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Tegernseer Frischzellen-Klinik weiter in der Kritik

Der Kampf gegen das Mammut-Projekt

Die Stadt Tegernsee gab Ende 2017 das Okay für die geplante Frischzellen-Klinik in der Perron-Straße. Doch nicht nur die Gemeinde Rottach hat Bedenken – auch die Schutzgemeinschaft und die Interessengemeinschaft zweifeln an dem Riesenprojekt.

Auf dem ehemaligen UniCredit-Areal in der Perronstraße sollen eine Klinik und ein Sanatorium entstehen.

Nach der Pleite mit dem a-ja Hotel, war man vergangenes Jahr im Tegernseer Stadtrat froh, als die Klinik- und Sanatoriums-Pläne für die Perronstraße vorgestellt wurden. Drei Gebäude mit etwa 40 Metern Länge und 15 Metern Breite für 121 Patientenzimmer und sieben Betriebswohnungen wurden auf dem 1,5 Hektar großen Areal zur Bundesstraße genehmigt. Hinzu kommen eine Tiefgarage mit 59 Stellplätzen und 26 oberirdische Parkplätze.

Klinik-Betreiber steigt aus

Es ist das Mammut-Projekt von Investor Klaus Dieter Burkhart, Chef des Deutschen Zentrums für Frischzellentherapie mit Sitz in Bad Tölz. Im hinteren Bereich will Burkhart in einem Sanatorium seine Zelltherapie anbieten. Für die zwei mehrstöckigen Klinik-Bauten entlang der Perronstraße hatte sich der Wiesseer Arzt Martin Marianowicz stark gemacht.

Es sollte eine Akutklinik für Schmerztherapie und Psychosomatik werden. Doch bei einer Pressekonferenz im April gab Marianowicz bekannt: „Ich habe meine Mitarbeit bei dem Projekt Tegernsee-Süd beendet und mich zurückgezogen.“ Es hätte unüberbrückbare Differenzen hinsichtlich der medizinischen und betriebswirtschaftlichen Vorstellungen gegeben.

Zuletzt kam das Vorhaben am 3. Mai in die Schlagzeilen, als Rottach-Egern als Nachbar-Gemeinde Kritik äußerte. Im dortigen Gemeinderat gab es erhebliche Bedenken bei der Zufahrt zu den Gebäuden und deren Anzahl an Stellplätzen. Bürgermeister Christian Köck regte damals eine Linksabbiegespur zum Klinik-Gelände an. Die bisherige Planung sei ihm „zu vage“.

13-seitige Stellungnahme

Doch nicht nur Rottach äußerte Kritik an den Klinik-Plänen in Tegernsee. Auch die Schutzgemeinschaft gab bereits eine eindeutige Stellungnahme ab: „Schlimmer geht’s nicht“, hieß es da. Im Fokus der Kritik standen sowohl die Baumasse als auch eine Versiegelung des Grundstücks mit bis zu 70 Prozent.

Jetzt will auch die Interessengemeinschaft Perrsonstraße, die schon gegen das umstrittene a-ja Hotel protestiert hatte, das Klinik-Projekt nicht so einfach hinnehmen. Zumal der aktuell gültige Bebauungsplan eine Versechsfachung des mittlerweile abgerissenen Bestands vorsieht. Wie der Merkur berichtet, liegt der Stadt inzwischen eine 13-seitige Stellungnahme der Interessengemeinschaft vor. Fünf Kritik-Punkte werden in den Mittelpunkt gestellt:

  •  Die unzureichende Zahl an Parkplätzen hat eine chaotische Situation in der Nachbarschaft zur Folge
  • Das Verkehrskonzept (Verkehrsführung über die Perronstraße und keine Linksabbiegespur) ist fehlerbehaftet, rechtswidrig und unschlüssig
  • Das Bauvolumen, die Gestaltung und die Anordnung der Bauten sind nicht mit dem Ortsbild und der nachbarschaftlichen Rücksichtnahme vereinbar
  • Die Zukunft der Frischzellentherapie ist höchst ungewiss
  • Nach dem Ausstieg von Marianovicz steht noch kein neuer Betreiber fest

Inzwischen treibt die Stadt Tegernsee den Bebauungsplan weiter voran. Derzeit werden sämtliche Stellungnahmen ausgewertet und abgewogen. „Wir nehmen uns dafür alle Zeit der Welt“, erklärt Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) gegenüber dem Merkur. Daher sei noch offen, wann das Projekt im Stadtrat wieder öffentlich behandelt wird. „Die Abwägungen müssen rechtssicher sein, sonst würde das ganze Verfahren wieder neu beginnen“, so der Rathaus-Chef.

Frischzellen-Therapie noch umstritten

Hergestellt werden die Zell-Extrakte für die Frischzellen-Therapie übrigens im Zentrum in Bad Tölz. Etwa 20 Tiere, so Klinik-Bauherr Burkhart im vergangenen Jahr gegenüber der Tegernseer Stimme, sterben jährlich für die Gewinnung des Extrakts. Die eigene Schafherde grast bei Schloss Elmau bei Garmisch. Mangels geeigneter Hotels vor Ort werden die Patienten – darunter viele Gäste aus China und Russland – aber meist am Tegernsee in Hotels untergebracht. Das Umfeld am Tegernsee passe einfach besser, so Burkhart. Um die Unterbringung in Hotels zu vermeiden, will er deshalb die Klinik in Tegernsee Süd bauen.

Doch die Therapie ist noch immer umstritten. Das Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, veröffentlicht im Jahr 2014, einen kritischen Beitrag. Inzwischen konnten demnach Q-Fieber, Rheuma, Infektionen und Schockzustände als Reaktionen nach Behandlungen mit Frischzellen nachgewiesen werden. Alle weiteren Infos zur Frischenzellen-Therapie finden Sie in unserem ausführlichen Interview mit Dr. Burkhard Aschhoff und dem Bauherren der geplanten Klinik in Tegernsee, Dr. Klaus Dieter Burkhart.

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