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Stadtrat besorgt über Entwicklung im Tourismus

Gästeschwund in Tegernsee

Es war kein eigener Punkt der Tagesordnung, doch Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn ließ gleich zu Beginn der gestrigen Sitzung die Katze aus dem Sack: knapp 5.000 Übernachtungen weniger im vergangenen Jahr. Nur einen echten Besuchermagneten hat die Stadt.

Tegernsee ist schön, doch es kommen weniger Touristen und vor allem übernachten sie seltener in der Stadt.

Er hätte die Übernachtungszahlen gerade frisch von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) bekommen, sagte Johannes Hagn (CSU) und nannte das bereinigte Zahlenwerk für das Jahr 2016, ohne die bisherigen Gästebetten im Bastenhaus, der Bergschwalbe und im Gasthof Schandl. Mit gut 55.000 Gästen hätte man zwar nur ein Prozent weniger als im Vorjahr registriert. Doch diese blieben offensichtlich nicht mehr so lange in Tegernsee.

Denn bei den Übernachtungen sank die Zahl um knapp 5.000 auf nur noch 209.000. Dies sei ein Minus von 2,3 Prozent gegenüber 2015. Hagn: „Der durchschnittliche Aufenthalt der Gäste in unserer Stadt lag bei 3,8 Tagen“. Hier hakte sein Vize nach. Heino von Hammerstein (BL) zeigte sich besorgt über den Gästeschwund. „Was ist das Spezifikum von Tegernsee, dass im Gegensatz zu anderen Gemeinden im Tal bei uns die Zahlen rückläufig sind“, fragte er TTT-Geschäftsführer Christian Kausch.

Dieser sieht die Ursache zum einen beim „Verschwinden“ von Gästebetten, zum anderen sei aber auch immer wieder ein großes Thema die Online-Buchbarkeit. Dieser würden sich noch viele Gastgeber verschließen, ebenso Anfragen von internationalen Gästen. Hier sei noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten. Da hier einige Projekte in der „Pipeline“ seien, zeigte sich Kausch für die Zukunft aber optimistisch.

Mehr Saunabesucher, weniger TTT-Finanzierung

Erfreuliches vermeldete Hagn von der Seesauna. Hier könne man sich – wie berichtet – vor dem Ansturm kaum noch retten.

Waren es im Jahr 2015 noch 94.945 Besucher, so kamen im vergangenen Jahr knapp 7.000 mehr, nämlich 101.691 Gäste.

Dies bedeute, dass durchschnittlich im Monat 8.874 Menschen schwitzen wollen. Bescheiden nimmt sich dagegen die Zahl des direkt neben der Seesauna gelegenen Strandbades aus: nur 5.089 Besucher im gesamten Jahr, trotz des warmen Sommers. Positives hatte Kausch bei seinem Tätigkeitsbericht nach Bad Wiessee und Gmund auch in Tegernsee zu berichten. Wie die Nachbargemeinden muss auch die Stadt weniger zur Gesellschafterfinanzierung beitragen. Statt im Vorjahr noch 514.921 Euro, sind es für 2017 nur 495,620 Euro. Damit sind es unter dem Strich 19.300 Euro weniger aus Tegernsee, mit denen Kausch haushalten muss. Sein Credo: Optimierung der Abläufe in der TTT. So sei es zu schaffen.

Mehr Events oder sanften Tourismus?

Probleme mit dem Image als Luftkurort sah Martina Niggl-Fisser (Bürger Liste) bei der von Kausch für nächstes Jahr angekündigten Luftschiff- Weltmeisterschaft. Im vergangenen Jahr wurde bereits die Europameisterschaft mit 17 Luftschiffen ausgetragen. Entsprechend mehr würden es dann bei der WM 2018. „Wie passt das mit dem Bestreben nach einem Bergsteigerdorf und einem sanften Tourismus mit Ruhe, frischer Luft und Natur zusammen“, wenn Luftschiffe mit ihren Dieselmotoren übers Tal dröhnen und die Luft verunreinigen würden? „Das ist doch ein großer Spagat. Muss man denn jede Veranstaltungen hierher holen“, fragte Niggl Fisser.

„Muss man nicht“, erwiderte Kausch und verwies auf die vielen Anfragen für Veranstaltungen, teils mit skurrilen Themen. „Natürlich muss man aufpassen, dass Lärmschutzemissionen beachtet werden“. Aber das Thema Luftschiffe sei eigentlich recht „pflegeleicht, weil die nichts kaputtmachen und der Lärm nicht extrem ist“. Dagegen würden tolle Bilder entstehen, zudem könnten sich die Zuschauer an Luftschiffen eher begeistern.

Eine Hubschrauber- oder Kunstflugveranstaltung wäre viel schlimmer.

Solche Anfragen hätte es auch schon gegeben, sie seien aber abgelehnt worden. Mit dem „Eventtourismus“ an sich hatte Rudolf Gritsch (CSU) Probleme, den „sollte man nicht weiter ausbauen. Ohne ihn wird man nicht ganz auskommen. Aber wir sollten hier im Tal Werte schaffen, die im Wesentlichen auf der Landschaft beruhen“. Dies alleine schon würde die Gäste an den Tegernsee locken, ohne dass damit große Events verbunden seien.


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