Freiwilligendienst zeigt Chancen für Grundeinkommen

Von Steffen Greschner

Seit die Wehrpflicht in Deutschland abgeschafft wurde, gibt es auch keine Zivildienstleistenden mehr. An deren Stelle ist der „Bundesfreiwilligendienst“ getreten.

Der Dienst kann von jedem altersunabhängig verrichtet werden, der bereit ist 6 bis 18 Monate für geringes oder überhaupt kein Geld zu arbeiten. Im Landkreis Miesbach sind das aktuell 24 Menschen.

Bei der Caritas hätte man gerne ab April oder Mai einen sogenannten „BUFDI“ für das Rottacher Mehrgenerationenhaus eingestellt.

Ursula Anjou vom Mehrgenerationenhaus in Rottach-Egern

Allerdings ist es am Tegernsee, wie überall anders in Deutschland auch: die vorgesehenen Kontingente sind komplett ausgeschöpft. Alle Plätze, die für 2012 eingeplant waren, sind seit Wochen besetzt.

BUFDI oder FSJ – der Unterschied ist rein formal

Wolfgang Fischer (18) aus Traunstein leistet zur Zeit sein freiwilliges soziales Jahr in Bad Wiessee. Seine Aufgaben verteilen sich auf drei Stellen: Kindergarten, Grundschule und Sportverein. Streng genommen ist Wolfgang kein „BUFDI“, sondern im Programm des freiwilligen sozialen Jahres (FSJ).

Der Unterschied ist dabei aber nur formaler Natur: BUFDIs werden vom Staat bezahlt. FSJler von den jeweiligen Trägerstellen. Ein FSJ dürfen außerdem nur Junge Menschen bis 27 Jahren leisten. Woher das bisschen Taschengeld jeden Monat kommt, ist Wolfgang aber ziemlich egal. Seine Motivation hat nichts mit dem Geld zu tun:

Ich war mir nicht sicher was ich studieren soll und sehe das Jahr als Orientierung und Überbrückung. Ich könnte auch einen stupiden und stumpfsinnigen Job machen, bei dem ich mehr verdiene aber dabei würde ich nichts lernen. Das war mir wichtiger.

Spannend ist diese Entwicklung auch vor dem Hintergrund der immer wieder aufflammenden Diskussionen über ein bedingungsloses Grundeinkommen als gesellschaftliche Alternative. Die Befürworter gehen davon aus, dass Menschen sich grundsätzlich nützlich machen wollen und nach einer erfüllenden Aufgabe suchen, sobald sie die finanzielle Möglichkeit dazu haben. Als Gegenargument wird oft „die Faulheit“ der Menschen aufgeführt. Das monatliche Gehalt der Erwerbsarbeit gilt demzufolge als einziges Mittel der Motivation.

Der Bundesfreiwilligendienst und die hohe Nachfrage danach, ist ein Beispiel dafür, dass man eben nicht nur durch Geld motivieren kann. Obwohl schlecht bezahlt, scheinen die Aufgaben für viele Menschen sinnstiftend und attraktiv zu sein. Der Spiegel spricht sogar von einem Boom:

35.000 Plätze für „Bufdis“ hatte der Staat vorgesehen, alle sind besetzt, 45 Prozent der Stellen mit Frauen. „Mit dem großen Ansturm hatte niemand gerechnet“, sagt Martin Schulze vom Bundesarbeitskreis Freiwilliges Soziales Jahr. Eine genaue Zahl, wie viele Bewerber abgelehnt werden mussten, gibt es nicht.

Interessant ist auch, dass ein großer Teil der Freilligen nicht im jugendlichen Alter der Zivildienstleistenden ist, sondern deutlich darüber liegt. Auch die Aufteilung zwischen Mann und Frau ist annähernd 50:50:

Der Bundesfreiwilligendienst steht allen Altersklassen offen und dauert in der Regel ein Jahr. Derzeit sind gut 25 Prozent der „Bufdis“ über 50 Jahre alt und gut die Hälfte aller Freiwilligen im BFD sind Männer. Die Bundesfreiwilligen sind in der Regel ein Jahr lang tätig, während die Zivildienstleistenden zuletzt nur noch sechs Monate tätig waren.

Man kann den Bundesfreiwilligendienst vielleicht als eine Art „light Test“ für ein bedingungsloses Grundeinkommen sehen: Maximal 336 Euro bekommen die Freiwilligen pro Monat, plus Übernahme der Beiträge für Renten-, Unfall-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Viele arbeiten auch für weniger.

Doch trotz der geringen finanziellen Wertschätzung sind längst nicht genug Stellen für alle Bewerber vorhanden. Man merkt: Geld ist nicht immer die entscheidende Motivation.


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