übergänge mehr. Doch ich muss irgendwie auf die andere Seite kommen. Daher brauche ich nicht nur für Gäste, sondern auch für Versorgungsfahrzeuge eine Tunnellösung.

Deren Anfahrt in eine Tiefgarage ist für mich schwer vorstellbar. Dies würde zudem auch in der Umsetzung sehr teuer werden. Doch ich werde mich um diese Erschließung als ersten Schritt kümmern. Mir würde lieber ein kleines Hotel gefallen. Aber im Flächennutzungsplan ist bislang keine Fläche dafür vorgesehen. Zunächst aber geht es mir mit kleinen Maßnahmen um die Verbesserung des Istzustandes.

Bezahlbaren Wohnraum auch für Einheimische haben sich auch Ihre Mitstreiter um das Bürgermeisteramt auf die Fahnen geschrieben. Hat die Gemeinde überhaupt noch Grundstücke für Mietshäuser?

Franz von Preysing: Die Gemeinde hat auch noch Flächen in der Reserve. Doch zunächst möchten wir alte Gebäude mit wenig Komfort wie in Ostin, das energetisch keinen Sinn mehr macht, abreißen und dafür ein neues Gebäude mit vier Wohnungen errichten. Dann haben wir noch Grundstücke für das Einheimischenprogramm oder wir bauen selbst darauf. Richtig wird wohl eine Mischung aus beidem sein, denn nicht jeder Bürger hat den finanziellen Background, selbst zu bauen.

Das Halten der Familien, die Heimat, die Unterstützung der Vereine und den Erhalt der kleinbäuerlichen Landwirtschaft haben Sie zu Ihren Leitsätzen erkoren. Das ist viel auf einmal. Was davon kommt auf Ihre Prioritätenliste?

Franz von Preysing: Wenn ich Bürgermeister bin, werde ich diese Punkte alle strukturiert angehen, Das ist mir ganz wichtig. Doch ganz oben steht bei mir die Förderung von Familie und Wohnraum.

Schwer vorstellbar ist, wer Ihren Vater kennt, dass dieser nach 18 Jahren im Amt nicht noch ein bisschen mitmischen will, sollten Sie die Wahl gewinnen. Wer hat dann die Hosen an?

Franz von Preysing (lacht): Ich natürlich. Doch ich sehe, dass das Thema die Bürger Gmunds bewegt. Aber wer in Gemeinderatssitzungen war, hat erlebt, dass ich nicht immer meinem Vater gefolgt bin. Ich habe meine eigene Meinung, für die trete ich auch ein. Es geht nicht um den Georg von Preysing 2.0, sondern um den Franz von Preysing. Ich bin eine neue Generation, da geht man Themen vielleicht etwas anders an.

Ändert sich damit auch der Politikstil, denn der war bei Ihrem Vaters manchmal hemdsärmlig. Stehen Sie für einen anderen Stil im Umgang mit Kritikern?

Franz von Preysing: Mein großes Ziel ist, alle Bürger Gmunds mitzunehmen wo es passt, mit regelmäßigen Befragungen und Projektgruppen. Das ist keine Floskel, das möchte ich wirklich tun. Es gibt viele Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung. In der Jungen Union hatten wir schon einmal eine Bürgerwerkstatt für das Maximilian. Heute könnte ich mir dies auch digital über eine GmundApp vorstellen. Hier könnte man die Bürger zum Mitmachen animieren. Trotzdem könnte ich mir eine Bürgerbefragung wie im Jahr 2016 regelmäßig vorstellen. So könnte man erfahren, wo den Bürger der Schuh drückt.

Vielen Dank für das Gespräch.


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