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Enttäuschung im Kreistag: Schwarze Null noch nicht in Sicht

Frischeküche am Tropf

Seit August 2014 ist die Frischeküche in Betrieb, doch bislang produzieren die täglichen Essen ein deutliches Defizit: 366.000 Euro waren es im vergangenen Jahr. In etwa den gleichen Betrag wird auch die Bilanz 2015 ausweisen. Der Kreistag hält dennoch am Holzkirchner Kommunalunternehmen fest.

Nagelneu, und schon ein echtes Sorgenkind: Die Frischeküche in Holzkirchen.
Nagelneu, und schon ein echtes Sorgenkind: Die Frischeküche in Holzkirchen.

So manchem Kreisrat ist die erste Bilanz zu versalzen. „Unser Ziel einer schwarzen Null ist in weite Ferne gerückt“, beklagt SPD-Fraktionssprecher Martin Walch aus Kreuth. Der Verwaltungsrat der Frischeküche besteht aus Gemeinde- und Kreisräten. Deshalb kam es im Kreistag zu einem heftigen Diskurs. Für die einen ist die finanzielle Schieflage zu groß, andere, wie Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU), warben um Verständnis für die Anlaufschwierigkeiten, die es bei vielen Unternehmen in den ersten Monaten gebe.

Auch beim Kreiskrankenhaus und dem Schwaighof habe es erst nach Jahren positive Zahlen gegeben, erklärte Claudia Winterberg vom Landratsamt. Dennoch: die Zahlen für 2014 verdeutlichen, dem Umsatz in den gut letzten drei Monaten mit 148.000 Euro steht ein Minus von 366.000 Euro gegenüber, das Landkreis und Holzkirchen je zur Hälfte tragen müssen.

Regionale Küche ist gefragt

Begründet wurde das Defizit damit, dass bereits zu Beginn des Jahres Investitionen und Löhne bezahlt werden mussten, es aber Einnahmen erst ab August zu vermelden gab. Waren es vor einem Jahr im Dezember noch 7.200 Essen, die die Küche verließen, so konnte der Ausstoß jetzt im Vergleichsmonat auf etwa 20.000 Mahlzeiten gesteigert werden, wie Claudia Winterberg auf Nachfrage der Holzkirchner Stimme erklärte. Mehr als 1.200 Essen am Tag seien aber derzeit aus Gründen der Logistik nicht möglich, verdeutlichte von Löwis.

Eine Steigerung der Kapazität von bis zu 2.000 Essen am Tag hält er für möglich, allerdings müssten dafür womöglich weitere 400.000 Euro investiert werden. Denn die Nachfrage nach den Essen aus regionalen Produkten habe sich enorm erhöht. Selbst die Kartoffeln seien frisch gestampft, niemand mache ein Päckchen auf, wirbt die Leitung der Frischeküche für ihr Essen. Inzwischen erfolgen auch „Lieferungen über den Landkreis“ hinaus, so von Löwis.

„Kosten senken, Erlöse erhöhen“

Zuletzt kamen die Kitas in Reichersbeuern, Greiling und Sachsenkam hinzu, die sich ihr Essen selbst in Holzkirchen abholen. Der Übergriff auf Nachbarlandkreise war der Frischeküche laut Satzung anfangs untersagt, eine Satzungsänderung vergrößert nunmehr die Absatzmärkte. „Selbst Kioske in Schulen bekommen es nun mit einer gesunden Ernährung zu tun“, warb von Löwis für die Frischeküche. Zur Seite sprang ihm sein Dritter Bürgermeister, Robert Wiechmann (Grüne):

Wir sollten das Kind erst einmal wachsen lassen.

Walch forderte, „die Kosten zu senken und die Erlöse zu erhöhen, denn es ist nichts mehr in der Rücklage“. Regionale Produkte, meist in Bio-Qualität, würden eben etwas mehr kosten, entgegnete Josef Lechner, CSU-Bürgermeister in Fischbachau, „dafür sollten wir im Landkreis mehr Geld ausgeben“. „Gutes Essen für gutes Geld muss man sich aber auch leisten können“, entgegnete Paul Fertl (SPD) aus Miesbach.

Deshalb werde man die Frischeküche noch „längerfristig finanzieren“ müssen. Tatsache ist, dass auch für dieses Jahr trotz Umsatzsteigerung wieder mit einem Defizit gerechnet werden muss. Laut Landratsamt dürfte es in einer ähnlichen Größenordnung wie 2014 liegen: wieder etwa über 300.000 Euro.

Schwarze Null in weiter Ferne

Noch schleppe man drei Millionen Euro für den Neubau in den Bilanzen mit. Von Löwis widersprach dem nicht. „Auch 2017 wird es womöglich noch keine schwarze Null geben. Bis dahin brauchte auch die Naturkäserei fünf Jahre“. Das Credo der Frischküche sei, „gesunde Ernährung bereits in Kindergärten und Schulen zu vermitteln“, erläuterte der CSU-Politiker. Miesbachs grüner Landrat Wolfgang Rzehak beendete die ausgiebige Diskussion versöhnlich. „Wir sollten dem Verwaltungsrat der Frischeküche vertrauen. Die sind auf einem guten Weg. Darauf vertraue ich.“

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