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Tegernseer Feuerwehrkommandant im Gespräch

Gaffen kann jeder – helfen muss man wollen

Von Marion Bürkner

Fast sein halbes Leben ist Wolfgang Winkler bei der Freiwilligen Feuerwehr Tegernsee. Mit 16 Jahren fing der inzwischen 45-jährige an. Heute ist er deren Kommandant. Aus dem Kind wurde ein verantwortungsvoller Mann, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Wir wollten wissen, warum.

Der 45-jährige Wolfgang Winkler ist 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Tegernsee – und das aus Leidenschaft.

Ein Bericht von Marion Bürkner:

Als Wolfgang Winkler 16 Jahre alt war, kam sein Eishockeytrainer, der damals Kommandant bei der Freiwilligen Feuerwehr Tegernsee (FFW) war, und fragte ihn, ob er nicht auch Lust hätte, Brände zu bekämpfen und Leben zu retten. Winkler und ein paar Freunde machten mit. Der Beginn einer Leidenschaft. Heute ist Wolfgang Winkler 1. Kommandant der FFW Tegernsee. Auch hauptberuflich ist er Feuerwehrmann geworden und arbeitet bei der Berufsfeuerwehr in München.

„Bei der Feuerwehr lernt man fürs Leben“, erklärt der Tegernseer. „Man weiß, was zu tun ist, um zu helfen. Als ich damals angefangen habe, war ich noch ein Kind. Aber bei der Feuerwehr wird man schon bald mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut. An denen wächst man. Die älteren Kameraden begegnen einem auf Augenhöhe. Wir sind hier eine richtig große Familie.“

Für den Einsatz gut gerüstet

Leuchtende Augen bekommt Winkler, wenn er auf die technische Ausstattung der FFW Tegernsee zu sprechen kommt: Moderne Atemschutzausrüstung, Infrarot-Kameras für den Inneneinsatz, sieben Einsatzfahrzeuge, davon zwei Löschfahrzeuge, zwei unterschiedlich bestückte Anhänger und ein schnelles Boot. Im Notfall hilft man damit den umliegenden Gemeinden, aber auch landkreisweit, aus. Nämlich dann, wenn es um Gefahrgut oder Strahlenschutz geht oder eine Drehleiter gebraucht wird.

„Alle Einsätze sind aufregend“, erklärt der Kommandant. „Im Innenangriff ist es oft heiß, man hat null Sicht und muss sich hundertprozentig auf seine Mannschaft und die Ausrüstung verlassen können. Da steht man schon unter Adrenalin.“ Manche Einsätze würden einem auch nahe gehen, so Winkler, die vergesse man dann nicht so schnell. Schließlich ist er im Tegernseer Tal aufgewachsen und kennt den ein oder anderen, zu dem er gerufen wird.

Der Tegernsee mutiert zum reißenden Meer

„Gott sei Dank haben wir für solche Fälle professionelle Hilfe und psychologische Betreuung, die uns helfen, damit umzugehen.“ An schlimme Einsätze werde man trotzdem immer wieder durch Kreuze erinnert, die am Straßenrand stehen. Eine Geschichte aus seinem 29-jährigen Erfahrungsschatz als Feuerwehrler erzählt Wolfgang Winkler gerne: Gemeinsam mit einem älteren Kameraden war er einmal – an einem Samstag im Hochsommer – zu einer Übungsfahrt auf dem Tegernsee unterwegs. Beide saßen in einem alten Feuerwehrboot. Plötzlich zog ein Sturm auf. Die Wellen waren meterhoch.

Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich der Tegernsee von einem schönen Voralpensee zu einer brodelnden Wasserfläche, wie man es eher auf dem Atlantik erwartet. Angst kam auf, nicht mehr lebend ans Ufer zu kommen. Winkler nahm das Ganze damals jedoch nicht so ernst und dachte: „Naja, so schlimm wird es dann doch nicht gewesen sein!“ Er irrte sich. Neben ihnen trieb ein Segelboot samt Bojevorbei, mehrere Segelboote waren gekentert, ein Kajütboot wurde bei einem Anlegemanöver nahe dem Tegernseer Strandbad in die Grünanlage „geworfen“. Der Versuch zu helfen misslang.

Selbst in Gefahr

Winkler und sein Kamerad hatten selbst Probleme, das Boot manövrierfähig zu halten. Auch die Versuche, einen abgängigen Schwimmer am Ufer ausfindig zu machen, scheiterten. Mit Müh und Not erreichten sie schließlich das westliche Seeufer bei Bad Wiessee, wo von dem Unwetter nicht so viel zu spüren war. Dort wurden sie in der einer Bootshütte mit Handtüchern und Getränken versorgt. Nach einer Stunde sei alles vorbei gewesen. Der Tegernsee erstrahlte wieder in vollem Sonnenlicht und lud zum Baden ein.

Kollegen, die das Spektakel während des Sturms vom Ufer aus beobachtet hatten, berichteten später, sie hätten das Blaulicht des Feuerwehrbootes, das in etwa eineinhalb Meter Höhe montiert war, nicht mehr sehen können. Wenn Winkler diese Geschichte heute den jüngeren Kameraden erzählt, spüre er genau, dass sie denken: „Naja, so schlimm wird es dann doch nicht gewesen sein!“


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